„Hilfe für die Menschen steht im Vordergrund“

Cads: Ukraine-Krieg gefährdet nachhaltige Lieferketten

Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L und Geschäftsführer Cads. (Foto: Anka Bardeleben/HDS/L)
Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L und Geschäftsführer Cads. (Foto: Anka Bardeleben/HDS/L)

Die Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Schuhindustrie, Cads, geht davon aus, dass der Ukraine-Krieg die Bemühungen um umweltfreundliche und faire Schuhproduktion erheblich beeinträchtigt.

Vor Beginn der Krise sei die Ukraine ein wichtiges Zulieferland für fair produzierte und umweltfreundliche Schuhe und Lederwaren gewesen, heißt es seitens Cads. So sei unter anderem Filz als Naturmaterial für Schuhe aus der Ukraine gekommen. Zudem führten Transportwege aus Asien durch Russland und stellten eine klimafreundlichere Alternative zu den Schiffsrouten dar. „Jetzt sind ukrainische Standorte gefährdet. Der Zugverkehr für Güter unterbrochen“, so Cads-Geschäftsführer Manfred Junkert. Mitglieder des Vereins, darunter der Kinderschuhhersteller Ricosta oder der Lederwarenhersteller Picard, seien von starken Einschränkungen bis zur Stilllegung der Produktion betroffen. 

Mit dem develoPPP Förderprogram des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte Cads nach der russischen Annexion der Krim Zulieferer in der Ukraine stärken wollen und 2016 Pilotprojekte für eine nachhaltige und faire Produktion gestartet. „Es war Ziel, Sozialnormen sowie Umweltschutzmaßnahmen und -prozesse sowie die toxikologische Produktsicherheit nachhaltig bei unseren Lieferanten in der Ukraine zu verbessern“, sagt Projektleiter Jörg Ertl, stellvertretender Geschäftsführer und Nachhaltigkeitsmanager bei Ricosta. „Jetzt gilt unsere Sorge der Sicherheit und Gesundheit der Menschen in der Ukraine“, so Ertl. 
Aktuell stünden jedoch andere Aufgaben an, erläutert Manfred Junkert: „Hilfe für die Menschen in der Ukraine steht jetzt im Vordergrund, wirtschaftliche Fragen müssen dahinter zurückstehen. Daher stehen wir klar hinter den Sanktionen der EU gegenüber Russland. Mit unseren Mitgliedern sind wir gleichzeitig im ständigen Austausch, um Lösungen für die Auswirkungen der Krise auf die Lieferketten zu erarbeiten.“

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Petra Steinke / 28.03.2022 - 12:20 Uhr

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