Konsumstudie

Wie konsumieren wir nach Corona?

Wie beeinflusst die Pandemie das zukünftige Konsumverhalten? (Foto: Karsten Winegeart/Unsplah)
Wie beeinflusst die Pandemie das zukünftige Konsumverhalten? (Foto: Karsten Winegeart/Unsplah)

Die Covid 19-Pandemie hat das Kaufverhalten verändert. Eine neue Studie von Roland Berger widmet sich der Zukunft des Konsums.

 

Verbraucher setzen vor allem auf Marken mit einem hohen Qualitätsanspruch (67%) und nachhaltigen Produkten (51%). Auch wenn der Trend zum Online-Shopping ungebrochen bleibt, können insbesondere kleine Läden mit exklusivem Sortiment punkten. Knapp ein Drittel (32%) der Verbraucher besuchen solche Geschäfte häufiger als vor der Krise. Das sind Kernergebnisse der Studie „Decoding Consumer Behavior“ von Roland Berger und Potloc, für die 2.100 Verbraucher aus zwölf Ländern befragt wurden. „Insgesamt blicken die Konsumenten deutlich positiver in die Zukunft und wollen sich in 2022 größtenteils nicht weiter einschränken. Das sind gute Nachrichten für den Einzelhandel, der mit der Pandemie einen nie da gewesenen Einschnitt überwinden musste“, sagt Thorsten de Boer, Partner bei Roland Berger. „Marken und Händler sollten aber berücksichtigen, dass Konsumenten bei ihren Entscheidungen heute andere Prioritäten setzen. Zudem erwarten sie mehr denn je einen konsistenten Online-Auftritt über Plattformen und Endgeräte hinweg. Und wenn sie ein Geschäft betreten, dann suchen sie ein exklusives Erlebnis.“

 

Nachhaltigkeit kommt an

Kunden konzentrieren sich auf Waren für die eigenen vier Wände und den täglichen Bedarf. Bei der unmittelbaren Kaufentscheidung sind Preis-Leistungs-Verhältnis (68%) und Qualität (56%) die wichtigsten Kriterien für Verbraucher. 

Auch hier wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Ein Drittel will dieses Kriterium in Zukunft noch stärker berücksichtigen. „Nachhaltigkeit ist endgültig beim Verbraucher angekommen“, sagt Richard Federowski, Partner bei Roland Berger. Mit Blick auf die Warenkörbe zeigt sich, dass weiter Produkte für den täglichen Bedarf und das Zuhause (Möbel, Haushalts- und Gartenartikel) im Fokus stehen. 37% haben dieses Jahr beispielsweise mehr Geld für Essen ausgegeben und 29% wollen auch in 2022 hier zusätzlich investieren. „Der Trend zum Cocooning, also sich ins häusliche Privatleben zurückzuziehen, wirkt weiter nach. Die Nachfrage nach Business-Outfits wird in naher Zukunft eher auf niedrigem Niveau bleiben“, sagt Federowski. „Mode aus dem Sport- und Freizeitbereich steht auch weiter hoch im Kurs und Nachhaltigkeitsaspekte werden bei den Kollektionen immer stärker zu berücksichtigen sein. Gekauft wird hier allerdings vor allem online, weil es für die meisten Menschen schlicht komfortabler ist.“

 

Innenstadthändler können punkten

Global ist der Onlinehandel weiter auf dem Vormarsch. Ein Drittel der Befragten gab an, 2021 mehr im Internet zu bestellen als im Vorjahr. Wichtig sind den Kunden vor allem eine kostenlose Lieferung sowie die Möglichkeit, Artikel möglichst einfach und gratis zurückschicken zu können. „Die Verbraucher haben gelernt, wie praktisch und schnell der Einkauf im Netz sein kann, das gilt über alle Produktkategorien hinweg – zunehmend auch bei Lebensmitteln“, so de Boer. Angebote wie eine (virtuelle) Beratung, Click-and-Collect- oder Live-Shopping spielen momentan noch beim Einkauf im Netz nur eine untergeordnete Rolle, werden aber in der Zukunft essenziell. Das sieht beim Einkauf im Ladengeschäft deutlich anders aus. Gerade deutsche Verbraucher strömen in die Innenstädte, um die Vorteile einer persönlichen Beratung (51%) zu genießen. Die Frequenzen sind zwar noch nicht auf Vor-Corona-Niveau, aber die Conversion-Rates sind sehr gut. Außerdem wollen sie auf exklusive Sortimente zurückgreifen (37%) und den Einkauf zelebrieren. „Darin liegt eine Chance für Handel und Innenstädte“, sagt de Boer. „Um im Wettbewerb zu bestehen, können aber auch kleine Händler nicht mehr auf eine digitale Komponente verzichten. Dafür müssen sie ihre exklusiven Erlebnisse in soziale Plattformen tragen. Zudem kennen sie ihre Kundschaft gut und sitzen oft auf wertvollen Daten – dieses Potenzial von Small Data und Communities gilt es zu erschließen.“ 

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Christopher Mastalerz / 04.11.2021 - 09:50 Uhr

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