Markenportrait

Die Goldstars aus Fusignano

Mit den Marken Rafting Goldstar, Biochic und Valleverde will Rafting Goldstar auch in Deutschland Fuß fassen. (Foto: Matteo Carlocchia/Rafting Goldstar)
Mit den Marken Rafting Goldstar, Biochic und Valleverde will Rafting Goldstar auch in Deutschland Fuß fassen. (Foto: Matteo Carlocchia/Rafting Goldstar)

Das anatomische herausnehmbare Korkfußbett ist das Meisterwerk von Rafting Goldstar. Die Erfolgsgeschichte des italienischen Familienunternehmens aus Fusignano basiert auf innovativen Technologien und der Leidenschaft für das Schuhhandwerk.

„Es tut uns leid. Wir müssen den Gesprächstermin mit Signor Silvagni auf Samstag 9 Uhr verschieben“, steht in der Mail von Goldstar Mitarbeiterin Deanna Guerrini, die das Treffen mit dem Goldstar-Gründer und Chef Elvio Silvagni organisiert hat. Die neue Kollektion F/S 2023 muss bis zur Expo Riva Schuh im Juni fertig sein und da wird in dem Familienunternehmen in Fusignano auch samstags gearbeitet. Auch auf der Micam in Mailand im September werden die Pantoletten ausgestellt. Elvio Silvagni macht an diesem Samstagmorgen seinen Rundgang durch den modern ausgestatteten Produktionsbetrieb. Vieles ist hier digitalisiert und die Zuschnittmaschinen arbeiten automatisch. Aber zum Schuhhandwerk gehören für den „Capo“ auch Handarbeit, Gespür für die Haptik und vor allem Teamarbeit. Als gelernter Modellmacher kennt der 70-jährige Firmenchef das Schuhhandwerk von der Pike auf. Diese Kollektion ist besonders wichtig, denn die Goldstar-Pantoletten sind zu 90% Sommermodelle, Pantoffeln haben einen kleinen Anteil von 10%.

 

Farbe und Glitzer

„Jetzt noch den letzten Schliff anlegen, dann steht die neue Schuhkollektion“, freut sich Elvio Silvagni. Stolz präsentiert er im Showroom die neuen Goldstars, die meisten davon mit den für die Marke berühmten Korksohlen. Das Farbbild ist sommerlich und sprüht vor mediterraner Lebenslust: zartes Rosé und Hellblau, viele Pastelltöne und intensive Farben, aber auch die Klassiker Beige und Weiß sind stark vertreten. Mit Glitzereffekten, Nieten, Gold und Silber, Metallicglanz und den typischen Goldstar-Sternen gibt es die Pantoletten auch in glamouröser Ausführung. Rund 700 Modelle umfasst die Kollektion, deren Look zu 60% auf verlässlichen Bestsellern basiert. „Frauen haben in der Kollektion einen Anteil von gut 55%, Kinder machen etwa ein Drittel aus und Männer rund 10%“, erklärt Elvio Silvagni. Goldstar ist in Italien sehr präsent. Für Werbetafeln an Autobahnen,Modeshootings, Kataloge und Werbung gibt die Familie Silvagni viel Geld aus. Auch auf Instagram und Facebook sind sie präsent. Aber einen Online-Shop lehnt der Firmenchef strikt ab, allein der Aufwand sei zu hoch und außerdem verliere er die Preiskontrolle. Goldstar-Schuhe müssten anprobiert werden. Amazon und Zalando seien für ihn ebenfalls ein Tabu.

 

Innovative Korksohle

In Italien tragen auffallend viele Frauen die bequemen Pantoletten mit den herausnehmbaren Einlegesohlen, die etwas ganz Besonderes seien. „Wir investieren viel in Technologie“, so Silvagni. „Aushängeschild ist das brandneue anatomische Fußbett, bestehend aus einer Gummiund Korkhülle mit einem anatomisch geformten, elastisch komprimierbaren und weichen Polyetherkern, der sich der Fußsohle anpasst.“ Das Obermaterial und die Einlegesohle hat sich Goldstar patentieren lassen. Das Material soll Atmungsaktivität und Weichheit garantieren und die Fußschweißbildung reduzieren. Es sei abriebfest und mache den Schuh bequemer, beschreibt der Firmenchef die technologische Innovation, für die sein Familienunternehmen seit ca. 40 Jahren bekannt ist.

