Auftakt 2022

Erwartungen, Herausforderungen, Chancen – Das sagt die Branche

Erster Ausblick aufs Neue Jahr: Das sagt die Branche zu 2022. (Foto: Unsplash)
Erster Ausblick aufs Neue Jahr: Das sagt die Branche zu 2022. (Foto: Unsplash)

Wie sieht die Branche das Jahr 2022? schuhkurier hat nachgefragt. Alle Statements für das neue Jahr.

„Grundsätzlich sind wir immer positiv gestimmt. Ich habe  ein gewisses Vertrauen darin, dass wir Corona in 2022 endlich hinter uns lassen können. Zuwächse bei den Impfungen und wirksame Medikamente gegen Covid-19 werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Wir waren bis zum Beginn der Pandemie recht erfolgreich unterwegs und haben uns ganz gut durch die zurückliegenden Monate gehangelt. Wir blicken optimistisch auf die Zukunft und werden auch jetzt investieren, indem wir beispielsweise unsere Young Fashion-Fläche umbauen. Außerdem planen wir, das 125-jährige Jubiläum unseres Hauses, das eigentlich 2021 begangen werden sollte, im neuen Jahr zu feiern. Wir halten es da wie Olympia und feiern einfach nach! Geplant sind viele tolle Angebote und eine spektakuläre Kampagne für unsere Kundinnen und Kunden – und eine große Branchenveranstaltung.“

Johannes Huber, Garhammer

„Bereits im zweiten Jahr hat der mittelständische Schuheinzelhandel deutlich gezeigt, dass das Geschäftsmodell eine hohe Widerstandsfähigkeit hat, Arbeitsplätze sichert und ein wertvoller Motor der deutschen Wirtschaft ist und bleibt. Speziell die SABU-Händler haben bisher eine erstaunliche Resilienz gezeigt und haben sich zudem mehr als agil und flexibel auf die veränderten Situationen eingestellt. Durch die mehrfachen Lockdowns ist auch die Begehrlichkeit des stationären, lokalen Einzelhandels gestiegen. Denn erst dadurch wurde vielen bewusst, was ihnen fehlen würde, gäbe es sie nicht mehr, die kleineren, inhabergeführten und persönlichen Einzelhandelsgeschäfte „um die Ecke“. Vielleicht sehe ich deshalb auch vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Wir alle haben lernen müssen, mit Corona zu leben und entsprechend versucht, uns darauf einzustellen. Covid-19 wird uns auch weiterhin begleiten. Hier ist und bleibt eine hohe Impfquote der Schlüssel zum Erfolg.“

Stephan Krug, SABU

„Ich glaube nicht, dass die 2G-Regel das Einkaufsverhalten dramatisch und nachhaltig verändert. Wir haben von Juli bis November hervorragende Zahlen erreicht, die uns optimistisch stimmen. Unsere Kundinnen hatten Nachholbedarf, das haben wir deutlich gespürt. Derzeit ist es ruhiger geworden, und auch in Januar und Februar wird es zurückhaltenden Konsum geben. Danach aber wird es wieder losgehen, davon bin ich überzeugt. Ich bin für die neue Orderrunde zuversichtlich, weil ich glaube, dass unsere Kundinnen unsere Produkte schätzen. Hinzu kommt unsere Produktion am Standort Deutschland, die gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte einen echten Mehrwert darstellt.“

Andreas Klautzsch, Kennel & Schmenger

„Wir erwarten in den ersten Wochen 2022 noch sehr harte Zeiten in vielen Märkten Europas. Gleichzeitig wird der Wunsch nach Freiheit und das Leben zu genießen und zu feiern, größer denn je werden. Ab Frühjahr 2022 erwarten wir eine positive Entwicklung im Schuhfachhandel. Die Farben des Sommers werden funktionieren.“

Dr. Gerhard Bachmaier, Lorenz Shoe Group

„Wir werden 2022 aus einer der schlimmsten Krisen auftauchen, der die Branche jemals ausgesetzt war. Die Menschen werden kritischer und aufmerksamer den Markt beobachten. Es geht nun mehr als zuvor darum, als Marke das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen. Wir versuchen das mit guten Schuhen, Zuverlässigkeit und einer überzeugenden Markenkampagne. Dazu müssen wir unsere Lieferketten unter die Lupe nehmen und alles dafür tun, sie so flexibel und widerstandsfähig zu machen wie möglich, um gut durch das nächste Jahr zu kommen.“

Jürgen Cölsch, Caprice

„Die größten Herausforderungen liegen in der Logistik und Beschaffung von Schuhen bzw. Komponenten. Es gibt bei einigen Herstellern sogar Unsicherheit, ob überhaupt geliefert wird. Dazu kommen Preiserhöhungen. Eine weitere Herausforderung ist es, ausreichend viel und qualifiziertes Personal zu bekommen.“

