Afew im Interview

Andreas Biergen: „Müssen uns immer weiter entwickeln“

Andreas (li.) und Marco Biergen (Foto: Afew)
Andreas (li.) und Marco Biergen (Foto: Afew)

Was treibt die Sneakerhändler Andreas und Marco Biergen an? Wo sehen sie Herausforderungen, Chancen und Risiken? Fragen an Afew-Mitgründer Andreas Biergen. 

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Ihr Business ausgewirkt?

Andreas Biergen: Wir mussten letztes Jahr den Laden für einen gewissen Zeitraum schließen und in der Planung und Organisation viel umstellen. Es gab viele Verzögerungen im Warenfluss; viele Lieferungen, die uns zugesagt wurden, sind dann aufgrund der Lieferengpässe nicht zustande gekommen oder haben sich stark verzögert.

Konnten Sie online die stationären Ausfälle auffangen?

Ja, wir konnten das sehr gut mit dem Online-Geschäft auffangen und hatten eigentlich keine Probleme. Die Einbußen kamen eher zum Jahresende, als die Ware gefehlt hat. Aber auch das konnten wir ganz gut ausbalancieren. Das Thema der Lieferengpässe ist ja auch noch nicht ausgestanden... Ich denke, dass wir die Folgen dieses Jahr sogar noch mehr zu spüren bekommen. Ich glaube aber auch, dass unsere Partner alles tun werden, um uns die Ware liefern zu können. Wir sind für die Hersteller sehr imageträchtig, weil wir nah bei der Community sind. Es ist ihnen deshalb wichtig, dass wir immer die Ware haben, um die Geschichten zu erzählen. Ich hoffe, dass wir da ganz gut wegkommen, aber das bleibt abzuwarten.

Sie sind Mitglied der Sneaker-Force der Verbundgruppe Sport 2000. Wie viele Sneaker-Händler Ihres Typs sehen Sie im deutschsprachigen Raum?

Ich kann es nicht genau sagen, aber ich würde so auf fünf bis zehn tippen.

Wofür brauchen Sie mit ihrem sehr eigenständigen Konzept die Verbundgruppe im Rücken? Wie kann sie Ihnen helfen?

Für die Zukunft kann es interessant sein, weil die Marken die Philosophie fahren, Händler herunterzucutten. Gemeinsam kann man besser auftreten und seine Interessen gegenüber den Herstellern besser vertreten. Unser Ziel ist es, zusammen an die Marken heranzutreten, um über Konditionen, aber auch über Modelle oder spezielle Projekte zu verhandeln. Das funktioniert im Verbund meistens besser.

Spüren Sie die Tendenz, heruntergecuttet zu werden, auch selbst oder sind Sie in einer privilegierten Position?

Im Moment spüren wir das gar nicht und machen uns aktuell auch noch nicht zu viele Sorgen. Aber trotzdem können wir als Verbund mit mehr Power auftreten, wenn wir Konditionen und anderes besprechen.

Wie organisieren Sie Ihre Logistik? Gibt es ein eigenes Logistikzentrum für Afew?

Bis Mitte letzten Jahres hatten wir alles noch vor Ort. Da hatten wir Glück mit der Location, dass wir alles lagertechnisch von hier aus managen konnten. Aber seit letztem Jahr sind wir in ein großes Logistikzentrum gezogen, von wo aus wir das Online-Business bearbeiten.

Wo inspirieren Sie sich? Welche Messen sind für Sie interessant? Wohin fahren Sie, um auf neue Marken und neue Trends aufmerksam zu werden?

Paris ist immer sehr interessant. Unter dem Dach der Fashion Week gibt es verschiedene kleinere Messen, Events und Showrooms, jeweils speziell zu einem Thema. Auch in Kopenhagen und Berlin gibt es interessante Messen, aber Paris bleibt in Europa der wichtigste Ort.

Entdeckt man da denn noch neue Marken oder bleibt man mit Sneakern immer in der gleichen Markenwelt?

