Interview mit Jürgen Cölsch

„Es wird sich ein Weg finden“

Die Marke Caprice setzt auf eine TV-Kampagne als Marketingstrategie. Auch darüber redet schuhkurier mit Geschäftsführer Jürgen Cölsch. (Foto: Caprice)
Die Marke Caprice setzt auf eine TV-Kampagne als Marketingstrategie. Auch darüber redet schuhkurier mit Geschäftsführer Jürgen Cölsch. (Foto: Caprice)

Caprice-Geschäftsführer Jürgen Cölsch spricht über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs für sein Unternehmen, über die neue TV-Kampagne und die kommende Saison.

Sie haben uns zum Beginn des Krieges in der Ukraine geschildert, wie wichtig der russische Markt für Caprice ist. Wie gehen Sie aktuell mit der Situation um? Was hören Sie von Ihren russischen Kunden? Und lassen sich Verluste, die in der aktuellen Situation für Ihr Unternehmen entstehen, kompensieren?

Caprice ist seit 20 Jahren in Russland wirtschaftlich aktiv. Seit fast 15 Jahren betreiben wir in Moskau eine Tochtergesellschaft – übrigens auch in Kiew in der Ukraine. Wir beziehen deutlich Position gegen den Krieg und nutzen die langjährigen Kontakte, um unsere Werte nach Russland zu tragen. Unsere Mitarbeiter in Kiew unterstützen wir finanziell und wir haben ihnen angeboten, mit ihren Familien nach Pirmasens zu kommen. Mit unseren Beschäftigten im Büro Moskau, bei denen wir einen ausgeprägten Wunsch nach Frieden wahrnehmen, stehen wir in ständigem Kontakt. Seit Ausbruch des Krieges sind die Geschäfte mit beiden Ländern nahezu zum Erliegen gekommen, doch Caprice hat in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und entsprechend vorgesorgt. Auch wenn die russischen und ukrainischen Märkte einen signifikanten Beitrag zum Wachstum von Caprice geleistet haben, können wir die kriegsbedingten Umsatzverluste durch Zuwächse in anderen Märkten nahezu kompensieren. Doch das ist aktuell nicht das Wichtigste. Jetzt geht es darum, unseren Beschäftigten und langjährigen Geschäftspartnern in Russland und der Ukraine beizustehen und darauf zu vertrauen, dass es eine Perspektive geben wird. Ich bin Optimist und keiner, der bei einem Problem verzweifelt. Letztendlich wird sich ein Weg finden, damit die Menschen in Frieden und Freiheit leben können.

Vor ca. zwei Wochen ist Caprice mit TV-Werbung gestartet. Welche Resonanz erhalten Sie auf diese Kampagne? Spürt man es unmittelbar, dass nach Ausstrahlung der Werbung die Nachfrage, auch nach bestimmten Schuhen, steigt?

Die drei im TV-Spot gezeigten Styles sind seit Beginn der Kampagne die absoluten Top-Seller auf allen bei uns gelisteten Online-Plattformen und im stationären Handel. Da wir auf die Zahlen im Distanzhandel direkt zugreifen können, konnten wir unmittelbar nach der Ausstrahlung des ersten Spots am 14. März eine Vervielfachung der Bestellmengen und der Besucherkontakte verzeichnen. Dies hält bis heute an. Unsere Schuhhändler sprechen uns positiv auf die Spots an und berichten von vielen auf die Marke aufmerksam gewordenen Endverbraucherinnen; das bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass die Kampagne die Bekanntheit der Marke Caprice in den kommenden Jahren signifikant steigern wird.

Wie bereiten Sie sich auf die kommende F/S-Saison vor – Stichwort Produktion, Lieferketten und Rohstoffmangel?

Caprice verfügt über eine langjährige und fundierte Erfahrung im Lieferkettenmanagement. Dank einer sehr engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in unseren Fabriken können wir sehr schnell auf Veränderungen und Herausforderungen in den Beschaffungsmärkten reagieren. Unsere Fabriken produzieren aktuell auf hohem Niveau und ohne Ausfälle. Die Ursachen für die Störungen in unseren Lieferketten liegen auch nicht primär in der Sphäre unserer Fabriken, sondern insbesondere im Transportwesen. Der Mangel an Frachtschiffen, Containern und LKW, geschlossene Hochseehäfen, lange Wartezeiten bei der Warenabholung, überlastete Containerterminals, explodierende Frachtpreise und die damit verbundene Planungsunsicherheit bereiten uns massive Probleme, die durch Corona ausgelöst und mit Beginn des Krieges in der Ukraine noch verstärkt wurden. Bei der aktuellen Problembewältigung profitieren wir sehr von der Kompetenz und Erfahrung des Logistikmanagements innerhalb der Wortmann-Gruppe.

Industrieunternehmen signalisieren, dass sie für F/S 23 möglichst früh Aufträge benötigen. Wie stellt sich dies für Caprice dar und welcher Zeitraum wäre für Sie optimal?

Die Caprice-Kollektion ist schon immer eine der ersten Kollektionen am Markt. Schon Anfang Juni werden wir unsere neuen Modelle dem Schuhhandel präsentieren. Wir sind auf frühe Aufträge angewiesen und honorieren diese mit attraktiven Startup-Preisen, um einen reibungslosen Saisonübergang ohne Ausfälle in unseren Fabriken zu gewährleisten.

 

Um wie viel Prozent werden Caprice-Schuhe in der H/W- und der folgenden F/S-Saison im Schnitt teurer?

Bei den Vorverkäufen für HW22/23 liegen wir bei einer Preiserhöhung in Deutschland von ca. 10%. Für die kommende Saison F/S 23 stehen die Preisverhandlungen mit unseren Materiallieferanten noch an. Aufgrund hoher Fracht- und Energiekosten, stark gestiegener Rohstoffpreise und dem schwachen Euro stehen uns da herausfordernde Gespräche bevor.

Geben Sie uns einen kleinen Trend-Ausblick: Welche Farben, Schuhtypen und Materialien werden in F/S bei Caprice wegweisend sein?

Wir sind inmitten der Kollektionsentwicklung und beschäftigen uns aktuell mit natürlichen hochwertigen Ledern in Kombination mit edlen technischen Materialien, wie zum Beispiel Mesh. Erdnahe Farbtöne werden eine harmonische Balance zwischen Boden und Schaft erzeugen, die den Schuh in einer neuen stilistischen Einheit erscheinen lassen. Monochrome Looks in Pastellfarben setzen wir in sportlichen Sandalen, wie auch in geschlossenen Gruppen ein. Die gesamte Klaviatur der Produktgruppen, wie Sneaker, Loafer, sportive Sandalen und Pantoletten, sowie edle Pumps und Slings wird ein neues wertiges und anspruchsvolles Erscheinungsbild erhalten. Dabei werden insbesondere die markanten Sohlen mit unterschiedlichen Farbvarianten eine dominante Rolle spielen.

Auf welchen Messen wird die Caprice-Kollektion zu sehen sein?

Wir werden wieder auf den Messen am Gardasee und in Mailand vertreten sein. Darüber hinaus stehen unsere Kollektionen in allen wichtigen europäischen Ordercentren und auf den regionalen Messen. Ich komme gerade aus Istanbul, wo Caprice das erste Mal mit einem Messestand auf der Aymod vertreten war; eine sehr interessante Messe mit großer Perspektive, die von Kunden aus neuen aufstrebenden Ländern besucht wird.

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Christopher Mastalerz / 25.04.2022 - 08:45 Uhr

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