DMI Trendstudie Shoes & Bags

Große Trendstudie: Das wird H/W 23/24 wichtig

DMI-Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins (Foto: DMI)
DMI-Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins (Foto: DMI)

Ausblick in die neue Saison. Das Deutsche Mode-Institut DMI hat eine Trendstudie Shoes & Bags für Herbst/Winter 2023/24 vorgestellt.

Internationale Trendexperten des DMI geben einen Ausblick auf die Trend-themen Embrace Sobriety, Second Nature, Artificial Elegance und Break Patterns. Modisch sind die Grenzen fließend. Es geht um Farben, Materialien, Stylingideen, aber auch um Inspirationen aus gesellschaftlichen Strömungen.

„Die Corona-Krise und vor allem die Lockdowns haben auf allen Ebenen eine Polarisierung befördert“, erklärte DMI-Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins anlässlich der Pressekonferenz der deutschen Bekleidungsbranche am 13. Juli in Düsseldorf. „Dort wo früher die modische Mitte war, ist inzwischen nichts mehr. Die Mode der Gegenwart und Zukunft ist nicht ’von bis‘, sondern ’entweder oder‘“, so Müller-Thomkins. „Entweder radikal bequem oder radikal sexy. Entweder echt beruhigend oder echt aufregend. Auf der einen Seite die Einkehr, auf der anderen Seite das Ausgehen. Tagsüber Sneaker und Slides, abends Stilettos und Skyscraper Heels, aber nicht rund um die Uhr mit mittelhohen Pumps rumlaufen.“ Mode befindet sich zwischen Anlass und Achtsamkeit – diese Aussage lässt sich auch auf die Trendprognosen für Herbst/Winter 2023/24 übertragen. Bei Shoes & Bags tun sich extreme Gegensätze auf. Die Trendstudie gibt einen Einblick, wohin die modische Reise geht.

 

Embrace Sobriety: Die schönen einfachen Dinge

Um den Leitgedanken „Wir öffnen uns für eine Schönheit der einfachen Dinge und schenken ihnen besondere Aufmerksamkeit“ geht es bei dieser Story. Sanft verlaufene mineralische Farben wie Weißtöne, helle Naturtöne, Achatgrau, aber auch Camel, Brauntöne, Sand und ineinanderfließende Grautöne sind typisch für das subtile Farbspiel. Kühle Grüntöne kombiniert mit Rose bis hin zu Dusty pink, alles sanft und fein, ergänzen die DMI-Farbkarte. Die Trendspezialisten favorisieren sehr ruhige und monochrome Looks, aber auch wahre Farbexplosionen und den Mix aus naturverbundenen und futuristischen Themen. Die Formensprache geht von XS-körperbetont bis hin zu üppigen XXL-Varianten. Den Cosy Comfort, den die Menschen in Covid Zeiten schätzen gelernt haben, möchten sie nicht mehr missen.

Sachlichkeit, Schlichtheit und Natürlichkeit

Der Alltag hat uns wieder. Es ist der Wunsch nach Sachlichkeit, Schlichtheit und Natürlichkeit. Smartere Looks und hüllige Proportionen sowie die Farbe Grau sind eine wichtige Message, die aber niemals langweilig sein darf. Back to Business Looks, werden aufgebrochen durch überlange und überweite Hosen, bodenlange Mäntel und XXL-Blazer. Zur entspannten Oberbekleidung zeigen die Schuhe modisch Flagge. Schlichte Varianten, Slip-ons und immer wieder markante Böden setzen wichtige und lebendige Kontraste. Verwaschene Grau-Varianten lassen sich gut an hellen, weichen Nudetönen auf Leder umsetzen. Boots haben weiterhin massive Böden, aber die Formen bekommen mehr femininen Charakter. Das Formenspektrum verspricht Spannung zwischen rund und Karree. Farbigkeit kommt tonal und sanft aufeinander abgestimmt in weichen Abläufen und die Sohlen immer tonig passend zum Oberleder. Schnörkellos schön und schlicht ohne Details entfalten die Schuhe ihren Look über weiche Naturtöne. Ganz wichtig sind helle Cognactöne in Kombination mit Grau. Zu den Businesslooks kombinieren die Trendexperten elegante Pumps und Pointy Booties. Bei den Taschen feiern Bananentaschen ihr fulminantes Comeback, aber insgesamt schicker und variantenreicher. Ein weiterer Newcomer sind cosy feeling Muff-Optiken in Fell oder mit Logoprint. Vergrößerte Taschenformen in heller Farbigkeit melden sich ebenfalls modisch zurück. Weg vom Leder hin zu Myzelium orientiert sich der Trend Natural Protection. Steppoptiken, leicht wattiert in neuen Proportionen und Styling, in Überlängen und mit Schutzkrägen. Die Steppthematik fließt mit ein in die Taschenmode, auch hier vergrößerte Formen, leicht wattierte Rucksäcke und Taschen und softe, reduzierte Schultertaschen. Eine weitere modische Botschaft sind haarige Effekte, Felltaschen mit Metallketten, Teddyvarianten und Lammfelloptiken für Schuhe und Taschen. Verspielter und mit romantischen Anklängen rücken feminine abendliche Kleider ins Tagesleben vor und werden aufgebrochen mit Ballerinas oder coolen Sneakern.

