Bilanz für 2021

HDS/L: Krieg trifft Schuhindustrie

Hauptgeschäftsführer HDS/L Manfred Junkert (Foto: HDS/L)
Hauptgeschäftsführer HDS/L Manfred Junkert (Foto: HDS/L)

Die Umsätze der deutschen Schuhhersteller sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Große Sorgen bereiten den Unternehmen aktuell die Folgen des Kriegs in der Ukraine.

Die Umsätze der deutschen Schuhindustrie sind im Jahr 2021 Betriebe insgesamt um 15,9% gestiegen. Dieses Plus sei maßgeblich auf die Entwicklungen einzelner Unternehmen zurückzuführen, teilte der HDS/L im Rahmen der Shoes Düsseldorf mit. Auf dem Messegelände fand am 7. März die Jahrespressekonferenz des Bundesverbands statt. Auf der Veranstaltung trugen Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert und Vorsitzender Carl-August Seibel die Ergebnisse der Schuhbranche des letzten Jahres vor. Der Umsatz der deutschen Schuhhersteller mit 50 oder mehr Beschäftigten ist in 2021 im Vergleich zu 2020 von 2,8 auf 3,3 Mrd. Euro gestiegen. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine habe sich die weltpolitische Lage in den vergangenen Tagen allerdings komplett verändert mit dramatischen Auswirkungen auch für die deutsche Wirtschaft und die deutsche Schuhindustrie, so der Verband. Auf absehbare Zeit werde Russland als Absatzmarkt deutscher Schuhmarken ausfallen. Produktionsstätten deutscher Hersteller und Zulieferer in der Ukraine seien in Gefahr. Der Luftverkehr über Russland und der Bahnverkehr durch Russland sei nicht mehr möglich, wodurch die Logistik erschwert und weiter verteuert werde. „Die Abhängigkeit von Russland bei der Energieversorgung, in die sich Deutschland begeben hat, gefährdet möglicherweise die Energiesicherheit, erhöht aber ganz bestimmt die Kosten von Energie, wie man jetzt schon an den Tankstellen beobachten kann. Die deutsche Schuhindustrie ist bereit all diese Folgen zu tragen und unterstützt auch die Sanktionsmaßnahmen gegenüber Russland. Diese werden langfristig massive negative Auswirkungen auf die deutschen Schuhhersteller und -marken haben“, teilte der HDS/L mit. Vor diesem Hintergrund erwarte man eine Neuausrichtung der deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik mit neuen Prioritäten. „Die Politik muss nun Realitätssinn beweisen“, erläuterte hierzu Carl-August Seibel auf der Pressekonferenz. Die Wirtschaft trage die Maßnahmen mit, müsse dafür aber auch an anderen Stellen entlastet werden, wenn es um Mindestlöhne, Nachhaltigkeits- oder Lieferkettenstandards gehe: „Ich hoffe, dass es der Wirtschaft nicht noch schwerer gemacht wird.“

2021 wurden 316,2 Mio. Paar Schuhe mit einem Gesamtwert von 7,6 Mrd. Euro aus Deutschland ausgeführt. Im Vergleich zu 2019 entspricht dies einem Rückgang um 8,0% bei der exportierten Paarzahl. Der Wert der ausgeführten Schuhe ist von 2020 zu 2021 um 9,9 % von 6,9 auf 7,6 Mrd. Euro gestiegen. Während der Durchschnittspreis eines ausgeführten Schuhs in 2020 23,18 Euro betrug, betrug der Durchschnittspreis eines in 2021 ausgeführten Schuhs 24,09 Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 3,9%. Das wichtigste Abnehmerland von Schuhen aus Deutschland war in 2021 Polen mit einem Exportanteil von 18,2%. Abgenommen hat der Export ins Vereinigte Königreich von 16,6 Mio. Paar auf 14,3 Mio. Paar. „Das sind Folgen des Brexit“, wie Manfred Junkert erklärt. 

Im vergangenen Jahr sind 3,1% weniger Schuhe eingeführt worden als in 2020. Gegenüber 2019 wurden sogar 16,0% weniger Schuhe eingeführt. Die importierte Paarzahl ist von 2020 zu 2021 von 641,4 auf 621,4 Mio. Paar gesunken. Der Wert der importierten Schuhe ist mit -0,6 Prozent von 10,16 auf 10,10 Mrd. Euro stabil geblieben. Der Durchschnittspreis der in Deutschland eingeführten Schuhe erhöhte sich in 2021 um 2,7% auf 16,26 Euro. In 2019 betrug der Durchschnittspreis eines importierten Paars Schuhe 14,63 Euro. Vergleicht man den Durchschnittspreis eines importierten Schuhs von 2019 mit dem eines in 2021 eingeführten Schuh, entspricht dies einem Anstieg von 11,1%. China hat seine Bedeutung als wichtigstes Importland für Schuhe für Deutschland ausgebaut. In 2021 ist der Anteil an importierten Schuhen aus China an allen nach Deutschland eingeführten Schuhen von 42,4 auf 44,8% gewachsen. Im Vergleich zu 2019 wurden in 2021 allerdings 18,7% weniger Schuhe aus China nach Deutschland importiert. Trotz der Bemühungen, die Produktion wieder nach Europa zu holen, ist Asien als Produktionsregion nach wie vor alternativlos, stellt Carl-August Seibel klar. Schließlich kämen fast drei Viertel der in Deutschland verkauften Schuhe aus Asien: „Selbst um 10% der in China produzierten Schuhe nach Europa zu verlagern, fehlen die Kapazitäten.“ Auch die sich verändernden Transportwege machen dem deutschen Schuhhandel zu schaffen, fügt er hinzu: „Es stehen uns weniger Container zur Verfügung. Statt 2.000 Euro zahlt man nun 12.000 bis 15.000.“ Schwarzmalen wolle man auf der Pressekonferenz dennoch nicht. Es seien Herausforderungen, auf die Antworten gefunden werden müssten.

Der Ausblick auf die kommenden Monate wird massiv durch die russische Invasion der Ukraine geprägt. „In Anbetracht des Krieges in der Ukraine ist die Unsicherheit groß und ein Ausblick auf die weitere Entwicklung in diesem Jahr sehr schwierig. Eigentlich war der Ausblick für dieses Jahr positiv und von der Hoffnung geprägt, die Pandemie weitgehend hinter uns zu lassen. Abhängig von der Dauer des Angriffs in der Ukraine ist dieser Ausblick deutlich eingetrübt“, hieß es seitens des HDS/L. Über den Krieg hinaus bewerten viele Unternehmen vor allem die steigenden Rohstoffpreise als Risiko für die wirtschaftlich Entwicklung ihres Betriebes in den kommenden sechs Monaten an. Die Hälfte der an der HDS/L Konjunkturumfrage teilnehmenden Betriebe sieht zudem in der Logistik weiterhin ein Risiko.

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Helge Neumann / 07.03.2022 - 13:17 Uhr

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