Verband Germanfashion informiert

Bekleidungshersteller: Russlandgeschäft kommt zum Erliegen

Gerd Oliver Seidensticker, Präsident des Verbands Germanfashion (Foto: Germanfashion)
Gerd Oliver Seidensticker, Präsident des Verbands Germanfashion (Foto: Germanfashion)

Die deutschen Bekleidungshersteller blicken auf ein zufriedenstellendes Jahr 2021 zurück. Die eigentlich positiven Aussichten für 2022 werden durch den Krieg in der Ukraine getrübt.

„Wir können für das gesamte Jahr 2021 ein leichtes Umsatzplus von 3% vermelden. Dies ist angesichts der herben Verluste im vorangegangenen Jahr (-20%) sicherlich ein gutes Zeichen, doch das Vorjahresniveau von 2019 ist noch nicht wieder erreicht“, schildert Gerd Oliver Seidensticker, Präsident des deutschen Modeverbandes Germanfashion, die Situation. Erfreulich sei insbesondere, dass der Exportmotor wieder angelaufen sei und man auf den wichtigsten Märkten der Branche ein Umsatzplus von 7% erzielen konnte. „Insgesamt ist das eine erfreuliche Lage“, so Germanfashion-Hauptgeschäftsführer Thomas Lange. „Wir liegen jedoch bei weitem noch nicht auf dem Umsatzniveau von 2019.“

Die Exporte legten im vergangenen Jahr um insgesamt 7,8% zu. Die wichtigsten zehn Exportmärkte der deutschen Hersteller liegen bis auf Polen (-4%) und das Vereinigte Königreich mit -12% (dies als Folge des Brexit) alle im Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sowohl das von Corona gebeutelte Italien (+15,8%) als auch Belgien  (+21,5%) und Spanien (+18%) sind wichtige Märkte für die deutschen Bekleidungsanbieter.
Bei den wichtigsten zehn Exportländern der Branche liegt unverändert folgende Rangliste vor: Schweiz, Polen, Österreich, Frankreich, Niederlande, Italien, Belgien, Spanien, Tschechien und Vereinigtes Königreich. 
Der Ausfuhrwert für Bekleidung lag im Jahr 2021 bei rund 380 Mio. Euro. Auf der Rangliste der wichtigsten Exportländer liegt Russland damit an 13. Stelle. Das ist weniger als vor der Krise im Jahr 2019, aber stabil zum Vorjahr. Der Krieg in der Ukraine veränderte die Situation auch für die Bekleidungshersteller grundsätzlich. „Nachdem in den letzten Tagen noch Unsicherheit vorherrschte, wie stark die Beeinträchtigungen wohl sein würden, herrscht nun ganz deutlich Klarheit darüber, dass es kein SWIFT mehr geben wird, auch eine Kreditversicherung wird nicht mehr möglich sein. Die Geschäftsbeziehungen mit Russland kommen zum Erliegen“, sagt Seidensticker.

Produktion: Bangladesch als Gewinner

Die Produktion hat wieder angezogen, so dass das Jahr 2021 mit einem Importplus von 7% schließt. „Der Gewinner in der Produktion heißt Bangladesch mit einem Zuwachs von 22%. Dies ist zum einen Resultat der Probleme, die unsere Mitglieder zurzeit in China haben, zum anderen hat sich in den Fabriken in Bangladesch sehr viel getan. Nachhaltigkeit wird abgebildet und auch deutsche Hersteller haben dort in Fabriken investiert. Das Land hat sich zu einer möglichen Fernostalternative entwickelt“, so Thomas Lange.
China zeigt zwar ein leichtes Plus, aber nicht mehr auf dem Niveau wie in den vergangenen Jahren. Unsichere Länder wie Myanmar verlieren, ebenso die osteuropäischen Länder wie Bulgarien, Rumänien und Tschechien. 
Nach China heißen die wichtigsten Importländer der Branche Bangladesch, Türkei, Italien, Indien, Vietnam, Pakistan, Kambodscha, Niederlande und Polen. Das prozentual höchste Minus hat das Vereinigte Königreich, eine weitere Folge des Brexit.
„Abgesehen von der dramatischen und ungewissen Lage in Russland und der Ukraine gehen die deutschen Hersteller mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2022 und hoffen, gegen Ende dieses Jahres das Niveau von 2019 wieder erreichen zu können,“ so Gerd Oliver Seidensticker.

 
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Petra Steinke / 03.03.2022 - 21:47 Uhr

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