Second Nature: Langlebigkeit der Mode

Es geht um ein neues Zeitgefühl und ein neues Nachdenken und darum, was Langlebigkeit mit der Mode macht. Die Dinge wahrnehmen in verschiedenen Lebenszyklen – von der Blüte bis zur Reife, wie sich die Farben und Materialien verändern und reifen. Es geht um Lebensspuren und Intensivität, um die dunkle Tiefe von Wäldern und um Farben wie warme Brauntöne, rötliche Nuancen, Terracotta, goldene Schattierungen, Mustard, Safran oder ein tiefes Olivbraun. Das Zusammenspiel von Grün- und Blautönen, die Polarisierung zwischen wärmeren und kühleren Tönen und Rottöne bekommen Akzentcharakter. Das Modethema Second Nature spiegelt ein authentisches Feeling wider mit Inspirationen vom Himalaya und der Liebe und dem Respekt zur Natur. Die hier propagierten Used-Optiken bringen spannende Effekte in die Schuhmode und werden selbstbewusst zur Schau getragen. Überhaupt sind Unregelmäßigkeiten gewollte Effekte, alles ist herunter gewaschen und kaputt gemacht. Das geht bis hin zu bewusst zerstörten Schuhen, zerrissen mit schmutzigen Rändern und offenen Kanten wie es auf den Designerschauen zu sehen war, berichten die Trendexperten.

 

Schmalere Leisten und Wallabes kommen

Upcycling ist ein weiteres wichtiges Thema. Innovative Designs lassen sich für Taschen aus Wollresten kreieren. Sticker und Patches auf Felltaschen und immer wieder zeigen die Accessoires eine gewollte Patina. Inspirationen aus der Workwear in Kombination zu technischen Qualitäten lassen sich spannend auf Schuhe und Taschen übersetzen. Cargopants und Rucksäcke feiern ihr Comeback. Als neuer Favorit werden Casual Bags gehandelt – das sind großformatige sportive Taschen in Canvas-Qualitäten. In der Schuhmode meldet sich Workwear ebenfalls modisch zurück und dazu gehören sportive Booties mit neuen Details. Schuhe mit Mittelzipp sind modisch auf der Überholspur, aber auch sportive Schnallen, schmalere Leisten und Wallabees werden neu interpretiert und höhere Kreppsohlen haben Trendpotenzial: der Natur auf der Spur. In der Stiefelmode finden sich Anleihen von Gummistiefeln. Es wird gespielt mit hohen Schäften, bis hin zu Varianten á la Pretty Woman, mit übertrieben weiten Overknee-Schäften. Im Kontrast dazu stehen voluminöse Fellboots, Taschen als übergroße Fellbeutel, auch in farbiger Variante bis hin zu übergroßen Fellschuhen. Überzogen interpretiert spielen die Designer mit Zottelpelzen, lassen sich von Yeti Boots beeinflussen, zeigen Patchvarianten mit Leder und Rangerboots für starke Männer. Volumige Taschen und großformatige Beutel, das Comeback von Backpacks mit Himalaya Impulsen und folkloristische Einflüsse, Indie-Style sind charakteristisch für Second Nature. Hiking Sneaker und Boots spielen mit Farbkontrasten. Generell favorisiert die Designwelt Schuhe mit Volumen und hohen Böden, die ideal zum Trend der überlangen Hosen passen. College-Looks im Gender Flow – hier fließen maskuline Elemente in die Womenswear ein, es gibt viele oversized Silhouetten und Checks sind back. Aber auch junge und ironische Interpretationen mit Krawatten als Key Item mischen die Mode auf. Der ewige Sneakerlook bekommt Gesellschaft von Loafern und Trottoirs, frech kombiniert mit Socken. Bei den Taschen stehen neue kleine runde Formen mit Aktivschließen im Fokus.

