„An Allerheiligen gegen die Scheinheiligen“

Verdi bestreikt Amazon-Standorte

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft hat den Onlinehändler aufgefordert, die Entgelterhöhungen der in den letzten Wochen erzielten Tarifabschlüsse der Branche umgehend an die Amazon-Beschäftigten weiterzugeben.

„Es kann nicht angehen, dass sich ein milliardenschwerer multinationaler Konzern dumm und dusselig verdient und sich dennoch weigert, den Beschäftigten die Lohnsteigerungen zukommen zu lassen, die andere Unternehmen der Branche den Kolleginnen und Kollegen zahlen“, erklärte Orhan Akman, Verdi-Bundesfachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel.
Um die Forderung zu bekräftigen, hat Verdi für den 1. November die Beschäftigten an den Amazon-Standorten in Leipzig und an zwei Standorten in Bad Hersfeld zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Akman: „Den scheinheiligen Managern bei Amazon werden wir an Allerheiligen ordentlich Sand ins Getriebe schütten. Denn an diesem Tag sollen die Kolleginnen und Kollegen dort zusätzliche Aufgaben der Standorte im In- und Ausland übernehmen, an denen durch den Feiertag in einigen Bundesländern und Nachbarländern nicht gearbeitet wird.“
Mit der ersten Arbeitsschicht in der Nacht zum 2. November sollten dann auch Beschäftigte an den Amazon-Standorten in Werne, Rheinberg, Koblenz und Graben in den Ausstand treten.

Verdi fordert von Amazon seit inzwischen mehr als acht Jahren, die Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels per Vertrag anzuerkennen sowie einen Tarifvertrag für gute und gesunde Arbeit abzuschließen. „Falls Amazon gehofft haben sollte, dass uns die Luft ausgeht, haben sich die Manager getäuscht. Die Kolleginnen und Kollegen sind nach wie vor bereit, für ihre Interessen zu kämpfen. Die bisherigen Erfolge können sich bereits sehen lassen. Unter dem Druck der Streiks hat Amazon die Löhne in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht. Trotzdem zahlt Amazon den Beschäftigten immer noch weniger als vergleichbare tarifgebundene Unternehmen. Damit muss Schluss sein“, so Akman.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Petra Steinke / 01.11.2021 - 21:00 Uhr

Weitere Nachrichten

Marco Kroner (li.) und Christian Kernbichl haben gemeinsam Merkkur gegründet. (Foto: Merkkur)

Was macht Merkkur?

„Wir sind sehr detailverliebt“

Marco Kroner und Christian Kernbichl sind wahre Amazon-Experten. Als ehemalige Mitarbeiter des E-Commerce-Riesen haben sie 2014 ihr eigenes Onlinehandelsunternehmen Merkkur gegründet. Wie haben sich die beiden in der Corona-Krise strategisch aufgestellt?