„Leidenschaft und Learning by Doing“

Afew in Düsseldorf: Für Jäger und Sammler

Afew-Store in der Düsseldorfer Innenstadt (Foto: Afew)
Afew-Store in der Düsseldorfer Innenstadt (Foto: Afew)

Sneaker-Fans sind Digital Natives und kaufen vor allem online. Trotzdem gibt es gerade in diesem Segment einige Erfolgsgeschichten im stationären Handel. Andreas und Marco Biergen haben aus einem Store Afew in Düsseldorf eine weltweit bekannte Marke gemacht. 

Heute ist der Düsseldorfer Store Afew in der Sneakerszene weltweit bekannt. Mit regelmäßigen Aktionen, eigenen Modekollektionen und einem selbstproduzierten limitierten Schuh machen die Inhaber Andreas und Marco Biergen immer wieder Schlagzeilen in den Online-Portalen der Szene. Mit viel Leidenschaft und „Learning by Doing“ gehen sie jedes Thema an. Das war auch schon 2008 so, als sie Afew ohne große Erfahrungen eröffneten und noch nicht daran zu denken war, dass die Marke irgendwann so bekannt werden würde. Sie hatten kurz zuvor ihre kaufmännischen Ausbildungen abgeschlossen und waren unzufrieden, wollten ihre Sneaker-Leidenschaft zum Beruf machen. „Wir haben aus der Schule die Basics mitgenommen, aber im realen Leben ist man doch mit immer neuen Situationen konfrontiert, die man in der Theorie nie gelernt hat“, erinnert sich Andreas Biergen an die Anfänge.
Die Leidenschaft für Turnschuhe haben die beiden Brüder schon seit Jugendtagen, waren schon immer auf der Suche nach den spannendsten, seltensten und aufregendsten Sneakern. Als sie in den Achtziger- und Neunzigerjahren begeistert Basketball schauten und spielten, gab es in Deutschland kaum Schuhe dieses Typs. Ihre Trainer aus den USA importierten die knöchelhohen Modelle, und so begannen die Biergens, sich mit den Schuhen zu beschäftigen, von denen man in Europa bis dahin kaum etwas mitbekommen konnte. Schnell kam es zu ersten Sammelbestellungen für Freunde, es entstand ein Netzwerk: „Wir haben angefangen, auch für andere Leute Sneaker zu organisieren und zu bestellen. Damit haben wir unsere eigenen Sneaker finanziert.“ Später verkauften sie parallel zur Ausbildung auf Ebay, auf Flohmärkten oder aus dem Auto heraus, bis sie schließlich alles auf eine Karte setzten und ihren Store eröffneten.

Zwischenzeile: Schnitzeljagd nach Schuhen

Sneaker finden, die sonst noch keiner kennt, sich mit der Community austauschen, wenn das Erscheinungsdatum für einen neuen Schuh bekanntgegeben wird und handeln, um sich das nächste Modell leisten zu können: Das macht auch heute noch den Reiz aus, den das Hobby auf Sneaker-Fans ausübt. Auch wenn Sneaker heute ein allgegenwärtiges Mainstream-Thema sind, sind es Erfahrungen, wie sie Andreas und Marco Biergens in den Neunzigerjahren gemacht haben, die bei vielen Sneaker-Fans die Leidenschaft weckten: Zufällig mitbekommen, dass es da diesen einen coolen Schuh gibt, mehrere hunderte Kilometer zum Laden des Vertrauens fahren und hoffen, dass es das Modell noch in der passenden Größe gibt.
Deswegen schätzen es auch heute noch viele Afew-Kundinnen und Kunden, wenn neue Marken im Store landen, die noch nicht so bekannt sind, auch wenn Adidas und Nike die Trends vorgeben: „Die großen Marken bleiben gesetzt, aber es kommen immer wieder spannende Marken dazu. Wenn ein Brand jahrelang gute Schuhe macht, kann sie sich auch einen Stellenwert in der Szene erarbeiten.“ In den letzten Jahren habe sich unter den Klassikern New Balance eine gute Marktposition erarbeitet, einer der wichtigen Newcomer sei Veja mit besonders nachhaltigen Schuhen.
Heute wird der Trieb zum Jagen und Sammeln von Sneakern vor allem durch besonders limitierte Modelle geweckt. Wenn es bei Afew einen streng limitierten Schuh gibt, heißt es: schnell sein.

Kois, DJs und Grillparties

Afew ist mittlerweile selbst eine wertvolle Marke in der Sneakerszene, mit der auch die größten internationalen Sneaker-Hersteller gerne zusammenarbeiten. Ein Durchbruch gelang den Brüdern am Japan-Tag 2015. Zum jährlichen Düsseldorfer Fest der japanischen Kultur – die in der Stadt tief verwurzelt ist – gab es im Afew Store die erste richtig große Kollaboration. Gemeinsam mit Asics wurde der „Koi“, inspiriert von den japanischen Karpfen, mit der Silhouette des Gel-Lyte III herausgebracht. Ein Top-Thema in der Sneaker-Szene, mit dem auch die beiden Unternehmer so nicht rechnen konnten: „Zum Release standen 1.000 Leute aus ganz Europa vor dem Laden und auch in New York und Tokio, wo wir den Schuh über andere Schuhläden verkauft haben, haben die Leute mehrere Tage vor den Läden campiert, um unseren Schuh zu bekommen.“ Bis heute ist der Koi ein Sammlerstück, das für 600 bis 800 Euro gehandelt wird. Die Sneaker-Fans sind Digital Natives und haben keine Berührungsängste mit Online-Shopping. Auch Afew verkauft 85% der Schuhe über das Internet. Für die Community bedeutet stationärer Handel vor allem, sich mit Gleichgesinnten zu treffen. „Der Laden ist für viele der Treffpunkt, um das Hobby mit anderen – auch den Mitarbeitern – zu leben“, beschreibt Andreas Biergens.
 

Ein Interview mit den Machern von Afew, Andreas und Marco Biergen, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von schuhkurier und hier im ePaper

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Christopher Mastalerz / 30.03.2022 - 14:32 Uhr

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