 

Artificial Elegance: Futurismus trifft auf Realität

Von der Natur in die Welt der Künstlichkeit, changierend zwischen den Realitäten. Selbst die Natur zeigt sich in diesem Kontext anders gefärbt, fremd und verführerisch. Die Farben wirken übertrieben, das Licht illusorisch und die Farben erhalten dadurch eine besondere Tiefe. Teilweise wirkt das Farbenspiel wie Röntgenbilder von Pflanzen, irreal und fremd mit einem fast metallischen Schimmer. Farben von Violett bis Grau, Schwarz, Arctic Weiß, blaustichige Nuancen, helles Türkis und Grüntöne oder mysteriöse Rotnuancen. Die Farbhöhen bewegen sich zwischen Coolness und Schönheit, sie changieren zwischen real und digital und fordern alle Sinne heraus. Ein sehr futuristisches Modebild mit neuen Proportionen, die vor der realen Welt schützen sollen. Es ist ein Thema der großen Kontraste – oversized zu extremen Minis. Jacken und Mäntel setzen ein Statement in oversized Silhouetten und mit übertriebenen Schultern und überlangen Ärmeln. Das Spiel mit den Proportionen setzt sich in der Schuhwelt fort mit Karree-Formen, die auf Pointy Toes und dicke Sohlen stoßen. Plateaus bleiben die perfekten Begleiter, das geht bis hin zu extremen Proportionen, und alles aus einem Guss in Unifarben. Highlights setzen extra breite und runde Kappen und Sneaker mit geformten Sohlen. Teilweise geht es bis hin zu Schutzfunktionen wie Schneeschuhe mit doppelter Protektion und Schutzhüllen.

Biker mit Schnallen, Glam und Plateau

Bikerstyles kommen wieder: Biker auf Plateau, Biker mit Schnallen und Glam Biker. In diese Thematik gehören auch Knobelbecher-Shapes, Schnürboots und Chelsea-Varianten mit runden Silhouetten als Kontrast zu den kantigen Leisten. Taschen, vielfach in geometrischen Ausführungen wie Bodybags, Bananentaschen, kleine Boxy-Formate, eckige Taschen, die wie Quadrate aussehen bis hin zu Shoppern oder Handgepäck. Übertriebene Formate, die fast schon wie Survival Bags aussehen und mit Metallicglanz spacig wirken. Im Kontrast dazu Pointy Toes, High Heels und Overknees, wie es die Designer auf den Laufstegen zeigten. Elegante Partylooks werden ganz unkonventionell zu klobigem Schuhwerk kombiniert. Lurexaspekte, Satin und Velvet in Purpleshades und Edelsteinfarben setzen mystische Akzente in der Taschenmode.

 

Break Patterns: Sport, Kitsch und Farbe

Sport ist der Impulsgeber und wird mit verspielter Allüre neu kombiniert. Aus der Skimode der 70er Jahre inspiriert, nimmt Colourblocking Einzug in die Mode: Cognac zu Türkis, Braun zu Mint, technische Ware zu Leder und Teddy. Ein Must sind Schneeboots in grafischer Farbaufteilung, aber auch Bergsteigeroptiken mit neonfarben Details, Hikingsneaker und Schnürboots. Neue Verschlussideen wie Schnapp- oder Hakenverschlüsse aus dem Skisport setzen spannungsvolle Akzente. Auch hier in der Mode übertriebene Volumen für Pufferjacken und Hosen, die an Michelin-Männchen erinnern. Ein Schocker ist die intensive Farbigkeit. Ein echtes Statement-Piece hierzu sind Beinmanschetten. Die Schuhmode in dieser kitschig inspirierten Plastikwelt spielt mit Plastikketten und dem Zusammenspiel von leisen Tönen und intensiven Farben wie Grün, Fuchsia, Blau und Türkis. Farbige Sohlen sind weiter gesetzt. Als neue Variante werden Karree-Loafer mit farbigen Sohlen favorisiert und klassische Schnürschuhe erhalten mehr Pepp durch Sportsohlen. In die technische Sportwelt passen auch Gummistiefel mit kontrastierenden Sportstreifen und Taschen mit dynamischen Grafikmotiven. Der Urban Streetlook zeigt überweite Hosen zu spitzen Pumps. Bowling Bags kommen wieder. Hier wird gespielt mit aufgeblasenen Hahnentrittmustern und Karos, die aus den Taschen auffällige Statementpieces machen. Auch farbige Fellsandalen und Fellpuschen nehmen Einzug in die Tagesmode. Zu auffällig dessinierten Mänteln werden Taschen in intensiven Farben kombiniert. Jung, frech und verspielt finden sich unter der Headline „Painterly“ kindliche Motive wieder. Es geht um übergroße Motive, Graffiti und Streetart und bietet die ideale Vorlage für Accessoires. In Richtung Indie-Styles gehen fantasievolle Secondhand-Looks, hier werden unterschiedliche Checks kombiniert und mit Wordings und floralen Drucke akzentuiert. Bei Street-Culture melden sich die 2000er-Jahre zurück und mit ihnen kehrt die Baggy zurück in die Mode: Ein Powerlook mit oversized Hosen, Schuhen mit massiven Böden; aber auch überlange Low Rise Hosen, die auf runde kräftige Böden stoßen. Die exklusive Studie Shoes & Bags kann über das Modeinstitut in Köln erworben werden.

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Lisa Dartmann / 04.08.2022 - 13:17 Uhr

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