Tarifverhandlungen der Textilindustrie

Textilunternehmen sehen sich am Limit

Marcus Simon, Verhandlungsführer, Geschäftsführer Verseidag-Indutex GmbH (Foto: Christian Christes)
Marcus Simon, Verhandlungsführer, Geschäftsführer Verseidag-Indutex GmbH (Foto: Christian Christes)

Der Lockdown bis Mitte Februar bringt die deutsche Textil- und Modeindustrie in erhebliche Schwierigkeiten. Der Verband Textil + Mode schlägt vor den Tarifverhandlungen Alarm.

Da der Mode-Einzelhandel weiterhin nicht öffnen darf, bleiben Bestellungen bei den Bekleidungsherstellern bis weit ins nächste Jahr aus. Nach Weihnachts- und Frühjahrslockdown sei dies ein weiterer Schlag für die deutsche Modeindustrie, erklärt der Verband Textil + Mode. Auch bei den technischen Textilien, dem bisherigen Zugpferd der Textilindustrie in Deutschland, sei die Lage in vielen Unternehmen äußerst angespannt.
Markus Simon, Verhandlungsführer der Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen, erklärt: „Eine Krise solchen Ausmaßes haben wir bei uns in der Branche noch nicht erlebt. So bitter es ist: Es gibt in dieser Tarifrunde keine Verteilungsspielräume. Wir hatten die letzte Tariferhöhung mit 2,3% gerade erst im September. Wir müssen jetzt den Gürtel enger schnallen, sonst überleben zahlreiche Unternehmen der Textil- und Modeindustrie die Corona-Krise nicht!“
Die Verhandlungsdelegationen verständigten sich auf eine Fortsetzung der Gespräche in der nächsten Woche.

Inzwischen bangt laut dem Verband jedes fünfte Bekleidungsunternehmen um seine Existenz. In einer aktuellen Umfrage unter den westdeutschen Textil- und Bekleidungsunternehmen geht über die Hälfte der befragten Unternehmen davon aus, dass es mindestens zwei Jahre und länger dauern wird, die schlimmsten Folgen der Covid-19-Pandemie zu überwinden.

Markus Simon appelliert an die Gewerkschaften, die Zukunft der deutschen Textil- und Modeindustrie nicht aufs Spiel zu setzen: „Nur mit gemeinsamer Anstrengung werden wir einen Weg aus der Krise finden.“ Die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die 100.000 Beschäftigen der westdeutschen Textil- und Modeindustrie wurde für den 29. Januar 2021 vereinbart.

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Petra Steinke / 23.01.2021 - 18:46 Uhr

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