Umfrage schuhkurier

Das sagt die Branche zu Hausschuhen

Homeoffice spielt eine große Rolle im Bereich der Hausschuhe. (Foto: Unsplash)
Homeoffice spielt eine große Rolle im Bereich der Hausschuhe. (Foto: Unsplash)

Die Corona-Pandemie hat dem Hausschuh-Segment Schub gegeben. Wie geht es damit weiter, wenn die Menschen wieder häufiger ins Büro gehen? schuhkurier fragte in Handel und Industrie nach.

„Cosyness“, „Wellness“, „Cocooning“ – schon vor der Pandemie war der Trend, sich etwas Gutes zu tun und es sich in den eigenen vier Wänden gemütlich zu machen, erkennbar. Dann kam Corona und daraus resultierend die Vorgabe, Kontakte weitestgehend zu reduzieren – bis hin zur Nutzung des Homeoffice, wo immer möglich. Laut einer Studie des ifo-Instituts und Infas verlegten in der Pandemie bis zu einem Drittel der Erwerbstätigen zumindest vorübergehend ihr Büro nach Hause. Der höchste Homeoffice-Anteil wurde in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 erreicht. Ein Jahr später pendelte sich der Homeoffice-Anteil bei etwa einem Viertel ein. Das bekam der (stationäre) Schuhfachhandel unmittelbar zu spüren: So blieben die Kunden weg, die sonst für Job und Geschäftsreisen typische Business-Schuhe gekauft hatten. Zugleich stieg die Nachfrage nach Schuhen für Zuhause. Das Hausschuh-Segment sorgte neben Outdoor- und Kinderschuhen für Umsätze trotz Lockdown. Homewear avancierte für manche Händler zum Überraschungssieger der Pandemie. Darauf reagierten Hersteller und bauten ihr Hausschuh-Angebot um weitere, modische Styles aus. Und Marken, die sonst nicht dem Hausschuh-Segment zugerechnet wurden, entwickelten neue Gruppen als Ergänzung ihrer Kollektion.

 

Wie geht es weiter mit den Hausschuhen? Trotz der weiter hohen Inzidenzen kehren die Menschen derzeit wieder zunehmend zurück in die Büros. Laut ifo-Studie wünschen sich viele Beschäftigte aber einen gewissen Ausgleich zwischen Präsenz- und Heimarbeit. Andererseits bleibt in vielen Unternehmen die Möglichkeit, zumindest tageweise im Homeoffice zu arbeiten, bestehen. Laut einer ifo-Umfrage und einer Erhebung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) will eine Mehrheit der Firmen (54 bzw. 58%) mehr Homeoffice als vor der Corona-Krise ermöglichen. Was geschieht vor diesem Hintergrund mit der Nachfrage nach Hausschuhen? Aus Sicht des SABU-Einkaufsteams wird sich nichts ändern: „Wir beobachten den wachsenden Anteil an Hausschuhen, Tendenz weiter steigend. Viele Hersteller haben den Trend aufgenommen und ihr Sortiment um Hausschuhe erweitert. Ein prominentes Beispiel ist Gabor Home“, berichtet Bernd Schneider, verantwortlich für die Koordination der Vertragslieferanten bei der Heilbronner Verbundgruppe. Der Hausschuh-Anteil dürfte laut Schneider bei den SABU-Händlern im Schnitt bei 6 bis 7% liegen. Je nach Sortimentsausrichtung gebe es aber Unterschiede.

Auch die ANWR beobachtet Interesse am Hausschuh: Das Segment habe speziell in der Corona- und damit der Homeoffice-Zeit eine Blüte erlebt und sich „aus dem Mauerblümchen-Dasein im Handel herausbewegt.“ Die Umsätze der Hausschuhlieferanten haben sich laut ANWR vor allem in den letzten beiden Jahren und auch aktuell in diesem Jahr deutlich gegen den Trend entwickelt und beim Abverkauf zugelegt. „Die – neue – Bedeutung haben auch viele Marken erkannt, die bislang mit Hausschuhen nicht präsent waren, und die Angebote in diesem Segment deutlich weiterentwickelt. Home-Office wird, wenn auch in abgespeckter Form, bleiben. Das Thema bleibt also relevant. Für den Handel kann ein gutes und zeitgemäßes Hausschuh-Angebot sicherlich ein Baustein zur Profilierung sein“, teilt die ANWR auf schuhkurier-Anfrage mit. Die Bestimmung des Anteils, den Hausschuhe in den Sortimenten einnehmen, ist aus Sicht der Verbundgruppe aus Mainhausen allerdings schwierig. „Denn auch Pantoletten werden zu Hause getragen. Insgesamt sind Hausschuhe – auch unter Einbeziehung von Pantoletten – auf jeden Fall ein relevanter Sortimentsbestandteil.“ Neben den bewährten Hausschuhmarken haben sich laut ANWR „auch andere Marken, z.B. Gabor, Ara und auch die ANWR Marke Natural Sense, intensiv mit dem Segment beschäftigt und ihren Anteil aus- bzw. aufgebaut.“

 

Eine stabile Nachfrage beobachtet Ralph Wolter, Geschäftsführer von Finn Comfort: „Hausschuhe werden definitiv wichtiger. Pantoletten entwickeln sich stabil; bei einigen Varianten sehen wir auch einen Zuwachs. Das Segment hat im Zuge der Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen. Wir haben auch aus diesem Grund neue Styles hinzugefügt.“ Viele Händler sehen das Hausschuh-Segment auch nach der Pandemie als wichtig an: „Hausschuhe in guter Ausstattung gehören seit jeher zu unserem Angebot. Wir legen unter anderem Wert auf gepflegte Lederhausschuhe und werden dieses Segment im bewährten Umfang beibehalten“, sagt Beate Terni vom Schuhhaus Neumann in Hannover. Auch in Ludwigshafen glaubt man an die Schuhe für daheim: „Wir führen traditionell Hausschuhe von verschiedenen Marken wie Haflinger, Finn Comfort, Birkenstock und Hickersberger. Das Thema ist eine sichere Bank und war gerade auch in der Pandemie super erfolgreich. Vor allem Filzhausschuhe sind bei uns beliebt“, erklärt Marcus Keller-Leist vom Schuhhaus Keller. Kai Enners vom Schuhhaus Enners in Hachenburg war zuletzt auf der Shoes in Düsseldorf unterwegs, um auch Hausschuhe zu sichten: „Wir glauben an Hausschuhe. Der gerade zu Ende gegangene Winter war zwar nicht so stark wie der Winter davor, aber wir können mit dem Hausschuh-Geschäft sehr zufrieden sein. Wir werden es nicht ausbauen, aber auf stabilem Niveau halten.“

 

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Laura Klesper / 21.03.2022 - 15:39 Uhr

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