Neue Trends

Die (Party-)Saison ist eröffnet

Wer in den zurückliegenden Wochen in den Innenstädten unterwegs war, konnte live erleben, wie Konsumfreude aussieht. Die Stimmung war gut, es wurde geshoppt. Auch Mode. Und Schuhe.

Der Mai brachte die lange erhoffte Erleichterung: Der Absturz des Konsumklimas wurde vorerst gestoppt. Nach dem erschreckenden Start in die F/S-Saison ist das Aufatmen auch im Schuhhandel spürbar. Vor allem Damen suchten in den Geschäften nach neuen Trends. Dabei kristallisierten sich zwei wichtige Strömungen heraus: einerseits sportive Sneaker, andererseits elegantere Modelle.

Anna Schüttgen von Schuhhaus Koch in Olpe im Sauerland freut sich darüber, dass die Frauen wieder zur Galanterie greifen und auch direkt zu den feinsten Schuhen mit hohen Absätzen. „Die Frauen kaufen entweder sehr casual ein und tragen Sneaker oder Galanterie – und wenn sie elegant aussehen wollen, dann auch richtig.“ Unter den Casualmarken funktioniert ihren Erfahrungen nach Skechers besonders gut und habe sich auch als vertrauenswürdiger Partner für den Handel erwiesen. In der Galanterie wollen es die Kundinnen klassisch und fragen nach Pumps. „Dass es irgendwann Nachholbedarf geben würde, weil die ganzen Hochzeiten und Parties nachgefeiert werden müssen, war ja klar. Es wusste nur niemand vorher, wann das stattfindet und dementsprechend schwierig war die Planung beim Ordern“, erklärt die Händlerin. Farblich muss es hell sein; in Weiß oder Nudetönen kommen die eleganteren Schuhmodelle gut an.
Peter Wagner von Schuhe-Mode-Sport Wagner in Trostberg in Oberbayern ist zudem von der hohen Nachfrage nach Galanterie-Modellen in Blau überrascht. Außerdem seien derzeit klassische Silberstiefeletten begehrt. „Wir haben die Galanterie in den letzten Jahren runterdiskutiert“, stellt Wagner fest. Nun zeige sich eine deutliche Nachfrage.
Auch Martin Wiese von Schuhhaus Wiese in Lüneburg sieht eine leichte Rückkehr zur Galanterie, aber Sneaker und Wanderschuhe bleiben die gefragtesten Schuhtypen. „Hausschuhe liefen in den letzten zwei Jahren extrem gut, aber jetzt hat jeder welche.“ Anders als bei den Wanderschuhen habe sich bei Hausschuhen der Trend nicht über die Pandemie hinaus erhalten können. Sie seien zu sehr Bedarfsgegenstand, um sich jede Saison neu zu verkaufen. „Hausschuhe sind der Schuhtyp, der am meisten über den Preis funktioniert. Kunden wollen irgendwelche Hausschuhe, und das möglichst günstig. Bei Wanderschuhen wollen sich die Leute sehr mit dem passenden Schuh für das entsprechende Terrain befassen und ihnen ist jede Nuance wichtig, weswegen sie für jeden Wanderurlaub andere Schuhe haben wollen“, stellt Martin Wiese Unterschiede im Kundenverhalten bei den Schuhtypen fest.

Zurück zur Eleganz

Jates Hübert, Verkaufsleiter im Schuhhaus Niemann in Bückeburg-Cammer, beobachtet ebenfalls einen Trend zurück zur Eleganz: „Die Nachfrage nach Herrenschuhen aus Leder ist höher, bei den Damen ist Glitzer derzeit beliebt.“ Viele schöne Sonnentage im Mai hätten zudem vor allem bei den Damen die Lust auf Sommer geweckt: Weiß oder helle Sand- und Naturtöne und Ballerinas oder Sandaletten seien bei seinen Kundinnen sehr gefragt. „Das frühsommerliche Wetter hat bei vielen Kundinnen und auch Kunden die Kauflust angeregt. Wir hatten neulich eine Dame, die sich mit acht Paar Schuhen eingedeckt hat – vom Sneaker über die Sandalette zu Pumps – und glücklich war, dass sie endlich wieder Gelegenheit zum Tragen schöner Schuhe habe.“ Sehr gut würden derzeit die Marken On und Gabor funktionieren. Ungebrochen sei auch der Bedarf nach Wanderschuhen. Und: „Die Nachfrage nach Chucks wird stärker – vielleicht, weil dieses Jahr wieder Festivals stattfinden.“
Marko Höhne vom Schuhhaus Hittcher in Hamburg sieht wie seine Kolleginnen und Kollegen einen Aufschwung im Segment der feineren Schuhe. Überhaupt lief der Monat Mai gut: „Seit etwa drei Wochen freuen wir uns über sehr gute Umsätze. Anlassschuhe wie Pumps und Ballerinas, die monatelang nicht angefasst wurden, gehen wieder. Wir sehen in diesem Bereich aktuell eine Bewegung, wie wir sie wirklich seit einem Dreivierteljahr so nicht hatten. Besonders beliebt ist derzeit ein frisch gelieferter Gabor-Pumps in norddeutschem Dunkelblau. Aber auch die Farben Schwarz und Rosé werden häufig gekauft. Das wäre in den Monaten Februar/März so noch nicht der Fall gewesen.“ Gleich zu Beginn der Saison habe es auch eine starke Nachfrage nach neuen Loafer-Typen mit kräftigen Profilböden gegeben. „Die waren wirklich ein absoluter Hit und sehr schnell ausverkauft“, so Höhne. Sneaker seien aber weiterhin wichtig: „Auch wenn die Nachfrage nach eleganterer Schuhmode steigt, erfreuen sich sportive Styles weiterhin ungebrochener Beliebtheit. Das Interesse an offener Ware ist derzeit noch verhalten. Die Dynamik des Umsatzes kommt derzeit ganz klar von den Damen. Bei den Herren sehen wir nach wie vor in erster Linie noch Bedarfsdeckung.“

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P. Steinke, C. Mastalerz, N. Ungerechts / 01.06.2022 - 14:13 Uhr

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