Wie Händler auf die Kundennachfrage reagieren

Akzeptanz für Nachhaltigkeit wächst

Immer mehr Kundinnen und Kunden legen beim Kauf der Schuhe Wert auf Nachhaltigkeit. (Foto: Katsiaryna Endruszkiewicz/Unsplash)
Immer mehr Kundinnen und Kunden legen beim Kauf der Schuhe Wert auf Nachhaltigkeit. (Foto: Katsiaryna Endruszkiewicz/Unsplash)

Inzwischen haben umweltfreundlich produzierte Schuhe ihren festen Platz im Sortiment. Bei dem Thema Nachhaltigkeit geht es nicht nur um Marken, sondern auch um Langlebigkeit und die richtige Pflege. Vier Konzepte aus dem Einzelhandel.

In dem aktuellen Podcast der Schuhwiese in Düsseldorf geht es in dieser Woche um das Thema „Nachhaltigkeit – lohnt es sich Schuhe reparieren zu lassen“. Schuhmachermeister Theo Küppers erzählt im netten rheinischen Dialekt kleine Geschichten wie es früher war, als es noch keine Massenware gab und die Menschen ihre Schuhe noch reparieren ließen. Das geht auch noch heute, sagt er: „Zu retten ist fast alles wie z.B. abgelaufene Absätze oder aufgegangene Nahtstellen. Und es gibt Kunden, die tragen ihre Schuhe fünf Jahre lang und kaufen trotzdem jedes Jahr ein neues Paar dazu.“

 

Zu jedem Schuh eine Geschichte

Heidi Küppers – die Ehefrau von Theo – steht jeden Tag im Schuhgeschäft, dass sie vor 25 Jahren inmitten der Altstadt eröffnete. Nachhaltigkeit liegt ihr am Herzen. „Oft möchten die Kunden ein Paar nachhaltige Schuhe, wissen aber nicht was das bedeutet. Im Sortiment finden sich Marken wie z.B. Think, Softclox, Ganter oder Asportuguesas aus Naturkautschuk und Kork. „Ich erkläre unseren Kunden, wo die Schuhe produziert werden und das die Mitarbeiter in der Produktion fair behandelt werden. All das stößt bei unseren Kunden auf großes Interesse“, erzählt Heidi Küppers. Es gibt fast zu jedem Schuh eine kleine Geschichte. Seien es die Softclox, für deren Produktion nur so viel Holz geschlagen wird, wie benötigt wird. Bei Think sind es die pflanzlichen Gerbungen oder herausnehmbare Fußbetten. Heidi Küppers informiert auch über die richtige Anwendung der Schuhpflege und gibt Tipps für Schuhreparaturen. „Unsere Schuhe können eine lange Zeit aufgefrischt und getragen werden.“ Durch die gute Qualität seien die Kunden mit der Preis-Leistung zufrieden. „Und wenn ich ihnen erkläre, dass ein paar Schuhe aus hochwertigem Leder 169 Euro kosten, weil das Innenleben pflanzlich gegerbt ist, das Fußbett austauschbar oder für eigene Einlagen herausnehmbar ist und der Schuh mit einer Natur-Latexsohle ausgestattet ist, entwickeln auch Neukunden ein Bewusstsein für nachhaltige Schuhe und gesunde Füße. Inzwischen bemerke ich in Verkaufsgesprächen, dass diese Themen ihnen immer wichtiger werden“.

