Sneakers Unplugged

Ein Store nur für nachhaltige Sneaker

Christian Ohm und seine Ehefrau Reya führen drei nachhaltige Sneaker-Stores in Köln, Düsseldorf und Münster. (Foto: Sneakers Unplugged)
Christian Ohm und seine Ehefrau Reya führen drei nachhaltige Sneaker-Stores in Köln, Düsseldorf und Münster. (Foto: Sneakers Unplugged)

Sneakers Unplugged ist ein Store-Konzept für nachhaltig und umweltfreundlich produzierte Sneaker. Die Idee entstand mitten in der Pandemie und dann ging es Schlag auf Schlag: Erst ein Online-Shop, dann Pop-Up-Stores und jetzt die ersten drei Shops in Köln, Düsseldorf und Münster.

Er ist schon wieder auf dem Sprung. Momentan pendelt Christian Ohm zwischen Düsseldorf, Münster und Köln. Die neue Filiale in der Lindenstraße 165 befindet sich mitten in Flingern, einem szenigen Stadtteil von Düsseldorf. Der 60 qm-Store wurde am 28. Mai mit Party, Cocktails und DJ eröffnet. Eingerichtet ist der Laden mit liebevoll zusammengesuchten Vintagemöbeln, denen noch verblichener Turnhallencharme anhaftet. Als Warenträger dienen alte Gerüstbohlen, die von einem kleinen Handwerksbetrieb aufwendig gebürstet und mit Kaffeesatz behandelt wurden. Die Lampen kommen aus Griechenland. Flyer, Poster, Social Media und Postkarten – der visuelle Auftritt stammt aus der Feder des Firmenchefs. Rund 15 nachhaltige Sneakermarken gibt es im Store zur Auswahl und seit kurzem auch die Taschenmarke Grünberg aus Dänemark, die Bags aus überschüssigen Lkw-Planen produziert. Es gibt weder Ladenkasse noch Papier. Bezahlt wird digital, die Belege werden online verschickt. Auch das ist für Christian Ohm nachhaltig. Der Store in Münster auf der Ludgeristraße 72 wurde drei Tage später, am 1. Juni eröffnet. Bereits im April 2021 eröffneten Christian Ohm und seine Ehefrau Reya Ohm den Store in Köln in der Alten Wallgasse 5. Alle drei haben das gleiche Konzept, ab der Saison F/S 2023 soll das Sortiment aus einem Guss sein.

 

Gründung in der Pandemie

Wenn Christian Ohm von seinen nachhaltigen Sneakerläden erzählt, sprüht er vor Begeisterung. Der 46-jährige gebürtige Frankfurter wagte ausgerechnet in der ersten Pandemiewelle den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Idee wurde im April 2020 geboren und direkt umgesetzt. Im Mai 2020 gründete er zusammen mit seiner Ehefrau Reya, 45, das Unternehmen und mit einem autodidaktisch gebauten Online-Shop ging es Mitte August los. Das Konzept funktionierte und ab Herbst 2020 folgte eine Serie von Pop-Ups in Berlin, Köln und Düsseldorf in Fair Fashion-Stores, Galerien und veganen Cafés. Den ersten Store haben die beiden per Zufall im Dezember 2020 entdeckt und konnten im April 2021 eröffnen. „Der Name Unplugged steht für unsere Überzeugung, dass fair produzierte Sneaker nicht nach Reformhaus aussehen müssen und auch nicht auf Kosten von Umwelt, Tieren oder armen Menschen hergestellt werden sollten“, so die Philosophie der Geschäftsgründer. „Das Store-Konzept wurde konzipiert für alle, die stylische Sneaker lieben, aber nach nachhaltigen, fairem, umweltfreundlichen oder veganen Alternativen suchen“, erklärt Christian Ohm.

 

