„Ukraine-Krieg überlagert alles“

Das sind die Zahlen der deutschen Lederwarenindustrie

Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L (Foto: HDS/L)
Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L (Foto: HDS/L)

Die deutsche Lederwarenindustrie hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Und die Aussichten sind unklar. Die Einschätzungen des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L).

„Vor zwei Wochen hätte ich gesagt, dass die Aussichten für die deutsche Lederwarenindustrie gut sind“, berichtete HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert am 5. März 2022 auf der Pressekonferenz anlässlich der Lederwarenmesse ILM in Offenbach. Die gestiegenen Rohstoffpreise, das Lieferkettengesetz sowie die Logistikkette stellten zwar bereits große Herausforderungen für die Industrie dar. Doch der „Ukraine-Krieg überlagert alles“ und verschärfe die Risiken und Unsicherheiten.

Dabei verbuchte die Lederwarenindustrie in den letzten zwei Jahren schon teils erhebliche Einbußen. Die Verkaufserlöse sind 2021 um 12,7 Prozent von 465,3 auf 406,2 Mio. Euro zurückgegangen. Der Inlandsumsatz sank um 14,7 Prozent auf 275,3 Mio. Euro. Damit ging der Inlandsumsatz in 2021 in Vergleich zu 2019 um ein Drittel zurück.

Rückläufig hat sich auch das Auslandsgeschäft entwickelt. In 2021 konnte die deutsche Lederwaren- und Kofferindustrie im Ausland einen Umsatz von 130,9 Mio. Euro erzielen (-8,2% gegenüber 2020).

Die Verbraucherpreise für Reiseartikel und Lederwaren entwickelten sich nicht in demselben Maße wie die Verbraucherpreise insgesamt. Von 2020 zu 2021 stiegen die Preise für Verbraucher über alle Güter hinweg um 3,1 Prozent. Rückläufig haben sich die Verbraucherpreise bei der Produktgruppe Koffer, Reisetasche, Aktenkoffer und Geldbörsen entwickelt (Koffer und Reisetaschen: -1,5%; Aktenkoffer: -0,3%; Geldbörsen: -1,0%). Anstiege sind bei Handtaschen, Schulranzen und Rucksäcken zu verzeichnen (Handtaschen: +0,3%; Schulranzen: +0,3%; Rucksäcke: +0,7%). „Die Branche kann die gestiegenen Erzeugerpreise nicht an die Verbraucher weitergeben“, folgert Junkert.

Im Jahr 2021 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von 2,1 Mrd. Euro aus Deutschland exportiert. Dies entspricht einem Anstieg von 13,4 Prozent. Der Wert der exportierten Lederwaren und Koffer liegt im Jahr 2021 aber noch unter dem Exportwert von 2019.

Die wichtigsten Abnehmerländer von Lederwaren und Koffern aus Deutschland waren Polen
(220 Mio. Euro), Frankreich (204 Mio. Euro), die Schweiz (202 Mio. Euro) und Österreich (171 Mio. Euro). Die EU-Mitgliedsstaaten bilden mit fast 60 Prozent des Gesamtexportwertes das Fundament für die Ausfuhr von Lederwaren und Koffern aus Deutschland. Der in diesen Ländern erzielte Exportwert betrug 2021 rund 1,29 Mrd. Euro (+10.6%). Der Anstieg im Vergleich zu 2019 beträgt 0,6 Prozent.

Dabei hinterlässt der Brexit bereits seine Spuren: In 2021 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von 102 Mio. Euro in das Vereinigte Königreich exportiert. Dies ist im Vergleich zu 2020 ein Anstieg von 4,1 Prozent. Doch im Jahr 2019 wurden noch Lederwaren und Koffer im Wert von 132 Mio. Euro nach Großbritannien exportiert (2019 zu 2021: -22,7 Prozent)

 

Lederwarenindustrie: China dominiert Importgeschäft

 

Im Vergleich zu 2020 ist in 2021 der Wert der gesamten Einfuhren von Lederwaren, Koffern und Reisegepäck um 6,1 Prozent auf 3,39 Mrd. Euro gestiegen. China ist mit einem Anteil von 38,3 Prozent (1,29 Mrd. Euro, +7,8%) am gesamten Wert aller nach Deutschland eingeführten Lederwaren das wichtigste Lieferland. Dies entspricht allerdings einem Rückgang von 14,4 Prozent von 2019 zu 2021. Zweitwichtigstes Lieferland von Lederwaren und Koffern ist Italien. Der Wert der importierten Lederwaren und Koffer aus Italien ist von 2019 zu 2021 um 11,3 Prozent auf 486,7 Mio. Euro gesunken (2020 zu 2021: +0,6 Prozent).

 

Lederwarenindustrie rechnet mit konstanten Umsätzen

 

Die Hälfte der an der HDS/L-Konjunkturumfrage teilnehmenden Betriebe rechnet mit gleichbleibenden Umsätzen in 2022 im Vergleich zu 2021. Impulse aus dem Auslandsgeschäft sind nicht zu erwarten. Zwei Drittel der befragten Betriebe gehen von einem gleichbleibenden Exportgeschäft in 2022 im Vergleich zu 2021 aus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Umfrage vor dem Beginn des Ukraine-Krieges durchgeführt wurde.
 

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Tobias Kurtz / 07.03.2022 - 09:46 Uhr

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