Händler über Mid Season-Sale

„Die Ungewissheit ist groß wie nie“

Mid Season-Sale bei Deichmann (Foto: Redaktion)
Mid Season-Sale bei Deichmann (Foto: Redaktion)

Rabattaktionen in Zeiten von Inflation und verzögerten Lieferungen – schuhkurier hat mit Händlerinnen und Händlern über den Mid Season Sale, Unsicherheiten und das Kaufverhalten der Kundinnen und Kunden gesprochen.

Der Mid Season Sale ist in vielen Online-Schuh-Shops angekommen: Ausgesuchte Ware ist um bis zu 20% reduziert. Ein Blick in die Schaufenster vieler Schuhgeschäfte zeigt aber: Viele stationäre Händler beteiligen sich nicht am Mid Season Sale. Nur vereinzelt preisen Ketten „Top-Deals für kurze Zeit“ an, andere bieten „Besondere Rabatt-Tage für besondere Kunden“. So auch Kai Enners, Inhaber vom Schuhhaus Enners in Bad Marienberg, der Vorteilsaktionen für Stammkunden statt einen Mid Season Sale plant. „Die Sommerwaren trudeln erst nach und nach ein. Da halte ich nichts von starken Reduzierungen. Die Zeiten sind nicht einfach, die Ungewissheit groß wie nie. Durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg kommt es zu verzögerter Warenlieferung und zeitgleich schnallen die Kunden den Gürtel enger, überlegen, ob sie sich wirklich ein weiteres Paar Schuhe gönnen. Vor allem bei jüngeren Käuferinnen und Käufern ist zudem ein Trend zum Second Hand-Markt zu beobachten – aus Kosten- und Nachhaltigkeitsgründen.“
Auch das Schuhhaus Fischer aus Esslingen verzichtet auf den Mid Season Sale. „Zwischendurch werden immer mal einzelne Artikel reduziert. Wenn man ständig Preisaktionen fährt, wird man in den Augen der Kunden unglaubwürdig, was den ’Normalpreis‘ betrifft, außerdem stellen sich viele darauf ein und warten dann Preisaktionen ab“, sagt Betriebsleiter Guido Hertweck. Steigende Preise in Folge des Ukraine-Kriegs und nach zwei Pandemie-Jahren – die Kundinnen und Kunden seien verunsichert, was die langfristige Preisentwicklung betrifft, stellt Hertweck fest. „Für viele ist es schwierig, einzuschätzen, inwiefern sie selbst unmittelbar und langfristig von der Inflation betroffen sind.“ Insa Uphoff vom Schuhhaus Bockstiegel aus Leer macht ebenfalls keinen Mid  Season Sale: „Wir verkaufen auch derzeit keine Ware im Internet, sondern konzentrieren uns auf das stationäre Geschäft. Die Saison ist gerade erst ins Laufen gekommen, da sprechen wir nicht über Preisreduzierungen. Der Sommer hat noch nicht einmal angefangen, da machen wir die Kunden ja verrückt. Bei uns läuft das nicht mit den frühen Reduzierungen und das verstehen unsere Kunden, die überwiegend Stammkunden sind. Die sollen nicht zu uns in den Laden kommen, um reduzierte Ware zu kaufen, sondern weil sie die Schuhe möchten. Das ziehen wir durch. Wenn die Saison weiter fortschreitet und die Onliner uns die Ware um die ’Ohren hauen‘, dann werden wir sicherlich vereinzelte Modelle zum reduzierten Preis verkaufen.“

 

Erwartungshaltung

Heike Laux hält ebenfalls nichts vom Mid Season Sale: „Starke Rabatte vermitteln den Eindruck, als gäbe es riesige Margen und produzieren eine Erwartungshaltung beim Kunden auf künftige Saisons, siehe Black Friday.“ Die Inhaberin vom Schuhhaus Laux in Landau fügt hinzu: „Hinter uns liegen zwei harte Jahre mit monatelanger Schließung ohne Einnahmen, aber mit anhaltenden Kosten. Und als endlich wieder ein wenig Normalität einkehrte, kam der Krieg in der Ukraine, der die Inflation in die Höhe treibt.“ Das ginge auch an der Kundschaft nicht spurlos vorbei, wie sie bemerkt: „Die Kundinnen und Kunden sind verunsichert, wie es mit den Preisanstiegen weitergeht. Das merkt man auch in unserer Branche. Gerade Schuhe sind ja auch Lifestyle, Spaß und Lebenslust.“
Michèle Leyendecker, eine Sprecherin der Handelskette Deichmann, sagt: Unser Hauptziel ist, den Kundinnen und Kunden das ganze Jahr über modische und qualitativ hochwertige Schuhe zu einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. Dennoch findet man in unserem Angebot auch regelmäßig Reduzierungen, die sich nicht maßgeblich an klassischen Sale-Phasen wie dem Mid Season Sale orientieren.“ Die Stimmung im Handel, so Leyendecker, würden sich zwar langsam wieder normalisieren, denn: „Es gibt bei den Menschen weiterhin die Sehnsucht zum Bummeln, Shoppen, Kaffeetrinken oder Leutetreffen. Hinzu kommt: Gerade Schuhe sind sowohl geliebtes Modeaccessoire als auch notwendiger Gebrauchsgegenstand. Die Menschen haben also Bedarf.“ Die generelle Konsumbereitschaft sei allerdings längst noch nicht auf dem Niveau von 2019. „Neben der Corona-Krise haben die hohe Inflation sowie der Krieg in der Ukraine die allgemeine Verbraucherstimmung zusätzlich getrübt. Dennoch glauben wir nach wie vor an das stationäre Geschäft und werden unser Filialnetz weiter optimieren sowie konsequent mit den Online-Shops verbinden.“ 

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Nina Ungerechts / 16.05.2022 - 11:59 Uhr

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