E-Commerce

Retourenquote sinkt in Corona-Krise

Die Corona-Pandemie verändert den Handel. Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg hat die Auswirkungen der Pandemie auf die Retourenquote untersucht.

Im September und Oktober 2020 wurden führende E-Commerce-Händler nach ihren Beobachtungen im Retourenmanagement während der ersten sechs Monate der Pandemie (März bis August) befragt. Insgesamt konnten 103 auswertbare Fragebögen generiert werden. Die in der Stichprobe vertretenen Unternehmen vereinen 16,6% des gesamten deutschen E-Commerce-Umsatzes, was laut der Forschungsgruppe Retourenmanagement ein realistisches und ausreichend repräsentatives Abbild der Situation erlaubt.

Die wesentlichen Erkenntnisse:

  • Die Daten zeigen einen deutlichen Anstieg des Sendungsvolumens im E-Commerce. In den sechs Monaten von März bis einschließlich August haben die Händler 17,4% mehr Sendungen verschickt als im Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2020 dürfte dieser Anstieg nochmals deutlich höher liegen, da sich zum Jahresende das Infektionsgeschehen intensiviert hat und die Einschränkungen im stationären Handel wieder zugenommen haben.
  • Zusätzlich zum starken Wachstum der Bestellungen und damit der ausgehenden Sendungen haben Händler in den Warengruppen-Clustern Fashion und Einrichtung von signifikant niedrigeren Retourenquoten profitiert. Die Kombination dieser beiden Effekte wirkt als Hebel auf die Profitabilität des Geschäftsmodells.
  • Insgesamt hat sich die Retourenquote von 17,8% auf 15,9% reduziert. Dieser absolute Rückgang in Höhe von 1,9 Prozentpunkten entspricht einem relativen einem Rückgang von 10,7%.
  • Da die Anzahl der ausgehenden Sendungen im gleichen Zeitraum deutlich stärker zugenommen hat (+17,4 %), ist die absolute Anzahl an Retouren trotz der geringeren Retourenquoten erneut angestiegen.
  • Auf Basis der erhobenen Daten ergibt sich eine vorläufige Schätzung von 315 Mio. Retourenpaketen (2019: 301 Mio. Retourenpakete; +4,6%) im Jahr 2020. Es handelt sich hierbei um eine konservative Schätzung, weil das überdurchschnittliche E-Commerce-Wachstum im letzten Quartal (intensiviertes Infektionsgeschehen und Einschränkungen im stationären Handel) in der Erhebung unberücksichtigt bleibt.
  • Als Gründe für den Rückgang der Retourenquoten geben die Befragten vorrangig ein verändertes Bestellverhalten (größerer Anteil an Bestellungen, die sich auf den tatsächlichen Bedarf beziehen) und neu erschlossene Kundengruppen mit geringeren Retourenquoten an.

Darüber hinaus berichten die Händler tendenziell, dass:

  1.  ... mehr Kunden zum Ende der eingeräumten Rückgabefrist retournieren.
  2. ... ein größerer Anteil der Retouren offensichtliche Gebrauchsspuren aufweist.
  3. ... ein größerer Anteil der Retouren aufgrund des Zustands nur noch entsorgt werden kann.

Folglich retournieren Kunden während der Covid-19-Pandemie später und nutzen die bestellten Artikel intensiver, bevor sie sich endgültig entscheiden, die Ware zu behalten oder nicht.

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Helge Neumann / 18.01.2021 - 09:57 Uhr

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