Marktüberblick

Warum Outdoor weiter wachsen wird

Corona hat die Kunden zu Gipfelstürmern gemacht – auch wenn es nur der Hügel in der Nachbarschaft war. (Foto: Eiger/Unsplash)
Corona hat die Kunden zu Gipfelstürmern gemacht – auch wenn es nur der Hügel in der Nachbarschaft war. (Foto: Eiger/Unsplash)

Outdoor boomt. Das Segment gehört zu den wenigen Gewinnern der Corona-Krise. Doch bleibt Outdoor auch in Zukunft wichtig? Wie groß ist das Potenzial? Wie kann der Handel reagieren? Und welche Themen beschäftigen die Branche? Ein Überblick. 

Deutschland, Land der Wanderer. Seit jeher genießt das Wandern hierzulande einen hohen Stellenwert. Und dieser ist in den zurückliegenden Monaten sogar nochmal gestiegen. Im Zuge der Corona-Pandemie haben viele Menschen die heimische Landschaft und die Lust an der Bewegung in der Natur entdeckt. Outdoor-Aktivitäten sind noch beliebter geworden. Das hat auch der Deutsche Wanderverein (DWV) in seinem Jahresbericht 2020/21 festgestellt. Demnach ist die Frequentierung der Wanderwege im Corona-Jahr im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. DWV-Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß bilanziert: „Wandern ist die beliebteste Outdoor-Aktivität. 69% der deutschsprachigen Bevölkerung sind aktive Wanderer – mehr als die Hälfte wandert auch im Urlaub. Wanderer geben in Deutschland jedes Jahr 3,7 Mrd. Euro für ihre Ausrüstung aus.“

An dieser Begeisterung dürfte sich so schnell auch nichts ändern. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung, die das Marktforschungsinstitut Yougov im Auftrag des Outdoor-Unternehmens Schöffel im Frühjahr durchgeführt hat. Darin gaben 59% der Teilnehmer an, nach der Corona-Pandemie genauso viele Aktivitäten betreiben zu wollen wie zuvor. Fast jeder Dritte will sein Pensum sogar noch erhöhen. Positiv für den stationären Handel: 40% der Outdoor Aktiven wollen im Zuge der Corona-Lockerungen bevorzugt im stationären Sporthandel einkaufen. Sowohl den Einkauf vor Ort als auch online wollen 31% der Befragten nutzen. 18% bevorzugen weiterhin den Einkauf online.

„Die Stimmung ist positiv“

Mark Held ist seit vielen Jahren in der Outdoor-Branche aktiv. Seit 2019 ist er Präsident der European Outdoor Group (EOG), deren Generalsekretär er zuvor war. Die EOG engagiert sich in den Bereichen CSR und Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Lobbyarbeit. „Wir wollen mehr Menschen nach draußen bringen. Die Bewegung im Freien ist eine der wichtigsten Antworten auf Gesundheitsthemen wie Fettleibigkeit, Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes und psychische Probleme“, erklärt Held im Gespräch mit schuhkurier. Obwohl die vergangenen Monate für niemanden einfach gewesen seien, habe die Outdoor Branche im Großen und Ganzen Glück gehabt und sei erfolgreich aus der Corona Pandemie hervorgegangen. „Das Eingesperrtsein in städtischen Gebieten und der fehlende Zugang zu Freiflächen hat einen unglaublichen Einfluss auf die Menschen, und es gibt ein wachsendes Verständnis für den Wert der Möglichkeit, in die Natur zu gehen“, so Mark Held. In konkreten Zahlen legte der Umsatz mit Outdoor-Schuhen im vergangenen Jahr laut EOG um 8% zu. Und aufgelaufen bis Ende Mai 2021 konnte sogar ein weiteres erhebliches Wachstum in Höhe von rund 30% verzeichnet werden. „Wir glauben, dass die steigende Beliebtheit von Outdoor auch in Zukunft anhalten wird und die Lust der Menschen, in die Natur zu gehen, nicht von kurzer Dauer sein wird“, sagt der EOG-Präsident mit Blick auf die weitere Entwicklung. Insgesamt sei die Stimmung in der Branche sehr positiv.

