„Unternehmen in Existenz bedroht“

Gas-Notfallplan: Textilindustrie schlägt Alarm

Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer Textil + Mode (Foto: Texti + Mode)
Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer Textil + Mode (Foto: Texti + Mode)

Nachdem Bundeswirtschaftsminister Habeck die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen hat, reagiert der Gesamtverband Textil + Mode – mit drastischen Worten.

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie appelliert an Bundesminister Habeck, alles zu tun, um die Gasversorgung in Deutschland weiterhin sicherzustellen. Ein Gasembargo könne das Aus für Hunderte von Betrieben bedeuten und damit den Stopp der Produktion auch von lebensrettenden Produkten bis hin zu Medizintextilien und Spezialschuhen.
Schon vor der Invasion Russlands in die Ukraine sei die mittelständische Industrie Energiepreisen ausgesetzt gewesen, unter deren Last die Produktion kaum mehr möglich sei. „Wie kann es sein, dass es für viele Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern nicht mehr rentabel ist, die Maschinen anzustellen?“ fragt Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie in einer Reaktion auf die jüngste Maßnahme des Bundeswirtschaftsministeriums. Alle Warnungen der mittelständischen Industrie und Vorschläge für eine wettbewerbsfähige Energiepreisgestaltung seien weitgehend in den Wind geschlagen worden. Man habe sich klar zum Klimaschutz bekannt und wolle einen wesentlichen Beitrag leisten. „Bis es soweit ist, müssen die Energiepreise für unsere Industrie aber auch bezahlbar sein“, so Mazura. Man fordere ein klares Bekenntnis der Ampel-Koalition zur mittelständischen Industrie in Deutschland und ihrer Funktion für die wirtschaftliche Transformation.

Es sei richtig, Bürgerinnen und Bürger angesichts der explodierenden Energiepreise zu entlasten. Viele seien in mittelständischen Industriebetrieben beschäftigt – und diese Arbeitsplätze seien gefährdet. „Viele Unternehmen sind durch die wirtschaftlichen Folgen der vergangenen zwei Corona-Jahre am Anschlag und durch die Zuspitzung der energiepolitischen Lage durch den Ukraine-Krieg in ihrer Existenz bedroht“, so Mazura. Ihnen hülfen Kreditprogramme der KfW nicht mehr. „Unsere Unternehmen brauchen jetzt direkte Zuschüsse und Garantien, um die Schocks auf dem Energie- und Rohstoffsektor abzuwettern.“ Zuvorderst müssten die vom deutschen Gesetzgeber beschlossenen nationalen Zusatzbelastungen auf Energie ausgesetzt werden. „Die Gas- und Strompreise werden in Deutschland durch Abgaben, Umlagen und Steuern erheblich verteuert und sind dadurch bereits seit langer Zeit nicht mehr international wettbewerbsfähig. Angesichts der aktuellen Dramatik sollten alle staatlichen Belastungen der Energiepreise mindestens bis Ende 2022 vollständig ausgesetzt werden“, fordert der Gesamtverband Textil + Mode.

 
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Petra Steinke / 30.03.2022 - 14:12 Uhr

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