Sneaker aus Apfelleder

Das nachhaltige Sortiment umfasst Marken wie Beflamboyant, Flamingos Life, Clae, Ekn Footwear, Saye, Filling Pieces, Genesis, Humans are Vain, Newlab oder Vegetarian Shoes und Veja. Die Durchschnittspreise liegen bei 130 Euro. Für jeden Sneakerstyle gibt es eine kleine Geschichte über Herkunft, Produktion und Nachhaltigkeit. Da gibt es das französische Label Newlab mit veganen Sneaker aus Apfelleder und recycelten Sohlen auf Kaffeebasis. Eine Lieblingsmarke ist Saye in neuen Materialien wie Kaktus und Mangoleder und die neue Kollektion von Flamingos Life wird im Online-Shop als wunderschön und gut gelungen gelobt. „Wer sich bisher auf die Suche nach nachhaltig produzierten Sneakern machte, musste entweder über fundierte Vorkenntnisse verfügen oder sehr gut googeln können“, so Christian Ohm, der eine große Auswahl bieten möchte. Die Erfolgsgeschichte liest sich zunächst, als hätte Christian Ohm ein Glückslos gezogen. Christian Ohm ist Sneaker-Enthusiast, aber auch Geschäftsmann und Familienvater von zwei Kindern. „Da macht man nicht einfach einen Laden auf, stellt ein paar vegane Sneaker rein und wartet ab, dass die Kundschaft kommt“, erzählt er schmunzelnd. Bevor er seinen Traum realisierte, hat er den Sneakermarkt umfassend analysiert und einen Kostenplan aufgestellt. Wirtschaftliche Vorkenntnisse hat der Wahl-Düsseldorfer. Nach seinem BWL- und Handelsmarketing-Studium in London war er zunächst als Marketingberater tätig, anschließend 12 Jahre in der Automobilbranche. Prägend für seinen beruflichen Werdegang waren drei Berufsjahre in Hiroshima. Zuletzt war er CEO und General Manager für ein Marketing-Technologieunternehmen in München. Dann kam Corona. Die Aufträge blieben aus und er saß allein im Homeoffice. „Beruflich hatte ich viel erreicht, aber irgendetwas fehlte mir“, erzählt Ohm. Er hat sein Leben komplett verändert und ist voll ins Risiko gegangen. Die Geschäftsidee hatte er, als er sich ein Paar nachhaltige Sneaker kaufen wollte. „Ich habe auf den einschlägigen Sneakerportalen gegoogelt und gemerkt, dass es nur wenige Angebote gibt. Ich habe tagelang recherchiert und war plötzlich im Thema.“ Sein Fazit: „Es gab so coole nachhaltige Schuhe, aber keine spezialisierten Stores dafür und ansonsten nur ein reduziertes Angebot von zwei bis drei Marken“. Der Marketingexperte ist nicht nur kaufmännisch visiert, er hat auch Erfahrungen mit Schuhen. Seit seinem 15. Lebensjahr hat er während seiner Schulund Studienzeit als Aushilfe im Schuhhandel gearbeitet und viele Erfahrungen gesammelt. „Aus meinen langjährigen Erfahrungen als Aushilfe in der Schuhbranche bis zum Studium weiß ich wie ein Sortiment bestückt sein muss, wie kalkuliert wird und die Warenwirtschaft funktioniert“, erzählt der Selfmade-Mann, der eigentlich schon immer von einem eigenen Laden geträumt hat.

Die Ware selbst ausgeliefert

„Das ziehe ich jetzt durch“, sagte sich Ohm im April 2020 und meldete im Mai das Gewerbe an. Zwei Monate später öffnete der Onlineshop. Angefangen hat er mit sieben Marken. Christian und Reya Ohm haben alles selbst gemacht: Die Schuhe ausgesucht, in Schuhkartons gepackt, ins Auto geladen und an die Kunden geliefert. Die Ergebnisse aus dem Online-Store und die Pop-Up-Stores in Berlin, Köln und Düsseldorf waren für ihn ein idealer Testmarkt gewesen. Mit den temporären Stores konnte er während der Pandemie flexibel agieren. Den Online-Versand macht er teilweise immer noch von zu Hause aus und für jede Online-Bestellung gibt es handgeschriebene und personalisierte Kärtchen. Den Kontakt zu den nachhaltigen Marken hat er nach und nach aufgebaut und sie von seinem Konzept überzeugen können. Für Christian Ohm ist Sneakers Unplugged ein Zukunftsprojekt: „Meine Frau und ich sind total motiviert und glauben an unser Konzept.“ Inzwischen hat Sneakers Unplugged auch erstes Personal: Fünf Aushilfskräfte und ein fester Mitarbeiter für den Store in Münster. Er und seine Frau Reya pendeln zwischen den einzelnen Standorten und halten die Läden am Laufen. An neuen Ideen und Marken mangelt es ihn nicht: „Ich suche systematisch und finde Marken, die mir gefallen und die unseren Nachhaltigkeitskriterien entsprechen.“

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Lisa Dartmann / 22.07.2022 - 11:23 Uhr

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