Intensive Verkaufsberatung

Franziska Staedtler, Schuhhaus Salmann Jüterbog, ist seit 2015 im elterlichen Unternehmen und nachhaltige Themen liegen ihr am Herzen. Das Sortiment konzentriert sich auf die Marken Think, El Naturalista und auf Asportuguesas aus Portugal. „Es sind noch keine Mengen, die wir verkaufen, aber ich halte immer wieder nach neuen Marken Ausschau“, sagt Franziska Staedtler, die davon überzeugt ist, dass nachhaltige Marken in Zukunft immer wichtiger werden. Eine intensive Beratung sei enorm wichtig und nicht immer führe das nachhaltige Material zum Verkauf. „Bei Think ist es die Passform und die Qualität, die in erster Linie überzeugen“, sagt sie. „Die Kunden fragen nicht unbedingt gezielt nach Schuhen aus nachhaltiger Produktion. Aber wenn ich mit ihnen ins Gespräch komme, kann ich sie oft überzeugen. Dann wird auch der höhere Preis akzeptiert.“ Auch bei der Verpackung wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Am Firmensitz in Jüterbog hat das Schuhhaus Salmann vor drei Jahren Pfandbeutel eingeführt, die für einen Euro Pfand erworben werden konnte. „Aber inzwischen sind die Beutel ziemlich aufgebraucht. Jetzt sind wir auf der Suche nach anderen Verpackungsmöglichkeiten“, so die Schuheinzelhändlerin.

Schuhe mit langem Zyklus

„Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiger Aspekt, aber der Begriff wird oft überstrapaziert“, sagt Britta Goertz, Schuhhaus Meyer in Lübbecke. „Langlebige Produkte wertvoll behandeln, das verstehe ich unter Nachhaltigkeit. Das versuche ich auch unseren Kundinnen und Kunden zu vermitteln“. Sie verkauft Schuhe, die einen langen Zyklus haben und mit der richtigen Pflege auch lange halten. Die Konsumenten sollen die Schuhe tragen und Freude daran haben, dazu zähle eben auch ein hochwertiger Schuh zu einem höheren Preis. Es gehe auch darum, Wissen von Macharten und Wertigkeiten zu vermitteln. Ein Schuh für 100 bis 150 Euro habe eben eine längere Lebenszeit, während Billigprodukte nach einem Jahr weggeworfen würden. „Es gibt wiederverwertbare Materialien, die erneut in den Verwertungskreislauf eingebracht werden können. Diesem Thema gegenüber bin ich aufgeschlossen und suche nach Materialien, die Leder ersetzen oder vegane Eigenschaften haben“. Nachhaltigkeit müsse mit Sinn und Verstand gelebt werden. Ein Beispiel: Plastiktüten wurden im Einzelhandel abgeschafft, weil sie die Weltmeere verschmutzen. Alternativ könnten Kunden jetzt ihre eigenen Tüten mitbringen, was stetig zunimmt. Die Alternative Papiertüte habe eine schlechtere Umweltbilanz, sei also auch keine Lösung. Goertz: „Wir haben deshalb Tragegriffe für die Schuhkartons entwickelt. Diese Investition ist sinnvoll und wir stehen dahinter, so ist Nachhaltigkeit sinnvoll und praktikabel“.

Nur nachhaltige Sneaker

Sneakers Unplugged nennt sich das nachhaltige Storekonzept von Christian Ohm. Der 46-jährige Wahl-Düsseldorfer hat seit April 2021 drei Sneakerläden in Köln, Düsseldorf und Münster, in denen er stylische Sneaker aus fairer nachhaltiger Produktion führt. Das Feedback der Kunden und Kundinnen sei seit der Eröffnung durchweg positiv. „So ein Konzept hat einfach im Markt gefehlt“, davon ist der Einzelhändler überzeugt. Die Auswahl in den Stores ist groß mit Marken wie Flamingo Life, Saye, Veja, Beflamboyant, Genesis, Clae, Ekn Footwear, Humans oder Filling Pieces. Die Preise liegen zwischen 99 und 139 Euro, „was sehr fair ist“, so Ohm, „wenn man die aufwendigere Produktion, die Materialien und höheren Löhne in Europa bedenkt. Und für eine gute Sache, tolles Design und gute Qualität sind die Kunden und Kundinnen auch bereit einen fairen Preis zu bezahlen“.

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Lisa Dartmann / 14.07.2022 - 11:52 Uhr

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