Interview

Schuhhändler aus Leidenschaft: Henning Borgmann

Schuhhändler Henning Borgmann (Foto: Schuhwiedu)
Schuhhändler Henning Borgmann (Foto: Schuhwiedu)

Schuhhändler Henning Borgmann und sein Team wollen ihre Kunden glücklich machen. Vor allem die kleinen: „Kinder sind für mich eine Herzensangelegenheit“, berichtet der Händler auf der Homepage seines Unternehmens. Wie erlebt er die Corona-Pandemie? stepkids fragte nach.

Wie haben Sie den ersten Lockdown 2020 und die Monate danach erlebt?

Beim ersten Lockdown war das ganze Thema um Corona noch nicht wirklich greifbar. Mit der Schließung unseres Geschäfts wurde von heute auf morgen alles auf den Kopf gestellt. Die Saison startete gerade richtig und wir mussten schnellstmöglich handeln und eine neue Strategie entwickeln. Nach Rücksprache mit den zuständigen Ämtern war schnell klar, dass es keine Sondergenehmigungen geben würde, wie sie anfangs im Norden Deutschlands erteilt wurden. Ich habe dann reagiert und einen Telefonverkauf angeboten. Ob per Telefon oder Chat via Facebook oder Instagram und Skype. Ich habe versucht, auf vielfältige Weise greifbar zu sein. Durch die sozialen Medien haben wir das Ganze promoted. Die Reaktion war überwältigend. Das Telefon stand kaum still, und ich habe vormittags telefoniert und nachmittags ausgeliefert, bzw. kostenlos versendet. Trotz aller Bemühungen war es aber nicht annähernd möglich, den Umsatz des Vorjahres im selben Zeitraum zu erreichen. Was nach dem Lockdown passierte, war allerdings unbeschreiblich. Der friedliche und jederzeit kontrollierte Ansturm auf unser Geschäft war überwältigend. Wir haben den Laden in zwei Bereiche geteilt, sodass wir mit zwei Verkäufern parallel arbeiten konnten. Die entsprechenden Hygienemaßnahmen wurden weiter verstärkt und mit dem Ordnungsamt abgesprochen. Es gab keinerlei Ärger oder Beschwerden. Im Gegenteil – ich hatte das Gefühl, dass die Kunden dankbar waren. Viele hatten tatsächlich lange gewartet. um wieder bei uns vor Ort kaufen zu können. Unfassbar aber wahr: Durch den stetigen Zulauf und die Treue unserer Kunden haben wir es geschafft, unseren Vorjahresumsatz leicht zu übertreffen.

Was macht Ihnen in der Krise Mut?

Das Bewusstsein der Menschen für den stationären Einzelhandel. Vor Ort kaufen ist wieder „in“. Das zeigen auch die diversen Hashtags in den sozialen Medien, die in dieser Zeit entstanden sind. Kunden wollen vor Ort kaufen und viele haben dies wieder neu für sich entdeckt. Dabei geht es nicht nur darum, sich als Helfer zu zeigen oder zu positionieren und dafür gut angesehen zu werden. Eine Kundin sagte zu mir: „Wir haben bisher meist online bestellt, da mir das schneller und komfortabler erschien, aber das Ganze hier vor Ort mit der perfekten Beratung zu bekommen, ist sogar noch schneller und besser als zu bestellen. Wir kommen sicher wieder.“ Und so war es auch.

Viele Kinderschuhgeschäfte haben sich bislang recht gut geschlagen. Kunden zeigten sich solidarisch – und Kinder brauchen immer neue Schuhe. Trifft das auch auf Sie zu?

Definitiv. Als Fachgeschäft bedienen wir einen Markt, der ständig nachwächst. Die Geburtenzahlen sind konstant und gehen eher nach oben. Der Wandel des Marktes ist auch klar zu erkennen. Die Kunden kaufen bewusster – vor allem in der Entscheidung, wo. Du musst nicht zwingend der billigste Anbieter sein oder einen tollen Onlineshop haben. Entscheidend ist, dass du authentisch bist und gewisse Werte und Grundsätze vertrittst – überall, auch in der Kommunikation nach außen. So entsteht Vertrauen durch Konstanz. Die Kunden verlassen sich auf dich. Sie vertrauen dir das höchste Gut an, das sie haben: ihre Kinder. Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen und entsprechen nachhaltig handeln.

Wie gehen Sie aktuell mit der Situation um? Welche Services bieten Sie Ihren Kunden?

Nachdem ich selber und meine ganze Familie Anfang Dezember an Corona erkrankt waren, haben wir zunächst versucht, die ersten Wochen nach der Quarantäne wieder zu Kräften zu kommen. Zum Glück ist die Saison für uns Kinderschuhgeschäfte zum großen Teil gelaufen. Aktuell habe ich den Telefonverkauf wieder aufgenommen. Einziger Unterschied ist, dass ich diesmal nicht aktiv ausliefere. Wir haben deshalb eine kontaktlose Abholstation an der Türe eingerichtet. Außerdem versende ich wieder kostenfrei, wenn die Kunden zu weit entfernt wohnen. Eine Anfrage zur zeitweisen Öffnung und Beratung von Erstläufern, wie es das bei einzelnen Kollegen derzeit gibt, wurde mir durch unser Ordnungsamt aber erneut abgelehnt.

Welche Marken sind in Ihrem Sortiment besonders wichtig?

Da sind vor allem die großen Player im Feld wie Ricosta und Superfit. Außerdem verkaufen wir auch Däumling für die schmaleren Füße oder Affenzahn für alle Barfußschuh-Fans. Weiterhin sind Marken wie Vado, Viking, Lurchi und Froddo ebenfalls nicht aus unserem Sortiment wegzudenken. Wir setzen sehr auf die Tiefe im Angebot der Marken. Bei der Wahl der Lieferanten ist uns wichtig, dass wir ein breites Spektrum an Optik, Passformen und Geschmäckern abdecken. Auch die Frage nach Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Ein enger Dialog mit den Herstellern ist uns wichtig und trägt sicherlich zu unserem Wissen rund um die Produkte und ihren Entstehungsprozess bei.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Ich wünsche mir wieder die persönliche Nähe, den Kontakt mit unseren Kunden, Herstellern, Kollegen und Mitmenschen. Vor allem aber wünsche ich uns allen Gesundheit, und dass der gefundene Impfstoff dazu beiträgt, dass wir weiter in die richtige Richtung gehen, um diese Pandemie möglichst schnell hinter uns lassen.

 

Weitere Informationen zum Schuhgeschäft Schuhwiedu sowie zu den neuen Kinderschuhkollektionen finden Sie in der aktuellen stepkids

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Laura Klesper / 15.02.2021 - 14:16 Uhr

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