Man entdeckt auf jeden Fall immer neue Marken und die Kunden haben auch Lust auf Abwechslung. Da passiert auf jeden Fall was, aber die Großen dominieren natürlich und das wird sich, glaube ich, so schnell nicht ändern. Aber es kommen auch immer mal neue Brands dazu. 

Welche Brands sind denn gerade neu im Kommen?

Autry sind seit zwei, drei Jahren wieder da. Das ist eigentlich eine alte US-Tennisschuhmarke. Deren Lizenz liegt jetzt bei einer italienischen Firma, die sie wieder haben aufleben lassen. Es war nie als großes Ding geplant, es sollte nur ein schöner Schuh mit einer altehrwürdigen Marke sein. Aber dadurch, dass es ein echt guter Schuh mit authentischem Background und hohem, italienischem Qualitätsstandard ist, hat er super als zeitloser Klassiker funktioniert und sich etabliert.

Ist Nike die klare Nummer 1 oder wechseln sich Nike und Adidas ab?

Nike war eigentlich immer das Maß aller Dinge. Adidas hatte ihnen zwischenzeitlich mit Ultra Boost ein großes Stück des Marktes abgenommen und war fast ebenbürtig. Aber in den letzten drei Jahren dominiert Nike den Markt wieder und macht das sehr gut. Adidas bleibt natürlich weiterhin super relevant, aber Nike ist die Nummer 1.

Was ist mit Converse?

Diese Marke verschwindet nie ganz. Ihre Relevanz entwickelt sich zwar wellenförmig, aber im Sommer sind sie eigentlich immer relevant und sie passen auch gerade zum Zeitgeist. Sie haben sich gut weiterentwickelt und bieten interessante neue Sachen neben den Chucks. Sie gehen gute Kooperationen ein und machen alles richtig.

Gibt es auch Marken, die speziell im Winter Trends setzen?

Im Winter performen Outdoor-inspirierte Schuhe gut. Da sind Brands erfolgreich, die in unserem Bereich eher nischig sind, aber generell schon Marktrelevanz haben wie zum Beispiel Salomon oder Hoka.

Wo sehen Sie Herausforderungen? Was bereitet Ihnen Kopfschmerzen?

Für uns ist es wichtig, uns immer weiterzuentwickeln und zu überlegen, wie unser Konzept in zehn Jahren aussehen könnte. Wir waren lange ein reiner Sneaker-Store. Jetzt haben wir auch viel Mode im Sortiment, um einen ganzheitlichen Look abzubilden und auch worauf wir selbst viel Lust haben. Wir wollen mehr Concept-Store als Sneaker-Store sein. Jeder Store hat auch seine eigene Identität, entwickelt Projekte mit der Community. Das ist die Herausforderung, vor der wir stehen. Wir überlegen, wo wir uns weiterentwickeln können. Wir wollen Dinge ausprobieren, die es in der Form noch nicht gibt. Da passiert es auch mal, dass Projekte nicht so viel Anklang finden, wie erhofft.

Es gilt also Trial & Error…

Genau. Das Wichtigste ist dabei, alles aus Überzeugung und Leidenschaft zu machen und den nächsten Schritt nicht nur aus Business-Sicht zu planen. Mittlerweile besteht unser Team nicht mehr nur aus meinem Bruder und mir. Alle im Team wollen ihre Ideen einbringen und diskutieren mit: Was wollen wir machen, wo sehen wir unsere Stärken, wo können wir uns weiterentwickeln?

Können Sie sich weitere Standorte vorstellen? Wenn ja, wo? 

Ja, das könnten wir uns schon vorstellen. Aber das wäre ein großer Schritt. Wir haben eine starke Verbindung nach Japan, eine Filiale dort wäre ein Traum.

 

Dieses Interview ist im schuhkurier 13/22 erschienen.

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Christopher Mastalerz / 31.03.2022 - 13:56 Uhr

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