Quartershoetime & bags Orderdays

Boots standen in Schkeuditz im Fokus

Quartershoetime & Bags Orderdays im MMC Leipzig in Schkeuditz (Foto: Volkmar Heinz)
Quartershoetime & Bags Orderdays im MMC Leipzig in Schkeuditz (Foto: Volkmar Heinz)

Wenn Schuhgeschäft, Supermarkt und Tanksäule ums Geld der Verbraucher konkurrieren, gewinnt selten das Schuhgeschäft. Die Händler, die vom 25. bis 27. März 2022 die Quartershoetime & bags Orderdays im MMC Leipzig besuchten, waren sich dessen bewusst und arbeiteten dennoch intensiv und mutig an ihrem Sortiment.

Es war, insbesondere am Freitag und Samstag, wieder eine lebhafte Veranstaltung, auf der intensiv gearbeitet wurde. Der Einstieg zu Antworten auf viele Fragen war dennoch oft ein Sowohlals-Auch. Das betraf die Orderlust der Einzelhändler, die die Aussteller von „ungebremst“ bis „vorsichtig“ beschrieben. Das betraf auch die Sicht auf bestimmte Trends. Lack, vor allem Knautschlack, war bei einigen das Highlight, bei anderen blieben diese Modelle im Hintergrund. Langschaftstiefel wurden ebenfalls sowohl gefeiert als auch ignoriert. Weitestgehende Einigkeit hingegen herrschte beim Thema Boots. Sie machten bei allen, die sie in den Kollektionen hatten, das Rennen. Sie durften auch farbenfroh sein und kontrastierende Sohlen haben.

 

Zurückhaltender fielen die Orderaufträge bei opulenter Dekoration und dicker goldener Ketten, da solche Dekors im Verkauf weniger gut liefen. Deshalb stießen vermutlich auch bei Mexx die Modelle mit austauschbaren und Ton-in-Ton-Ketten auf Interesse. Der bei vielen zu erwartende höhere Preis für bestimmte Kollektionssegmente, spielte eine geringe Rolle, sobald die Modelle wirklich als neu ins Auge fielen und die Kunden im Laden nicht vergleichen würden.

Eleganz wieder im Kommen

Die Showrooms im Ordercenter wurden teilweise von den angestammten Mietern, teilweise auch von nur während der Veranstaltung präsenten Gast-Ausstellern genutzt. „Über ein Lager voller Winterware haben meine Kunden auch nach den zurückliegenden milden Monaten nicht geklagt“, berichtet Thoralf Martin von Gabor. „Die meisten haben ihre Altbestände inzwischen abverkauft und dadurch finanziellen Spielraum gewonnen. Was allerdings nicht heißt, dass der Krieg in der Ukraine und die möglichen Auswirkungen auf uns, keinen Einfluss hätten. Vor allem die Furcht vor einem Preisanstieg dämpft die Modelust des Verbrauchers. Nichtsdestotrotz wurde von den meisten Händlern gut geordert, insbesondere mit Blick auf die Stückzahlen. Bei den allgemeinen Preiserhöhungen auf dem Schuhsektor ist Gabor nur mit einem geringen Teil der Sortimente dabei, die Einstiegspreislagen bleiben unverändert. „Wonach die Händler besonders häufig griffen, das waren auch bei Gabor vor allem Boots und andere sportliche Schuhe, möglichst mit Reißverschlüssen. Bevorzugte Farben waren Schwarz, Creme und Braun. Lack fand wenige Liebhaber. „Zur Galanterie müssen die Händler erst wieder Vertrauen gewinnen“, so Martin.