Achim Gabor, Gabor

„Die Herausforderung für den Handel ist unter anderem das Anpassen an ständig veränderte Rahmenbedingungen in seinen stationären Geschäften. Ferner wird es immer mehr zu einer Herausforderung, auf Lieferengpässe und Stornierungen der Industrie zu reagieren. Unter diesen Umständen, und das noch bei sinkenden Frequenzen, ist es ebenfalls eine Herausforderung, einen gesunden Optimismus beizubehalten.“

Kai Moewes, Ricosta

„Der Handel muss sich digitalisieren. Das allein ist aber noch kein Heilsbringer. Wir stellen uns die Frage: Wie muss unser Unternehmen aussehen, wenn es auch in Zukunft eine Rolle spielen soll? Und wir haben uns entschieden, verstärkt in unsere Kinderschuhabteilung zu investieren. Wir wissen, dass Familien mit Kindern zuverlässig zweimal im Jahr kommen. Das ist eine wichtige Zielgruppe, die wir ansprechen wollen – nicht nur mit einem attraktiven Kinderschuhangebot, sondern mit einer insgesamt ansprechenden Auswahl. Daneben sind für uns auch Best Ager wichtig, die Wert auf modisch-bequeme Schuhe legen und dafür gerne etwas mehr Geld ausgeben. Wir investieren in unsere Stammkundschaft und analysieren zudem bereits jetzt, wer in Zukunft unsere Stammkunden sein werden. Herausforderungen sehe ich auch für die Industrie. Auch Marken müssen definieren, wer ihre Kundinnen und Kunden sind. Das Bild, das Schuhhersteller von ihren Kunden haben, mag von der Realität abweichen.“

Johannes Nölscher, Schuhhaus Kaufmann

„Drei Aspekte sind für die Orderrunde H/W 22 zu berücksichtigen: Deutlich längere Lieferzeiten für Ware aus Asien, Preiserhöhungen und Warenknappheit werden die Phase prägen. Vor diesem Hintergrund wird die Orderrunde erneut eine sehr herausfordernde. Gleichzeitig ändern sich die Rahmenbedingungen, für die wir seit langem eintreten, ganz dramatisch: Die Order so nah wie möglich an den Verkaufszeitpunkt zu rücken, wird derzeit ins Gegenteil verkehrt. Die Schuhproduzenten mit Produktionsstätten in Asien haben signalisiert, dass es auch für H/W 22 zu Produktions- und Lieferverzögerungen kommen wird. Die Beschaffungszeit wird sich dadurch von sechs auf bis zu acht Monate verlängern.

Eine frühere Order ist die Konsequenz. Trotz aller Vorausschau bleiben Prognosen stark abhängig von der Lockdown-Situation in Europa und Asien. Die Auswirkungen auf die Produktionen sind heute schlichtweg nicht absehbar. Engpässe bei den Produktions- und Logistikkapazitäten werden die Warenversorgung weiterhin erschweren und bereits die Frühjahrslieferungen stark beeinflussen. Der Preisdruck bei der Beschaffung bleibt hoch. Dies betrifft die gesamte Wertschöpfungskette von Rohstoffen über Energiekosten, Logistikkosten, Löhnen und Komponenten. Dies gilt nicht nur für Produzenten in Fernost, sondern hat auch Auswirkungen auf die Produktion in Europa. Wir gehen davon aus, dass sich dadurch wichtige Eckpreislagen nach oben entwickeln werden. Unsicher ist bisher, ob alle Preissteigerungen beim Konsumenten durchzusetzen sind. Die steigenden Beschaffungspreise müssen zwingend in den Limitplanungen des Handels berücksichtigt werden. „Starre Limits in Euro“ bedeuten vor diesem Hintergrund erst einmal weniger Schuhe zum Verkauf.

Um Lieferengpässen und -verzögerungen im Interesse unserer Handelspartner möglichst entgegenzuwirken, haben wir die Hauptordermesse um einen Tag verlängert und nach vorne auf den 08. bis 10. Februar gezogen. Wir bieten damit für unsere angeschlossenen Händler die Möglichkeit, frühe Liefertermine für Übergangsware im Juli/August zu realisieren. Auf der zweiten Messe vom 15. bis 17. März liegt der Schwerpunkt auf winterlicher Ware mit Lieferterminen ab September. Wichtig ist, dass der Handel die Order gezielt und frühzeitig platziert, um die Warenversorgung für den Saisonstart sicherzustellen.“

Tobias Eichmeier, ANWR

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Laura Klesper / 07.01.2022 - 13:31 Uhr

Weitere Nachrichten

Stefan Genth auf dem Handelskongress 2021 in Berlin. (Foto: HDE)

Einzelhandelsumsatz schrumpft um 2%

HDE-Prognose für 2022

In einer aktuellen Umfrage des HDE rechnen 44% von 800 befragten Unternehmen mit sinkenden Umsätzen. Der Verband geht für dieses Jahr von einem nominalen Umsatzwachstum von 3% im Vergleich zum Vorjahr aus, inflationsbereinigt rutscht der Einzelhandel 2% ins Minus.