Umfassender Umbau im Corona-Jahr 2020

Schuh Frank setzt Maßstäbe in Bad Kreuznach

Neuer Auftritt für das Traditionshaus (Foto: Joachim Grothus)
Neuer Auftritt für das Traditionshaus (Foto: Joachim Grothus)

Nach zwei Jahren Planungszeit wurde im Frühjahr 2020 das Schuhhaus Frank in Bad Kreuznach komplett neu gestaltet. Umbau und Eröffnung wurden durch die Pandemie beeinträchtigt. Das Haus ist für die Fritz Frank Schuhe+Sport KG trotzdem ein Leuchtturm. 

„Unser Stammhaus ist unsere Visitenkarte“, berichtet Andreas Kolb, Geschäftsführender Gesellschafter der Fritz Frank Schuhe+Sport KG, d ie aktuell 50 Standorte mit unterschiedlichen Konzepten führt. Eine umfangreiche Sanierung des aus dem Jahr 1898/99 stammenden und im Laufe der Jahrzehnte mehrfach erweiterten Gebäudes war ohnehin notwendig geworden – und damit wollte man dem Herzstück des Unternehmens auch gleich einen ganz neuen Auftritt verleihen: nicht einfach einen Umbau realisieren, sondern ein Statement setzen. Gemeinsam mit den Innenarchitektur-Spezialistin Anja Pangerl aus dem Haus Blocher Partners feilten Andreas Kolb und seine Ehefrau Pia am Konzept für die Neugestaltung des Schuh Frank-Geschäftes. Wertig sollte es sein, zeitlos und modern zugleich. „Wir sehen uns als Gastgeber für unsere Kundinnen und Kunden“, bringt Pia Kolb den Grundgedanken zum Ausdruck. Wer das Geschäft betritt, solle sich willkommen und zuhause fühlen. Wichtig sei es ihr gewesen, auch eigene Ideen in den Gestaltungsprozess einzubringen. Dass heute Kundinnen sagen, sie würden am liebsten in das Geschäft einziehen und ein paar Tage darin „wohnen“, ist für Pia Kolb das größte Kompliment.

Das Erdgeschoss des 1.100 qm großen Ladenlokals ist mit Parkett in einem warmen, hellen Holzton ausgelegt. Dabei unterscheidet sich die Verlege-Richtung des Bodens in den Abteilungen und unterstreicht die Idee, hier wie daheim verschiedene Räume vorzufinden. Solide Materialien habe man verarbeiten wollen, berichtet Pia Kolb: Holz, Stein und handwerkliche Elemente. „Dieser geerdete, langlebige Charakter war uns sehr wichtig. Das passt zu unserer Region, und es entspricht auch uns“, schildert die Prokuristin, die im Unternehmen unter anderem Einkauf und Marketingaktivitäten verantwortet. Als Anleihe an die Epoche, in der das Haus gebaut wurde, finden sich holzvertäfelte Kassentresen und Verkleidungen aus Wiener Geflecht. Dazwischen moderne Elemente, Beistelltische und Sitzmöbel; stilvoll, aber unaufgeregt und fast wie zufällig arrangiert.

Im Eingangsbereich werden modische Themen für Damen, wie Loafer und weiße Sneaker, präsentiert. Hier zeigt sich der Anspruch des Unternehmens, eine möglichst große Auswahl anzubieten. Nach Farben sortiert, bekommt die Kundin gleich einen Überblick über das Angebot und kann aus verschiedenen Marken und Styles wählen. Je nach Wetterlage und Bedarf werden die aktuellen Themen kurzfristig umsortiert. Wird es kalt und ungemütlich? Dann rücken die kernigen Boots in den Vordergrund.

Ein „Fascination Point“ bietet die Möglichkeit, einzelne Themen besonders prominent hervorzuheben: Schuh, Tasche und Tuch in einer aktuellen Farbthematik oder auch eine spannende neue Marke. Für Kundinnen, die Übergrößen oder besonders komfortable Schuhe benötigen, gibt es separate Bereiche. Die Highlight-Abteilung links des großzügig gestalteten Kassenbereichs wird ihrem Namen gerecht: Hier finden sich Schuhe von edlen Marken wie Pomme d’Or, AGL, Kennel & Schmenger und Copenhagen.

