Gespräch mit Ricosta-Vertriebsleiter Kai Moewes

„Auf einem hohen Nachhaltigkeitslevel“

Ricosta-Vertriebsleiter Kai Moewes (Foto: Ricosta/Olaf Degenkolbe)
Ricosta-Vertriebsleiter Kai Moewes (Foto: Ricosta/Olaf Degenkolbe)

Kai Moewes blickt zuversichtlich auf die Zukunft. Zweifellos habe die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen, sagt der Vertriebsleiter des Kinderschuhanbieters Ricosta. Dennoch habe sie auch Chancen eröffnet. 
 

Zu den wichtigsten Themen, die man bei Ricosta derzeit auf dem Schirm hat, zählt die Nachhaltigkeit. Schon vor Corona habe man sich damit intensiv befasst, so Moewes. „Mit dem klaren Bekenntnis zu Ökologie und fairen Arbeitsbedingungen sind wir schon seit Jahren Vorreiter in der Schuhbranche.“ 1999 hatte man als erstes Unternehmen der Branche ein Umweltmanagement-System gemäß DIN EN ISO 14001 eingeführt – „und wir sind nach wie vor als einziger Kinderschuhhersteller in Europa zertifiziert.“ Auch Lieferanten und Vertragspartner werden aktiv in den Umweltschutz mit einbezogen. „Wir verarbeiten nur hochwertige Materialien wie beispielsweise Leder aus Deutschland und Italien sowie aus anderen europäischen Ländern. Lieferverträge und ständige Kontrollen garantieren, dass alle ’Zutaten‘ unserer Schuhe frei von gesundheitlichen Risiken sind.“ Man stelle fest, dass nicht zuletzt auch in der Pandemiezeit das Interesse der Mütter und Väter an diesem Komplex deutlich zugenommen habe. Auch deshalb soll nun die Zahl der mit dem Blauen Engel zertifizierten Modelle erweitert werden. Und die besonders nachhaltige Gruppe „Care“ soll mit Modellen für größere Größen ausgebaut werden. Den hohen Nachhaltigkeitsstandard wolle man halten bzw. sukzessive ausbauen, berichtet der Verkaufsleiter. Geplant seien die neuerliche Zertifizierung aller Montage-Standorte nach DIN ISO 14001 sowie ein Anschluss an das Fernwärme-Netz in Donaueschingen sowie die ETI-Zertifizierung an den Standorten Polen und Kroatien – am Stammsitz sowie in den Produktionsstätten in Ungarn und Rumänien sei diese bereits abgeschlossen.

Nachhaltigkeit ohne Einschränkungen

Ein T-Shirt aus nachhaltiger Textilie – das ist relativ problemlos zu bewerkstelligen. Bei einem Schuh sieht es anders aus. Dutzende Komponenten gehören zu einem Modell. Der Anspruch, nachhaltige Schuhe zu fertigen, ist damit ungleich komplexer. Trotzdem will man bei Ricosta keine Kompromisse angehen, erklärt der Spezialist: „Selbst kleinste Teile am Schuh können heute schon aus nachhaltiger Produktion stammen. Zum Beispiel Ösen und Ringe aus recyceltem Kunststoff, Senkel aus Bambusfaser oder Naturkautschuksohlen mit einem Recyclinganteil. Die Möglichkeit, kleine Abnutzungen reparieren zu lassen bzw. Teile wie Decksohlen oder Nestel austauschen zu können, zahlt ebenfalls auf die Nachhaltigkeit im Ganzen ein.“
Dabei soll Nachhaltigkeit kein Selbstzweck sein, sondern auch schön und modisch aussehen. „Die Zeiten, in denen nachhaltige Materialien farblich unattraktiv und sehr schlicht waren, sind vorbei. In Punkto Design sehen wir keinerlei Einschränkungen, im Gegenteil. Neue nachhaltige Materialien erweitern sogar die Designmöglichkeiten und verschaffen jeder Kollektion ihren besonderen Look“, ist Moewes überzeugt.
Nachhaltigkeit im Ganzen – das gilt für die komplette Kollektion des Kinderschuhanbieters. Allerdings gibt es Gruppen wie „Care“ bei denen man einen besonders ambitionierten Kurs eingeschlagen hat. Insgesamt aber sei die Kollektion aber, so Moewes, „auf einem sehr hohen Nachhaltigkeitslevel.“ Das schließe im übrigen eine angemessene Preisgestaltung nicht aus, gerade weil die Produktion ausschließlich in Europa erfolge.

 

Handel als Kommunikator

Neben den nachhaltigen Bemühungen sieht man bei Ricosta auch die Kommunikation als wichtige Aufgabe an – schon allein, um sich vom derzeit populären Greenwashing abzugrenzen: „Interessierte Endverbraucher informieren sich immer gezielter über die Fakten hinter den unzähligen Nachhaltigkeitslabels. Konsequentes Aufklären und Transparenz seitens der engagierten Hersteller helfen den Kunden, einen Einblick zu erhalten und dem Überkonsum an Produkten vorzubeugen. Einige Fast-Fashion-Konzerne können trotz aufwendigem grünen Marketing weder Lieferketteneinsicht noch das Einhalten der Produktionsstandards garantieren“, so Moewes. Ricosta hingegen könne das. Gezielte Umfragen über Social Media sowie Interaktionsbuttons liefern dem Unternehmen repräsentative Ergebnisse zu vielen Themen. „Dabei stellen wir auch stets die Nachhaltigkeitsthemen in den Fokus und erfahren dadurch, was Eltern wünschen.“ Auch auf direkte Anfragen und Wünsche der Verbraucherinnen und Verbraucher reagiere man. Aber auch dem Handel komme in der Kommunikation eine wichtige Rolle zu: „Der Handel ist gut beraten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stetig zu schulen, um im Verkaufsgespräch die korrekten Fakten an den Endverbraucher weiter zu geben. Besonders im Kinderschuh-Segment gibt es immensen Beratungsbedarf seitens des Fachhandels. Qualifizierte Hilfe nehmen Eltern dankend an, und dies stärkt besonders die Kundenbindung“, ist der Ricosta-Vertriebsleiter überzeugt.  Die Pandemie ist noch nicht vorbei – und die Verwerfungen, die sie in den internationalen Lieferketten verursacht, auch nicht. Zu den sensiblen Themen auch für den Kinderschuhhersteller gehört die Materialbeschaffung. Die richtige Qualität zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge, das ist aus Sicht von Moewes derzeit die größte Herausforderung.
Stichwort Material: In der Nachhaltigkeitsdebatte ist immer wieder auch von veganem Leder die Rede. Hier sieht der Marktkenner durchaus eine Tendenz: „Als verwertetes Nebenprodukt aus der Fleischindustrie ist Leder an sich schon sehr nachhaltig. Durch umweltfreundliche Gerbungsmethoden, ausgeklügelte Wasseraufbereitungsanlagen und möglichst kurze Transportwege kann der ökologische Fußabdruck relativ klein gehalten werden. Dennoch wird in Zukunft der tierfreie Schuh auch bei Ricosta und Pepino an Bedeutung gewinnen, denn es gibt mittlerweile viele hervorragende alternative Materialien, die wir teilweise jetzt schon einsetzen.“     

 
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Petra Steinke / 03.02.2022 - 10:05 Uhr

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