Fusignano ist ein kleiner Ort in der Provinz Ravenna, in der Emilia-Romagna mit rund 8.150 Einwohnern. Elvio Silvagni ist ein Fusignanese, dort aufgewachsen und gelernter Schuhmodellierer. 1979 gründet er die Schuhfirma zusammen mit seiner Frau Margherita Montanari. Ende der 70er Jahre gibt es hier in der Gegend Hunderte von Schuhherstellern, heute sind es gerade mal eine Handvoll. Die Firma wächst und 1986 ziehen die beiden in die heutige Goldstar-Zentrale in der Via Santa Barbara, direkt am Ortseingang von Fusignano.

„Wir wollten Schuhe herstellen, die eine perfekte Verbindung von Stil und Komfort darstellen“, erklärt Elvio Silvagni seine Vision. Sein Projekt basiert auf den wichtigsten Prinzipien der Schuhindustrie: Kunst in der Herstellung, Leidenschaft für Schuhe und Qualität für das Material. Der Name Rafting Goldstar entstand in den 80er-Jahren, um der Marke einen sportlichen Charakter zu geben. Familie Silvagni führt die Goldstar S.r.l. mit den Marken Rafting Goldstar und Biochic. 2015 kauft sie die kriselnde Marke Valleverde dazu und belebt sie neu, heute ist Valleverde das „beste Pferd“ im Stall. Sohn Paolo hat nach seinem Studium an der Universität Bocconi in Mailand eine Bankkarriere gemacht und lebt jetzt in Lugano. Ob er einmal das Unternehmen übernimmt, steht noch nicht fest. Der Produktionsbetrieb in Fusignano erstreckt sich über 14.000 qm. In der Slowakei und Rumänien hat Goldstar weitere Produktionsstätten. Italien ist für die Marke mit 1.200 Verkaufspunkten der größte Markt, in Frankreich sind es 500 und weitere 200 Einzelhandelskunden verteilen sich auf andere Länder. In Italien funktioniere die Marke sehr gut. „Wir haben hier sehr viele inhabergeführte Schuhgeschäfte im Eigentum in denen die ganze Familie mitarbeitet“, so Silvagni. Zweiter erfolgreicher Geschäftstyp seien Läden mit 1.000 bis 1.500 qm Fläche und 10 bis 15 Filialen in Einkaufszentren. Was in Italien sehr gut laufe, seien Orthopädie-Geschäfte, für die der Hersteller zusätzlich das Projekt Goldstar Pharma lanciert hat. Pharma sei das Ergebnis einer Forschung über fußspezifische Krankheiten und Pathologien, für die neue Patente entwickelt wurden.

 

Große Herausforderungen

Der Krieg in der Ukraine und die Pandemie haben das mittelständischen Schuhunternehmen vor große Herausforderungen gestellt. Was dem Firmenchef momentan außerdem Sorgen macht sind die Material- und Lieferkosten, die um 20% gestiegen seien. „Wir können das so nicht weitergeben. Wenn wir alle Kosten aufschlagen, wird der Einzelhandel entsprechend weniger Ware bestellen“, befürchtet Silvagni. Kein Luxus, dafür vernünftige Preise. Auch bei den Konsumenten sitze das Geld nicht mehr so locker in der Tasche. „Mit 40 bis 45 Euro Verkaufspreis sind wir eine Schuhmarke für die ganz normale Familie“, so Silvagni. Für ihn stellt sich die Frage wie er die gestiegenen Materialkosten weitergeben kann, ohne dass er Umsatz verliert. Einen Umsatzrückgang von 30% musste er bereits im Corona-Jahr 2020 einstecken. Einkaufszentren und Geschäfte waren monatelang geschlossen. „2021 haben wir die Hälfte vom Rückgang wieder aufgeholt und 2022 lief bisher sogar besser als 2019“, erzählt der Firmenchef stolz. Trotz Maskenpflicht in der Produktion sei Covid für den Schuhproduzenten immer noch ein Problem. Immer wieder gebe es Infektionen und die komplette Belegschaft müsse getestet werden. „Das ist für uns ein zusätzlicher hoher Arbeitsaufwand“, klagt Silvagni.
Fazit von Elvio Silvagni: „Krisen gibt es momentan überall. Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen. Ich bin zufrieden mit dem was ich mache und erreicht habe.“

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Lisa Dartmann / 20.06.2022 - 09:47 Uhr

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