Schuhe, Taschen und viele Accessoires

Zum Angebot für Damen gehören auch ein großzügiges Angebot an Taschen sowie Accessoires und Kleidung, die pointiert präsentiert werden und die Kundinnen inspirieren sollen. Wer in eine stylische Weste schlüpfen möchte, für den gibt es eine geräumig gestaltete Umkleidekabine. Ob das in einem Schuhgeschäft wirklich sein müsse, habe man diskutiert, erklärt Andreas Kolb. „Wenn wir unsere Kundinnen inspirieren und ihnen mehr anbieten wollen als nur Schuhe, dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit bieten, Kleidung in Ruhe und angenehmer Atmosphäre anzuprobieren.“ Erweitert wurde das Sortiment um Handyketten, Fake Fur-Decken oder -Kissen, Hautpflegeprodukte und Süßwaren, die wohldosiert und stylisch präsentiert werden. Diesen Weg wolle man weiter beschreiten, schildert Pia Kolb: „Wir sind und bleiben Schuhhändler. Aber wir möchten unsere Kundinnen und Kunden immer wieder aufs Neue überraschen. Dafür ergänzen wir spannende neue Produkte – und das kommt sehr gut an.“

In der Kinderschuhabteilung, ebenfalls im Erdgeschoss und von der Damenschuhabteilung aus bequem zu erreichen, kommen kleine Kunden auf ihre Kosten. Die hölzerne Rutsche, auf der wohl schon die heutigen Mütter spielten, hat auch den jüngsten Umbau überstanden und bleibt Highlight für die Kids. An den Wänden wurde die Skyline von Bad Kreuznach nachempfunden. Vom Hausschuh über das Sportmodell für den Schulunterricht bis hin zu wetterfesten Boots wird hier ein umfangreiches Angebot präsentiert. Die Kinderschuhe, die an fast allen Standorten des Unternehmens angeboten werden, haben sich in den Lockdown-Phasen als Glücksfall erwiesen und sind nach Überzeugung der Kolbs auch künftig unverzichtbar. „Wir glauben, dass zu einem Familienschuhhaus auch Kinder-
schuhe gehören“, betont Andreas Kolb.
Im oberen Stockwerk findet sich die Schuh-Auswahl für Herren, von Lloyd über Melvin & Hamilton bis hin zu klassisch rahmengenähten Schuhen, wiederum in edlem, etwas dunkler gehaltenem Ambiente. Der Parkettboden, hier in einem rauchigen Farbton, sorgt für eine maskuline Note. Sorgfältig ausgesuchte Möbel sollen das Verweilen möglichst angenehm gestalten.

„Kunden immer wieder neu locken“

Wer das Geschäft betritt, soll beeindruckt und inspiriert werden. Aber auch der Außenauftritt von Schuh Frank in Bad Kreuznach soll vorbeigehende Menschen überraschen und begeistern. In großen Schaufenstern zeigt sich die neue Herbstmode, gestaltet nach unterschiedlichen Themen und Stilrichtungen. „Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden immer wieder neu locken“, berichtet Geschäftsführer Andreas Kolb. Und so findet die klassisch orientierte Kundin links des Eingangs eine kleine Auswahl an Brunate-Schuhen, das modische Publikum wenige Meter weiter ein Angebot an kernigen Boots mit kräftig profilierter Sohle. Taschen, Tücher und ausgesuchte Textilien komplettieren den Look für die H/W-Saison. Rechts vom Eingang werden Herren- und Kinderschuhe in den Fenstern präsentiert. Alles ist liebevoll arrangiert und mit einer klaren Botschaft: Bei Schuh Frank sollen alle Kunden das Richtige finden, ob sie nun Komfortschuhe wünschen, Modelle für die Freizeit oder modische Highlights. Alle vier Wochen werden die Fenster – nicht nur in Bad Kreuznach, sondern in allen Fachgeschäften – unter der Ägide von Pia Kolb umdekoriert.

