Gastbeitrag von Sebastian Bär

„Barfußschuhe kritisch hinterfragen“

Sebastian Bär gründete die Laufschuh-Marke Joe Nimble. (Foto: Joe Nimble)
Sebastian Bär gründete die Laufschuh-Marke Joe Nimble. (Foto: Joe Nimble)

Sebastian Bär, Gründer und Geschäftsführer von Joe Nimble, meint: Wer die dünnen Sohlen von Barfußschuhen bedingungslos befürwortet, begibt sich argumentativ auf dünnes Eis. Manchen Menschen schadeten sie sogar mehr als dass sie nützen.

Aus der Sicht eines Literaturwissenschaftlers ist der aktuell in den Medien wieder so häufig gehypte „Barfußschuh“ ein Oxymoron, also eine Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe in einem Kompositum. Aus der Sicht eines Biomechanikers ist der Trend, Schuhe mit möglichst dünnen Sohlen zu tragen, so dass der Läufer den Untergrund spürt wie beim Barfußlaufen, zumindest kritisch zu hinterfragen. Denn: Barfußschuhe, die allein auf dünne Sohlen fokussieren, machen die Füße nicht automatisch gesünder. Im Gegenteil. Bei vielen Menschen haben sich die Füße im Laufe der Jahre durch falsches Schuhwerk mit zu engen Zehenboxen strukturell verformt. In Industrienationen entwickelt beispielsweise jeder dritte Mensch – Frauen deutlich häufiger als Männer – bis spätestens zu seinem 65. Lebensjahr einen mehr oder weniger ausgeprägten Hallux valgus. Gleichzeitig nehmen die natürlichen Fettpolster am Ballen und der Ferse, die im Kindesalter noch vor harten Untergründen schützen, in der Mitte des Lebens langsam ab. Selbst die in diesem Zusammenhang viel zitierten Urvölker tragen übrigens ab dem mittleren Alter Schuhwerk, um ihre Füße zu schützen.

 

Ein strukturell veränderter Fuß auf dünner Sohle führt zu Problemen

Bevor der Fuß mit dünnen Sohlen eine zusätzliche Belastung auf Asphalt und Pflasterstein erfährt, müssen erst einmal etwaige strukturelle Veränderungen zurückgeführt werden, sonst drohen schmerzhafte Druckpunkte im Ballenbereich. Das kann auch der so genannte „Ballengang“ nicht verhindern, den einige Hersteller von Barfußschuhen in eigens ins Leben gerufenen Kursen als natürliche Gangart des Menschen propagieren – bis heute übrigens ohne wissenschaftlichen Beleg.

Was diese Hersteller hingegen (aus ästhetischen Gründen) weitestgehend missachten oder erst in nachgelagerter Priorität erwähnen, ist die Zehenfreiheit. Erst sie ermöglicht dem großen Zeh, über die Zeit wieder in seine natürlich gerade Position zurückzukehren und dadurch als notwendiger Anker und Stabilisator für den Fuß zu fungieren.

Negative Auswirkungen für das Tragen von Schuhen mit Zehenfreiheit sind nirgendwo vermerkt. Für dünne Sohlen gibt es einige. Im Sinne unserer Kunden sollten wir vermeintliche Gesundheitstrends daher kritisch hinterfragen, statt sie ungeprüft zu vermarkten. 

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Sebastian Bär / 07.07.2022 - 13:00 Uhr

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Die Marke Joe Nimble gehört zum Unternehmen Bär, das Schuhe mit dem Konzept der Zehenfreiheit anbietet. Sebastian Bär, Sohn der Gründerfamilie und verantwortlich für die Laufschuhmarke Joe Nimble, lässt als passionierter Läufer eigene Erfahrungen in die Produkte einfließen.