„It-Schuh der Pandemie“

Warum Crocs durchstartet

Adrian Holloway, General Manager EMEA bei Crocs (Foto: Kutena Photography)
Adrian Holloway, General Manager EMEA bei Crocs (Foto: Kutena Photography)

Der Umsatz der amerikanischen Schuhmarke Crocs steigt auf immer neue Rekordhöhen. Was macht den Erfolg von Crocs aus? schuhkurier sprach mit EMEA-Chef Adrian Holloway. 

Es ist schon fast ein Ritual. Quartal für Quartal schraubt Crocs die Umsätze in neue Höhen. Die Schuhmarke aus den USA erlebt aktuell ein bemerkenswertes Comeback. Auch der Start in das Jahr 2021 ist stark ausgefallen. So legte der Umsatz von Crocs im ersten Quartal 2021 um satte 64% auf 460 Mio. Dollar zu. Vor allem online konnte das Schuhlabel wachsen. Hier stiegen die Erlöse um 75%. Crocs wächst dabei weiterhin vor allem auf dem Heimatmarkt mit +87,5% extrem stark. Aber auch in Europa konnte das Unternehmen aus dem Bundesstaat Colorado ein Plus in Höhe von 41% verbuchen. Vor diesem Hintergrund erhöhte CEO Andrew Rees kürzlich die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2021. Das Management geht nun davon aus, dass die Erlöse um 40% bis 50% steigen werden. 2020 erzielte Crocs einen Umsatz in Höhe von 1,39 Mrd. Dollar. schuhkurier sprach mit Adrian Holloway, General Manager EMEA bei Crocs.


Crocs ist in den vergangenen Monaten rasant gewachsen. Was sind die Gründe für den Aufstieg der Marke?

Adrian Holloway: Der Erfolg von Crocs basiert auf mehreren Faktoren. Ein wichtiger Aspekt ist unsere Kundenansprache. Es ist uns durch verschiedene Aktionen in den vergangenen Jahren gelungen, eine tiefe Verbindung zu den Konsumenten aufzubauen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Kollaborationen mit Stars wie Justin Bieber oder Post Malone, die sehr erfolgreich sind und die Relevanz von Crocs in der Zielgruppe stärken.

 

Welche Faktoren gibt es außerdem?

Crocs setzt auf eine Vier-Säulen-Strategie, die im Zusammenspiel unseren Erfolg begründet. Die erste Säule sind die charakteristischen Clogs. Dieses Produkt bildet den Markenkern von Crocs, den wir durch Innovationen ständig up-to-date halten. Hinzu kommen Sandalen, die wir als wichtigstes Wachstumsfeld definiert haben. Die dritte Säule ist Personalisierung. Je nach Lust und Laune können die Kunden unsere Schuhe mit Jibbitz individualisieren und einzigartig machen. Die Unternehmenskultur von Crocs legt großen Wert auf Inklusion und Offenheit und das spiegelt sich auch in den Produkten wider: Jeder Mensch kann selbständig entscheiden, wie er seinen Schuh gestaltet. Die vierte Säule bildet die Lite Ride Technologie, die für einen besonders hohen Tragekomfort sorgt.

 

Die Pandemie hat das Einkaufsverhalten verändert. Hat Crocs von der Corona-Krise profitiert?

In Zeiten von großem Stress und Unsicherheit suchen die Menschen nach komfortablen und zugleich vielseitig einsetzbaren Schuhen. Das hat uns sicher geholfen. Crocs wurde bereits als „It-Schuh der Pandemie“ bezeichnet. Es ist nun unsere Aufgabe, den Schwung aus 2020 in das neue Jahr mitzunehmen. Dass dies gelingen kann, haben die Zahlen für das erste Quartal 2021 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Crocs steht für Comfort Style und Personalisierung zu erschwinglichen Preisen. Wir sind überzeugt, dass es auch künftig großes Wachstumspotenzial für uns gibt.

