Cads-Mitgliederversammlung

„Ein Schuh ist keine Bekleidung“

Die Verantwortlichen von Cads duellierten sich mit Ex-Profi Mario Basler beim Torwandschißen. (Foto: Cads)
Die Verantwortlichen von Cads duellierten sich mit Ex-Profi Mario Basler beim Torwandschißen. (Foto: Cads)

Bei der Cads-Mitgliederversammlung in Herzlake wurde ein neuer Vorsitzender gewählt. Für die Anwesenden gab es zudem Vorträge von zugeschalteten Gästen aus Berlin und Brüssel.

Cads, die Nachhaltigkeitsinitiative der Schuhbranche, konnte nach zwei Jahren Pause wieder bei einer physischen Mitgliederversammlung in den Räumlichkeiten des Logistikunternehmens HFS Group zusammenkommen. Rund 50 Teilnehmer aus 35 Unternehmen trafen laut Veranstalter am 20. und 21. Juli zusammen, um unplanmäßig einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Michael Tackenberg, der bisherige Vorsitzende, war zuvor bei Gabor ausgeschieden und hatte damit gleichzeitig das Amt bei Cads abgeben müssen. Der Interimsvorsitzende Andreas Tepest, Leiter Qualitätsmanagement bei Deichmann, eröffnete die Veranstaltung und verabschiedete den langjährigen Cads-Chef unter Applaus: „Wir haben Michael Tackenberg viel zu verdanken und hätten ihn gerne persönlich hier verabschiedet.“ Das habe aus terminlichen Gründen nicht gepasst. Es soll aber noch Gelegenheiten geben, die persönliche Verabschiedung nachzuholen.

 

Interimslösung bestätigt

Bei der Wahl des neuen Vorstandsvorsitzenden wurde der bisherige Interimsverantwortliche Andreas Tepest nun zum regulären Vorsitzenden bestimmt und damit bestätigt. Neu in den Vorstand gewählt wurden Christian Ohnmacht von Kinderschuhhersteller Ricosta und Markus Nelke von Sicherheitsschuhhersteller L. Priebs, die beide letztes Jahr in den Beirat gewählt wurden.

Der neue Vorsitzende fasste die Probleme der Klimakrise in wenigen Worten zusammen: „Zu viel Konsum und damit verbunden ein zu hoher CO2-Fußabdruck stellen uns alle vor große Herausforderungen. Deutschland, als zweitgrößter Schuhimporteur nach den USA muss sich der Verantwortung stellen.“ Um den CO2-Ausstoß auf ein für die Erde verträgliches Maß zu reduzieren, gebe es keinen Weg am Verzicht auf Konsum vorbei. Die Anforderungen an die Schuhbranche müssten jedoch auch fair sein. Große Angst in der Branche gibt es vor der Gleichsetzung von Schuhen und Textilmode durch die EU-Strategie für nachhaltige Textilien, die besagt, dass bis 2030 alle Modeprodukte größtenteils aus Recyclingfasern bestehen sollen. „Ich hoffe, dass die Politik versteht, dass ein Schuh zwar ein Mode- accessoire ist, aber es ist keine Bekleidung“, so Tepest. Es müsse der Schuhbranche die Möglichkeit gegeben werden, Technologien für eine bessere Recyclingfähigkeit zu entwickeln, da Schuhe aus weitaus mehr Komponenten bestehen als Textilien. Realistische Maßstäbe müssten auch beim Marketing angesetzt werden. Als Empfehlung an die Industrie gibt Tepest mit, die Produkte Stand jetzt nicht als nachhaltig zu bezeichnen. Es könne der Glaubwürdigkeit der gesamten Branche schaden, wenn Unternehmen einen Grad an Nachhaltigkeit versprechen, der so noch gar nicht möglich ist.

Branchengäste und ein Blick von außen

Ergänzend zum Gespräch über die Ankündigungen der EU wurde eine Referentin aus Brüssel zugeschaltet. Katarzyna Sulisz von der Federation of the European Sporting Goods Industry. Sulisz berichtete von den Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft und der Transparenz in der Lieferkette aus EU-politischer Sicht. Aus Berlin zugeschaltet informierte auch Julia Eckert vom Gesamtverband Textil + Mode über die kommenden EU-Verordnungen. Um die Herausforderungen der neuen Vorgaben zu meistern, müsse zusammengearbeitet und strategische Netzwerke aufgebaut werden.

Ein fachfremder Gast, mit dessen Beteiligung die Veranstaltung aufgelockert wurde, war Ex-Bundesliga-Fußballer Mario Basler, der als gebürtiger Pfälzer vielen Zuhörerinnen und Zuhörern aus der Schuhbranche aus der Seele sprach, als er die Pfalz als Toskana Deutschlands bezeichnete. Zuvor hatte er von seinen Erfahrungen als Profi erzählt, nach denen Kunststoffschuhe bei der ersten Grätsche mit den Stollen gerissen sind, während die Lederschuhe oft mehr ausgehalten haben. Zu guter Letzt wurde die Restrukturierung der Arbeitsgruppen den Mitgliedern vorgestellt, die nun in die drei Gruppen Chemikalien, Umwelt und Soziales eingruppiert werden und so zielgerichteter arbeiten sollen. 

Die nächste Mitgliederversammlung ist im Sommer 2023 beim Konzernsitz von Ara in Langenfeld geplant. Der genaue Termin wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

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Christopher Mastalerz / 04.08.2022 - 13:12 Uhr

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