Holger Reddiger, der die Kollektion von Högl in Schkeuditz präsentierte, machte ähnliche Erfahrungen: Auch bei ihm waren Boots der Schwerpunkt, allerdings hatte Lack eine überdurchschnittliche Resonanz. Reddiger sagt: „Es wurde gut geordert. Vor allem die schon seit vergangenem Herbst spürbare Eleganz ist jetzt deutlich im Kommen. Interessant waren alle Leistenformen; farblich lagen Schwarz, Blau, helle Skin-Töne und Toffee vorn. Auch wenn nach der Zuverlässigkeit in der Lieferkette gefragt wurde, konnte ich zusichern, dass unsere hundertprozentig in Ungarn gefertigte Ware pünktlich im Laden sein wird.“ Petra Roth (Mustang und 2go-shoes) hat Teil-teils-Erfahrungen gemacht: „Die Geschäfte an der Ostsee sind völlig leergekauft, in den ländlichen Regionen weiter im Süden ist noch einiges auf Lager. Deutlich spürbar ist für mich, dass jene, die sich auch neue, beispielsweise Online-Verkaufswege gesucht haben, derzeit besser dastehen als jene, die nur in ihrem Geschäft gewartet haben.“ Unterm Strich sei die Veranstaltung gut gelaufen. Auch hier waren Boots gefragt – und eher Stiefelette als Langschaft. Richard Valero (Hispanitas und Kinderschuhe), einer der Aussteller, die zeitweise im SOC zu Gast waren, hat seine Besucher vor allem mit Materialien überzeugt sowie mit deren raffiniertem Mix, beispielsweise Lack und Velour. Im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt kaufen die Händler im MMC bei ihm stärker im City-Segment, dafür weniger Sneaker.

 

Kein Winter-Stau in den Lägern

Zu den Einzelhändlern, die im Ordercenter Kollektionen sichteten, um ihr Sortiment zu ergänzen, gehörte Yvonne Rohmer-Mielke, die das Schuhhaus Rohmer im Ostseebad Warnemünde betreibt. Bei Högl griff sie entschlossen nach einem Lackschuh mit Leo-Print: „Der ist was fürs Schaufenster!“ Die Winterware habe sie gut verkauft, so dass sie jetzt nicht wirklich vorsichtig sein müsse. Allerdings, so ergänzt sie, Lieferausfälle mancher Hersteller haben ihr nachweislich Umsatz gekostet. Und Preiserhöhungen? „Wenn der Schuh auf den ersten Blick Klick‘ macht, diskutiert keine Kundin um einen Zehner.“ Yvonne Rohmer-Mielke ordert fast ausschließlich in Schkeuditz: „Erst drehe ich eine Überblicksrunde, dann ordere ich gezielt. Hier gibt es alles, was ich brauche.“

Für Heike und Antonia Wolf, die das 1906 gegründete Fachgeschäft Schuh Wolf im mittelsächsischen Oschatz betreiben, sei der Winter – auch wenn vor allem Stammkundschaft ins Geschäft gekommen ist – erfolgreich gewesen. „Beim Ordern schaue ich jetzt besonders aufs Modische. Auch Nachhaltigkeit ist bei unserer Kundschaft zunehmend von Interesse“, so die Einzelhändlerin.

Neues beim Gastgeber

Einige der Mieter aus der Schuh- und Lederwarenbranche, die durch Sofortangebote für die Textilfachgeschäfte interessant sind, werden auf die Etage zu den Modemietern ziehen, was in der Stamm-Etage des Schuhordercenters neuen Platz schafft. Gerechnet wird dann mit etwa 130 Marken. „In Arbeit ist ein 600 qm Hybrid-Studio, das wir zur Produktion von Fotos und Filmen vermieten, mit Medien-Profis, wenn das gefragt ist“, so Plattformmanager Sebastian Bente. „Es ist technisch vielfältig, wird sich aber thematisch auf die Modebranche konzentrieren.“ In der Textilbranche ist schon am Start, was Regtrade, der Bewirtschafter des Gebäudes, auch für den Schuhsektor ins Auge gefasst hat, nämlich eine eigene Agentur, von der sich Marken vertreten lassen können. „Außerdem ergab sich“, so Bente, „dass wir eine Art Drehscheibe geworden sind, auf der Hersteller und potentielle Repräsentanten zueinanderkommen. Davon profitieren auch wir“, bekennt der Plattformmanager. „Da sich Veranstaltungen mitunter überschneiden, ist es besser, wenn die Vertreter keine allzu großen Regionen bereisen müssen.“ Zum Thema Termin sagen Bente und Ludwig: „Es herrscht Gesprächsbedarf.“
Und ansonsten? Alle warten auf das Ende von Masken, reduzierten Flächen und regulierten Möglichkeiten, auf das Ende der Ungewissheit. Alle hoffen auf den September.

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Marlies Heinz / 07.04.2022 - 15:09 Uhr

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