 

Wie wichtig ist der deutsche Markt für Crocs?

Weltweit gibt es für uns fünf ganz besonders wichtige Märkte, zu denen auch Deutschland gehört. Hier investieren wir mit hoher Priorität in den Ausbau unserer Marke und in unsere Präsenz im Handel. So haben wir etwa kürzlich in Zweibrücken den ersten Crocs-Store in einem neuen Design eröffnet. Aktuell betreiben wir 20 eigene Geschäfte in Deutschland. Für uns sind diese Läden ein wichtiges Tool, um den jeweiligen Markt und die Anforderungen der Kunden besser kennen zu lernen. Sollte sich eine Gelegenheit bieten, sind wir grundsätzlich offen für weitere Standorte.

 

Welche Rolle spielt der Onlinehandel?

Wir setzen auf „digital first“. Das bezieht sich sowohl auf unser Marketing und unseren eigenen E-Commerce, als auch auf die Zusammenarbeit mit Wholesale-Kunden und Online-Player wie Zalando und Amazon. Mit diesem Ansatz entsprechen wir dem veränderten Kaufverhalten. Wir sind da, wo sich unsere Zielgruppe bewegt und in zunehmenden Maße kauft. Das schlägt sich auch in der Umsatzentwicklung nieder. So lag der Onlineanteil am Gesamtumsatz im ersten Quartal 2021 in der Region EMEA bei 42%. Das digitale Business spielt daher für uns eine ganz zentrale Rolle.

 

Wie werden sich diese Anteile entwickeln, wenn der Handel europaweit wieder ohne Beschränkungen öffnen kann?

Das Wachstum der digitale Kanäle wird sich weiter fortsetzen. Das können wir in Großbritannien erkennen, wo der stationäre Handel bereits seit einigen Wochen wieder geöffnet hat und die Konsumenten trotzdem weiterhin verstärkt online einkaufen. Die Einkaufsgewohnheiten verändern sich und das bedeutet für uns als Marke, dass wir diesen Wandel ebenfalls vollziehen müssen.

Welche langfristigen Folgen wird die Corona-Krise auf die Branche haben?

Die Digitalisierung war bereits vor dem Ausbruch der Pandemie ein großes Thema. Die vergangenen Monate haben diesen Trend noch deutlich verstärkt und die digitale Transformation beschleunigt. Darüber hinaus erwarte ich, dass die Konsumenten in Zukunft selektiver einkaufen und sich auf weniger Marken konzentrieren werden. Eine interaktive Verbindung zu den Kunden und Social Media wird daher noch deutlich wichtiger werden.

 

Was wird die Zukunft für Crocs bringen?

Voraussichtlich im dritten Quartal 2021 werden wir unser neues europäisches Distributionszentrum im niederländischen Dordrecht in Betrieb nehmen. Von der Eröffnung werden auch unsere Partner in Deutschland profitieren, da wir künftig noch effizienter arbeiten und Bestellungen zügiger ausliefern können. Die Schuhe stehen schneller auf der Fläche. Darüber hinaus blicken wir grundsätzlich zuversichtlich auf die kommenden Monate. Wir haben bewiesen, dass unsere Wachstumsstrategie funktioniert und gute Ergebnisse
erzielt. Diesen Weg werden wir weiter fortsetzen und dabei konsequent auf die Zusammenarbeit mit prominenten Markenbotschaftern und auf „digital first“ setzen. Zudem sehen wir noch große Chancen für Crocs im Bereich Sandalen.

 

Sie wirken rundum positiv. Macht es aktuell besonders großen Spaß, für Crocs zu arbeiten?

Ja, in der Tat. Dazu tragen aber nicht nur die guten Zahlen bei, sondern unsere offene Unternehmenskultur ist auch ein wesentlicher Faktor. Ich arbeite nicht nur gerne für Crocs, ich bin ein echter Fan der Marke!

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Petra Steinke / 07.06.2021 - 15:47 Uhr

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