Bundesverband Onlinehandel

Warum Amazon kein Partner ist

Amazon-Standort in Leipzig. (Foto: Amazon)
Amazon-Standort in Leipzig. (Foto: Amazon)

Der Bundesverband Onlinehandel (BVOH) hat gewerbliche Händler zu deren Beziehung und Zusammenarbeit mit Amazon befragt. Drei Viertel sehen in Amazon keinen Partner.

Über alle Themen zeigt sich in der BVOH-Umfrage, dass die Händler mit der Unterstützung durch Amazon äußerst unzufrieden sind. 78% der Händler sehen eine schwierige bis keine Partnerschaft. Maximal 5% der Händler erhalten eine zufriedenstellende Unterstützung durch den Händlersupport. Die Händler geben gleichzeitig an, durchschnittlich 51,2% des Unternehmensumsatzes durch Amazon zu erwirtschaften, wodurch die Abhängigkeit der Händler vom Geschäft auf Amazon deutlich wird. Bei Händlern, die mehr als fünf Jahre auf Amazon verkaufen steigt diese Abhängigkeit auf 55%. Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverband Onlinehandel meint dazu: „Die Händler, mit ihren durchschnittlich 11 Mitarbeitern, haben ihre betriebliche Planung darauf ausgerichtet, dass die eingekauften Waren über Amazon verkauft werden. Wenn Amazon nun durch Artikellöschung, falscher Preisfehler-Sperrung, Vertriebsbeschränkung, Geldeinbehalt bis hin zu Kontosperrung den Verkauf unterbindet, muss es wenigstens möglich sein, von Amazon einen eindeutigen Grund zu erfahren und mit einem Mitarbeiter bei Amazon eine Lösung zu finden.“

Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie schwierig es ist, über Amazon erfolgreich zu verkaufen:

  • Um die sogenannte Buy Box zu erhalten, geben die Händler an, dass der Verkaufspreis 22,3% günstiger sein muss als das vergleichbare Angebot vom Händler Amazon.
  • 44% der Händler geben an, dass sie am Verkauf eines Markenproduktes gehindert werden, wobei 78% der Händler sagen, dass Amazon diese Verkaufsbeschränkung ausspricht.
  • 80% der Händler haben auf Amazon schon Erfahrung mit Artikellöschungen gemacht und fast immer, wenn es um den Vorwurf des Verkaufs von Testern, Proben, gebrauchten Artikeln anstatt Neuware oder sogar Fake-Produkten geht, war dieser Vorwurf unberechtigt.

Aus Sicht des BVOH ist der Umgang seitens Amazons mit sogenannten Preisfehlern ein sehr problematisches Vorgehen. Mehr als zwei Drittel der Händler geben an, dass Amazon nicht näher bekannte Algorithmen nutzt, um den Verkaufspreis vorzugeben. Mit sogenannten Niedrigpreis- bzw. Hochpreisfehlern drängt Amazon den Händler dazu, einen bestimmten Preis für das Angebot anzugeben. Präsident Oliver Prothmann sagt dazu: „Amazon wirkt kartellrechtswidrig auf die Freiheit der Preisgestaltung des Händlers ein. Ohne die Kenntnis z.B. von Einkaufskonditionen, Kostenstruktur und Verfügbarkeit, die den Verkaufspreis beim Händler bestimmen, meint Amazon vorgeben zu können, was der Verkaufspreis sein soll. Dieser weitere Eingriff seitens Amazons in die Freiheit des Handels muss aufhören.“ Die größte Bedrohung für einen Händler ist eine Kontosperrung. Fast ein Viertel der Händler geben an, dass in den letzten 12 Monaten ihr Konto durch Amazon gesperrt wurde. Über zwei Drittel der Händler haben erst am Tag der Sperrung davon erfahren und wurden nicht vorab von Amazon gewarnt.

Amazon widerspricht

„Niemand kümmert sich mehr um kleine Unternehmen und hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr für ihre Unterstützung getan als Amazon“, teilt dagegen der Onlinehändler mit. „Wir geben jedes Jahr Milliarden aus, um Verkaufspartner:innen zu helfen, auf unseren Websites erfolgreich zu sein, ihren Traffic zu steigern, unsere Server und Infrastrukturen zu nutzen, die unseren Online Store jederzeit offen halten, sowie Betrug und Missbrauch zu bekämpfen“, so ein Sprecher des Unternehmens. Verkaufsparter begeisterten Kunden jeden Tag mit einer großen Auswahl, bequemer Lieferung und günstigen Preisen. „Sie stehen für etwa 60% der bei Amazon verkauften Artikel und sie wachsen schneller als die eigenen Verkäufe von Amazon. Einfach gesagt: Amazon ist nur dann erfolgreich, wenn unsere Verkaufspartner erfolgreich sind. Aus diesem Grund hören wir immer auf Feedback, um unseren Service zu verbessern, und daher berücksichtigen wir auch diese Einblicke und werden uns in diesem Zusammenhang auch an den BVOH wenden.“ Jedoch sei diese Umfrage nicht repräsentativ und die Ergebnisse zeichneten kein zuverlässiges und richtiges Bild unseres Geschäfts. „Es gibt mehr als 150.000 europäische kleine und mittlere Unternehmen, die in unsere Stores verkaufen, jährlich Einnahmen in Höhe von mehreren zehn Milliarden Euro erzielen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen. Wir hören den Verkaufspartnern zu und haben verschiedene Prozesse, mit Hilfe derer sie Feedback geben können, darunter auch tägliche Umfragen. Diese Rückmeldungen widersprechen den Umfrageergebnissen des BVOH.”

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Helge Neumann / 19.04.2021 - 08:38 Uhr

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