Diese Einschätzung teilt auch Matthias Wanner, Mitglied der Geschäftsleitung bei Lowa. „Die Nachfrage nach Outdoor-Schuhen wird sich vermutlich auch in 2022 leicht erhöhen. Aber das gilt nicht generell, je nach Schuhtyp eben mehr oder weniger“, lautet seine Einschätzung. Ganz ähnlich sieht es Dieter Klingenberg, Sales & Business Development Director Germany (DACH) bei Keen. „Der Wunsch, sich draußen aufzuhalten bzw. aktiv zu betätigen , bleibt ganz sicher bestehen. Die Pandemie und ihre Nachwirkungen werden uns noch sehr lange beschäftigen.“  

Unabhängig von der aktuellen Umsatzentwicklung ist die Branche laut Mark Held gefordert, „all die neuen Outdoor-Begeisterten darin zu schulen, wie man auf die Umwelt achtet und wie man sich richtig und sicher für seine Ausflüge und Aktivitäten ausrüstet.“ In der jüngeren Vergangenheit habe die Corona-Krise vieles überlagert. Das betreffe auch das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dabei sei langfristig die Klimakrise die deutlich größere Herausforderung, ist Held überzeugt. Die EOG unterstütze daher den Dekarbonisierungsprozess der Branche und führe zudem eine Kampagne mit der European Outdoor Conservation Association (EOCA) durch, um Geld für Klimaschutz-Projekte zu sammeln. Mark Held: „Die Klimasituation wird wirklich kritisch. Wir können also nicht herumsitzen und selbstgefällig über Umsatzsteigerungen jubeln, wenn es eine längerfristige existenzielle Bedrohung für unsere gesamte Umwelt gibt.“

„Kunden suchen Qualität“

Zu den besonders beliebten Wanderregionen in Deutschland gehört das Sauerland. Im kleinen Ort Bredelaer betreibt Marcel Borghoff gemeinsam mit seiner Ehefrau Mona ein Schuhgeschäft mit angeschlossener Orthopädie. Im Zuge eines umfassenden Umbaus haben die Borghoffs vor Kurzem die Outdoorschuh-Abteilung deutlich ausgebaut. Und die aktuelle Nachfrage gibt ihnen Recht. „Die Nachfrage hat sich gegenüber 2020 nochmals gesteigert“, berichtet Marcel Borghoff. Der Händler erwartet, dass diese Tendenz „auf hohem Niveau noch mindestens zwei Jahre anhalten wird“. Dieter Klingenberg sieht den Outdoor-Boom als große Chance für den Schuhfachhandel. „Die Pandemie, so schmerzhaft sie sowohl für die Industrie als auch für den Handel ist, hat dazu geführt, dass eine Kategorie jetzt im Fokus steht, die vorher eher speziell war.“ 

Natürlich würden im Schuhfachhandel nicht die Performance-Modelle gesucht, aber es gebe genügend und sehr kreative Ansätze für Outdoor-inspirierte Modelle, die den Urban Outdoor bzw. Outdoor Lifestyle-Gedanken aufgreifen würden. „Entscheidend für den Fachhandel wird dabei wird sein, bei der Auswahl der Fabrikate auf Authentizität zu achten. Das gilt im Übrigen nicht nur für das Segment Outdoor“, so Klingenberg.  

„Die Kunden suchen neue Schuhe mit ordentlicher Qualität“, sagt Marcel Borghoff. Vor diesem Hintergrund habe er das Sortiment kürzlich mit zwei weiteren Outdoor-Marken ausgebaut. „Wir benötigten schnell Schuhe und wollen unseren Kunden andere Designs präsentieren.“ Grundsätzlich gehe es ihm uns seiner Frau jedoch nicht in erster Linie um die Markenvielfalt. „Dafür gibt es das Internet. Wir müssen mit dem Faktor Mensch mit seinen vielen wertvollen Eigenschaften bei unseren Kunden punkten. Wenn wir dann noch mit einem passenden Ladenbau noch mehr Urlaubsstimmung hervorrufen können, ist nicht nur der Kunde glücklich.“ Damit erfüllen die Borghoffs bereits einen Wunsch von EOG-Präsident Mark Held: „Ich hoffe, dass sich der stationäre Einzelhandel in Richtung Erlebnisorientierung entwickelt und sich nicht nur auf den Preis konzentriert.“

 

Alles zum Trendthema Outdoor finden Sie in unserem neuen Heft.

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Laura Klesper / 08.07.2021 - 09:19 Uhr

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