Ein Umbau im Lockdown – das war auch für die Kolbs eine Herausforderung. Wie überhaupt das Jahr 2020 aus verschiedenen Gründen in die Geschichte des Unternehmens eingehen wird. „Natürlich haben wir uns an manchen Tagen große Sorgen gemacht“, blickt Andreas Kolb zurück. „Man fragt sich unweigerlich, wie man in einer solchen Situation Zukunft gestalten kann.“ Letztlich aber habe man versucht, mit Unternehmergeist und Tatkraft auf die Herausforderungen zu reagieren. Dabei half der eigene Onlineshop, den das Unternehmen seit mehreren Jahren betreibt. Und es wirkte, dass man an vielen Standorten eine hohe Kundenbindung erreichte, die sich während und nach den Lockdowns auszahlte. Auch jetzt freut sich das Team der Fritz Frank KG über regen Zuspruch der Kunden. „Die Menschen haben gelernt, dass online Kaufen nett ist und viele Vorteile bietet“, ist Andreas Kolb überzeugt. „Aber jetzt erfährt das offline Shoppen ein echtes Revival.“ Bedarfskäufe oder ein bereits bekanntes Schuhmodell in einer neuen Farbe – das funktioniere online hervorragend, so Kolb. Aber modische Inspirationen, ein echtes Shoppingerlebnis und kompetente Beratung seien eben nur stationär möglich. Umso wichtiger aber sei es, dass ein Unternehmen wie die Fritz Frank KG genau diesen Wunsch bediene. „Wir müssen unsere Kundinnen und Kunden immer wieder aufs Neue locken, mit Dingen, die sie nicht erwarten“, stellt Pia Kolb klar.

Ein Portfolio mit 50 Standorten bringt es mit sich, dass immer wieder Geschäfte überarbeitet und neu ausgerichtet werden müssen. Die Handschrift und einzelne Elemente des Ladenbaus im umgebauten Stammhaus sollen sich nach dem Willen der Kolbs künftig auch in anderen Filialen finden. „Unsere Flagships wollen wir Zug um Zug nach diesem Muster gestalten“, so Andreas Kolb. Etwa zehn weitere Standorte sollen in den kommenden Jahren in diesem neuen Look auftreten.
Die Unternehmenszentrale der Fritz Frank KG befindet sich seit 2008 in einem Industriegebiet in Bretzenheim, nur wenige Minuten von Bad Kreuznach entfernt. Hier kommt die Ware für sämtliche Filialen an und wird zu den einzelnen Standorten gebracht. Ein Schuh, der in einem der insgesamt 50 Geschäfte nicht mehr verfügbar ist, kann binnen 24 Stunden nachgeliefert werden – entweder in die Filiale oder zum Kunden nach Hause.
 

Nähe auf Social Media-Kanälen

Ein großer Teil dieser Kunden kauft regelmäßig im Unternehmen und ist als Stammkunde erfasst. Dafür braucht man keine Karte und muss auch keine Kundennummer bereithalten. Vor- und Nachname reichen, und das Verkaufspersonal findet die Kundin oder den Kunden im System. Regelmäßig werden an den unterschiedlichen Standorten Events geplant. Auch auf Social Media-Kanälen ist das Team von Schuh Frank aktiv. Regelmäßig werden Schuhe präsentiert und kleine Videos produziert. Dabei machen auch interessierte Verkäuferinnen mit und zeigen ihr „Outfit of the Day“ aus Produkten, die man im Schuhhaus Frank findet. Dabei werden für unterschiedliche Standorte und Konzepte auch verschiedene Inhalte ausgespielt, damit immer ein konkreter Bezug zum Schuhhaus in der Nähe hergestellt wird. Und wer Lust auf ein individuelles Shopping-Erlebnis hat, der kann in den Fachgeschäften des Unternehmens ein solches online buchen und vor Ladenöffnung oder nach Ladenschluss umfangreiche Beratung in Anspruch nehmen.

Über die Jahre hat die Fritz Frank KG einen stetigen Expansionskurs eingeschlagen. Nach Fink und Lahr folgten 2020 etliche Standorte des insolventen Filialisten Dielmann. Eine weitere Expansion schließen die Kolbs nicht aus. Aber: „Wir schauen noch genauer hin. Es ist unsere Aufgabe, uns bei jedem bestehenden und auch bei jedem potenziellen neuen Standort zu fragen: Warum braucht es dich? Was ist genau das Konzept? Was will der Kunde, der hier vor der Tür steht, im Geschäft finden?“ Und da, wo man keine klare Antwort auf diese
Fragen finde, müsse konsequent entschieden werden – auch gegen einen Standort.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Petra Steinke / 05.11.2021 - 08:47 Uhr

Weitere Nachrichten