„Erste Erfolge“ bei Erschließung neuer Zielgruppen

Gerry Weber: weniger Umsatz, mehr Ertrag

Gerry Weber setzt verstärkt auf eine jüngere Zielgruppe. Look der aktuellen F/S-Kollektion. (Foto: Patrick Viebranz)
Gerry Weber setzt verstärkt auf eine jüngere Zielgruppe. Look der aktuellen F/S-Kollektion. (Foto: Patrick Viebranz)

Das westfälische Unternehmen Gerry Weber stellte Zahlen zum Geschäftsjahr 2021 vor. Der Umsatz sank erneut; die Ertragslage verbesserte sich jedoch.

Der Konzernumsatz ging im Berichtsjahr um 5,5% auf 262,7 Mio. Euro (Vorjahr: 278,1 Mio. Euro) zurück. Er habe damit das untere Ende der für 2021 in Aussicht gestellten Bandbreite erreicht. Als Gründe nennt das Unternehmen die Lockdowns, eine insgesamt eingetrübte Konsumstimmung und sinkende Frequenzen sowie Störungen in den globalen Lieferketten.  
Besonders in Deutschland musste das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 149,5 Mio. Euro im Vorjahr auf 129,1 Mio. in 2021 hinnehmen. Die Auslandserlöse stiegen leicht von 128,6 Mio. auf 133,6 Mio. Euro und leisteten mit 50,9% den etwas größeren Beitrag zum Konzernumsatz.
Das Segment Retail blieb mit einem Umsatz von EUR 123,3 Mio. leicht unter dem Wert des Vorjahres (126,9 Mio. Euro). Der Anteil am Konzernumsatz erhöhte sich auf 46,9% (Vorjahr 45,6%). Das Online-Business hingegen lief gut: Im Segment E-Commerce erzielte die Gruppe einen Umsatzanstieg um 29,5% auf 42,1 Mio. Euro (Vorjahr: 32,5 Mio. Euro). Das Segment erhöhte seinen Umsatzanteil damit von 11,7% auf 16,0%. Das Segment Wholesale verzeichnete einen deutlichen Umsatzrückgang von 112,4 Mio. auf EUR 94,9 Mio. Der Anteil des Segments Wholesale am Konzernumsatz belief sich somit auf 36,1% (Vorjahr: 40,4%).

„Wir wollen Frauen begeistern und inspirieren“

Das berichtete EBITDA (einschließlich Effekten aus der Leasingbilanzierung nach IFRS 16) stieg von −2,3 Mio. Euro im Vorjahr auf 63,2 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2021. Der Konzern steigerte ferner das berichtete operative Konzernergebnis (EBIT) auf 18,3 Mio. Euro nach −59,4 Mio. Euro im Vorjahr. Ohne die Effekte aus der Anwendung der Leasingbilanzierung gemäß IFRS 16 belief sich das normalisierte Konzern-EBIT 2021 auf 11,1 Mio. Euro (Vorjahr: −60,9 Mio. Euro). Die normalisierte EBIT-Marge bei verbesserte sich damit auf 4,2 % (Vorjahr −21,9 %).
CEO Angelika Schindler-Obenhaus sieht das Unternehmen auf Kurs: „Auf dem Weg zur Erschließung unserer neu definierten, erweiterten Zielgruppe der „Generation Wow“ bzw. der Babyboomer sehen wir erste Erfolge. Die in der Stilistik deutlich modernere Kollektion lockt vermehrt Frauen ab 50 und teilweise sogar ihre Töchter in unsere Stores und auch unsere Wholesale-Partner spüren diesen Effekt. Wir wenden uns damit allein in Deutschland an rund 15 Mio. Frauen in dieser Altersgruppe, die wir begeistern und inspirieren wollen. Im vergangenen Geschäftsjahr sind wir zudem bei der Implementierung wichtiger Nachhaltigkeitsmaßnahmen sehr gut vorangekommen. Für uns ist die tiefgreifende Verankerung des Nachhaltigkeitsgedankens in allen Bereichen des Unternehmens eine logische und zukunftsrelevante Weiterentwicklung unserer Marken. Dies erwarten sowohl unsere Kundinnen als auch unsere Aktionäre.“

Positives erstes Quartal 2022

Florian Frank, CFO des Unternehmens, erklärt: „Wir haben die Eigenkapitalbasis des Konzerns im vergangenen Jahr gestärkt und unsere Verschuldung deutlich reduziert. Wir arbeiten fortlaufend an Optionen für die im kommenden Geschäftsjahr anstehende Refinanzierung. Dass es aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Einzelabschluss zu vermehrten Risikovorsorgen und damit zu einem Aufzehren des Eigenkapitals gekommen ist, ist bedauerlich, aber für den Konzern nicht bestandsgefährdend. Das Umfeld für den Mode- Einzelhandel bleibt angesichts des Russisch-Ukrainischen Krieges sowie durch die steigende Inflation und die andauernde Corona-Pandemie ohne Zweifel herausfordernd.“
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte Gerry Weber einen Konzernumsatz von 72,9 Mio. Euro (Vorjahr: 45,4 Mio. Euro), zu dem die Segmente Retail und Wholesale in nahezu gleichem Maße beitrugen. Im Segment E-Commerce erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 9,7 Mio. Euro (Vorjahr: 8,2 Mio.). Die Umsatzentwicklung im Konzern sei unter anderem durch anhaltende Restriktionen für den stationären Einzelhandel infolge der Corona-Pandemie sowie durch die generell gedämpfte Konsumstimmung beeinflusst.
Unter Berücksichtigung des bisherigen Jahresverlaufs sowie der genannten Risiken erwartet der Vorstand für das Geschäftsjahr 2022 einen Konzernumsatz in einer Bandbreite zwischen 310 Mio. und 335 Mio. Euro und ein normalisiertes Konzern-EBITDA im negativen niedrigen einstelligen Millionen-Euro Bereich.

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Petra Steinke / 30.05.2022 - 10:16 Uhr

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