„Ziel ist, das Traditionsunternehmen zu stabilisieren“

Thorka stellt Insolvenzantrag

Die Thorka-Produktionsstätte in Eberswalde. (Foto: Thorka)
Die Thorka-Produktionsstätte in Eberswalde. (Foto: Thorka)

Die Thorka GmbH Thorsten H. Krause hat am 21. Juni 2021 beim Amtsgericht Offenbach einen Insolvenzantrag gestellt.

Das Amtsgericht hat den Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner am 28. Juni 2021 zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, teilt der Schulranzen- und Schulrucksackspezialist Thorka mit. Thorka produziert unter seiner Traditionsmarke McNeill Schulranzen und Rucksäcke, die sowohl über den stationären Einzelhandel als auch im eigenen Onlineshop sowie auf verschiedenen Handelsplattformen vertrieben werden.

Der Antrag sei gestellt worden, um die Chancen eines Insolvenzverfahrens zur Sanierung zu nutzen. Der Geschäftsbetrieb soll sowohl in der Produktionsstätte in Eberswalde bei Berlin als auch im Hauptsitz in Hainburg uneingeschränkt weiterlaufen. 

Der wesentliche Grund für den Insolvenzantrag liege vor allem in den vielfältigen Auswirkungen der Corona-Pandemie, so Thorka-Geschäftsführer Klaus Götsch. So hätten sowohl Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung wie auch Verzögerungen bei Zulieferbetrieben zu Mindermengen in der Produktion geführt. Das habe sich in der Umsatzentwicklung niedergeschlagen. Gleichzeitig konnten aufgrund des Lockdowns im Einzelhandel über Monate keine Waren ausgeliefert und verkauft werden. 

Die Löhne und Gehälter aller Mitarbeiter sind bis Ende August 2021 über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert. Die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes wurde bereits beantragt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner und die Geschäftsführung haben die Beschäftigten auf Betriebsversammlungen in Hainburg und Eberswalde über die Insolvenz und die weiteren Schritte informiert. 

„Mein primäres Ziel ist, das Traditionsunternehmen zu stabilisieren, um Arbeitsplätze und Geschäftsbetrieb zu erhalten, wofür ich auch Chancen sehe“, so Rechtsanwalt Plathner, „Erste Gespräche mit einem Investor haben wir bereits aufgenommen, um negative Auswirkungen auf die Marke und die laufende Produktion so gering wie möglich zu halten“. 

Das Geschäftsmodell sei grundsätzlich profitabel, da es weltweit eine hohe Nachfrage an hochwertigen und nachhaltigen Schulranzen gibt. McNeill sei die einzige noch in Deutschland produzierende Manufaktur von Schulranzen mit dem Qualitätssiegel „Made in Germany“. Durch die regionale Produktion und den verstärkten Einsatz von recycelten Materialien spare McNeill bis zu 60 Prozent CO2 gegenüber vergleichbaren Produkten aus Asien ein. 

McNeill will auf Nachhaltigkeit setzen: Die aktuelle „McOcean“-Kollektion wird aus recyceltem Plastik aus den Meeren gefertigt. Die Futterstoffe sind aus recycelten PET-Flaschen und werden in recycelten Folien für den Versand verpackt. Auf kurzen Wegen arbeite das McNeill-Team daran, den nachhaltigsten Schulranzen Deutschlands zu fertigen. 

Mit einem überarbeiteten Markenauftritt und einer neuen Digitalisierungsstrategie erfülle McNeill alle Anforderungen der digitalen Shoppingwelt. Nun gelte es, so Plathner, für die Traditionsmarke eine Zukunftslösung zu erarbeiten. „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg finden werden. Hierfür brauchen wir auch unsere motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne sie würde keine Produktion möglich sein. Der kleine sympathische Hund namens McNeill hat die Marke einst berühmt gemacht und Generationen von Kindern sicher zur Schule begleitet – wir arbeiten intensiv daran, dass er dies auch in Zukunft tun kann“, so Plathner. 

Die Thorka GmbH Thorsten H. Krause wurde 1963 gegründet und hat sich aus der Produktion von City-Taschen in einer Gartenhütte in Offenbach in eine international agierende Firma entwickelt, die aktuell rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 70 in der Produktion in Eberswalde.
 

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Tobias Kurtz / 01.07.2021 - 09:02 Uhr

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