„Bessere Lösung als Click & Meet“

Wie Leder Reutter das Tübinger Corona-Modell bewertet

Leder Reutter-Filiale in Tübingen (Foto: Leder Reutter)
Leder Reutter-Filiale in Tübingen (Foto: Leder Reutter)

Erst testen, dann einkaufen oder einen Kaffee im Freien trinken: Seit dem 16. März läuft in Tübingen das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“. Wie funktioniert es bei Leder Reutter?

In Tübingen dient das so genannte „Tübinger Tagesticket“ als Nachweis über einen tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest. Es ist die Zugangsvoraussetzung für zahlreiche Betriebe. Für die kostenlosen Schnelltests stehen Teststationen in der Innenstadt bereit. Im Gegenzug zur erweiterten Testpflicht können der Einzelhandel, die Außengastronomie sowie Kunst- und Kultureinrichtungen während der Geltungsdauer des Modellversuchs ohne Terminvereinbarung geöffnet bleiben, auch wenn die Inzidenz im Kreis über den Wert von 50 steigt. So ist es mit dem Land Baden-Württemberg vereinbart.

Bei der Umsetzung arbeitet die Stadt mit dem Deutschen Roten Kreuz im Landkreis Tübingen zusammen. Das Universitätsklinikum übernimmt die wissenschaftliche Begleitung. Die Betriebe und Einrichtungen sind verpflichtet, die Einhaltung der Schnelltestpflicht zu überprüfen.

Leder Reutter: „Umsätze erhöht“

 

Wie sich das Modell in der Praxis bewährt, kann Caroline Reutter vom Lederwarenfachgeschäft Leder Reutter beurteilen. Das Traditionsunternehmen hat seinen Stammsitz in Reutlingen und ist gleichzeitig mit einer Filiale in der Universitätsstadt Tübingen vertreten.

Während die Kunden für einen Besuch im Reutlinger Geschäft einen Termin vereinbaren müssen, können sie in der Tübinger Filiale spontan vorbeischauen – wenn sie am Eingang des Geschäftes einen negativen Schnelltest vorlegen. Aufgrund der ersten Tage bilanziert Caroline Reutter. „Es ist definitiv eine bessere Lösung als Click & Meet. Die Umsätze haben sich erhöht.“ In dem nur 12 km entfernten Reutlingen bietet Leder Reutter daher auch nur ein eingeschränktes Click & Meet an.

Am Anfang habe das Ordnungsamt verstärkt kontrolliert, ob sie ihre Kunden am Eingang nach dem Test fragen, berichtet Caroline Reutter. Einige Kunden habe man wegschicken müssen. Doch zum Glück stehe direkt gegenüber von ihrem Geschäft eine Teststation. Und inzwischen kennen die Kunden den Ablauf. „Es ist eine Frage der Gewöhnung. Manche Kunden zeigen jetzt schon direkt am Eingang ihr Tagesticket vor.“ Seit Anfang des Monats bereits machen übrigens auch alle Mitarbeiter zweimal wöchentlich einen Schnelltest. „Das kommt sehr gut an“, ergänzt Geschäftsführer Hermann Reutter.
Abgesehen vom Samstag halte sich der Andrang an der Teststation sowie in der Stadt aber in Grenzen. Caroline Reutter: „Wenn Kunden nur Geschäfte zum Bummeln besuchen wollen, ist vielen der Aufwand wohl doch noch zu groß und sie warten lieber auf mehr Normalität.“

 

Stadt Tübingen zieht positives Fazit

 

Nach der ersten Woche des Projekts ziehen die Verantwortlichen laut einer Mitteilung der Stadt Tübingen ein positives Fazit. An den neun Teststationen wurden von Montag, 15. März, bis Sonntag, 21. März, insgesamt 29.473 Tests durchgeführt. Davon waren 75 positiv. „Leider zeigt sich aber, dass einige Stationen, die im Freien arbeiteten, eine relativ hohe Zahl falsch positiver Ergebnisse verzeichneten.“ Die sehr niedrigen Außentemperaturen hätten einen Einfluss auf die Zuverlässigkeit der Tests. Im PCR-Test erwiesen sich bisher 29 positive Schnelltest als falsch positiv. Es sei davon auszugehen, dass sich im PCR-Test insgesamt knapp 30 Infektionsfälle bestätigen werden. Die Positivrate liege damit bei etwa 1:1000. Unter tausend getesteten Menschen werde demnach ein Infizierter entdeckt. Das stimme mit der aktuellen Landesinzidenz von 100 gut überein.

Um die Abläufe an den Teststationen zu beschleunigen, stellt die Stadtverwaltung ab 24. März auf ein digitales Ticketsystem um. Wer sich an einer der neun Stationen im Stadtgebiet testen lässt, bekommt jetzt ein Armband mit einem QR-Code. Das Armband kann nicht weitergegeben werden, der QR-Code ist mit einem Smartphone lesbar. Tagestickets auf Papier werden weiter akzeptiert, sollen aber zur Ausnahme werden.

„Das digitale Tagesticket schafft Sicherheit gegen Missbrauch und verkürzt die Wartezeiten. So machen wir Corona-sicheres Stadtleben komfortabler“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. Das Testergebnis erhält man, indem man den QR-Code auf dem Armband mit dem Smartphone scannt und auf eine Website geleitet wird, auf der das Testergebnis einsehbar ist: Bei einem negativen Ergebnis (grün) kann man einkaufen gehen. Ist die Anzeige orange, muss man sich noch ein wenig gedulden. Bei einem positiven Ergebnis (rot) muss man sofort zurück zur Teststation, um sich die nächsten Schritte erklären zu lassen.
Für den Einzelhandel, Kultur und die Gastronomie bringe das neue System keinen zusätzlichen Aufwand mit sich. Der QR-Code kann mit jedem gängigen Smartphone gescannt werden, ein spezielles Lesegerät ist nicht nötig.
 

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Tobias Kurtz / 24.03.2021 - 08:58 Uhr

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