Unternehmer aus Münster

Thomas Zumnorde: „Es tun sich Gräben auf“

Thomas Zumnorde (Foto: Zumnorde)
Thomas Zumnorde (Foto: Zumnorde)

Während einer Pressekonferenz des BDSE fand der Münsteraner Schuhhändler deutliche Worte für die Situation seines Unternehmens. Und warb um Unterstützung für den stationären Handel.

Der Unternehmer äußerte sich in seinem Statement während der Pressekonferenz am 19. Januar auch zu immer wieder aufkeimender Kritik an der Offenheit des Handels für Digitalisierungsthemen. „Das ist ja immer wieder ein Punkt, der in der aktuellen Phase aufkommt, dass unserer Branche nachgesagt wird, dass wir vielleicht nicht intensiv genug an den Themen der Zukunft gearbeitet haben“, so Zumnorde. Dem wolle er deutlich Einhalt gebieten, „denn wir haben alles in die Waagschale geworfen und sind den Weg der Digitalisierung und des Schaffens von weiteren Vertriebskanälen gegangen – auch in der aktuellen Phase.“ Zwar spüre man einen Anstieg des Onlineanteils; dieser liege bei Zumnorde aktuell bei über 40%. „Aber wir stehen an einer Klippe und es tun sich Gräben auf, weil diese Umsätze einfach nicht reichen, um die bisherigen Herausforderungen stemmen zu können“, so Zumnorde.

Allein 800.000 Euro wende das Unternehmen monatlich für die Miete auf, wobei die Reaktion der Vermieter auf die Corona-Krise und damit einhergehende verordnete Geschäftsschließungen unterschiedlich sei. Einige Vermieter hätten durchaus ein offenes Ohr, andere verwiesen auf die Pflicht des Mieters, seinen Zahlungen nachzukommen. Hinzu kämen Millionenbeträge für die aktuell eintreffende Ware. „Ich habe Verständnis für die Politik, aber unsere wirtschaftliche Lage ist dramatisch. In aller Offenheit, wir stehen davor, bereits jetzt Tafelsilber, was sich vorherige Generationen erarbeitet haben, dem Verkauf zuzuführen, weil wir sonst diese Krise nicht überleben würden.“ Zugleich sei man entschlossen, auch mit Blick auf 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „jetzt nicht aufzugeben, weil wir daran glauben, dass unser Geschäftsmodell auch eine Zukunft haben wird.“

Die Innenstadt sei eine soziale Begegnungsplattform. Handel, Gastronomie und Kultur bildeten die drei Säulen der Innenstadt. „Stirbt eine der drei Säulen, stirbt die ganze Innenstadt. Dann bekommen wir Museumsdörfer“, so Zumnorde. Der Konsum von Schuhen und Textilien oder Lederwaren sei eine Art der Freizeitgestaltung. „Wir sorgen für Erlebnis. Aber wir sind jetzt am Rande des Möglichen.“

Neben den finanziellen Belastungen seien auch Banken nervös, weil die öffentliche Hand den stationären Handel in der Krise lange nicht in den Blick nahm. „Das ist eine bedrohliche Situation, die Angst bereitet. Ich muss lernen, als Unternehmer damit umzugehen.“

Während die Gastronomiesparte des Unternehmens – Zumnorde unterhält ein Hotel mit Restaurant in Erfurt – im November schnell Kosten reduzieren und Hilfen beantragen konnte, die auch umgehend flossen, habe auch der Handel mit modischer Ware ein Mindesthaltbarkeitsdatum. „Wir können die Schuhe nicht zu gleichem Preis auf den Markt bringen. Wir müssen die Ware erhalten. Aber uns muss klar sein, dass eine nie dagewesene Preisschlacht beginnen wird.“

 
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Petra Steinke / 20.01.2021 - 18:07 Uhr

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