Gottstein aus Tirol

„Jede Wolle hat ihre eigenen Vorzüge“

Mit der Nutzung seltener Wollen sollen gefährdete Schafsrassen geschützt werden. (Foto: Gottstein)
Mit der Nutzung seltener Wollen sollen gefährdete Schafsrassen geschützt werden. (Foto: Gottstein)

Bergschaf, Moorschnucke, Juraschaf – von einigen dieser Schafrassen gibt es nur noch wenige tausend Tiere. Philipp Gottstein vom gleichnamigen Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Arten durch den Einsatz ihrer Wollen vor dem Aussterben zu bewahren.

Mitten in einem Nadelholzwald liegt es, das neue Headquarter der Firma Gott-stein aus Tirol. Komplett aus Holz gefertigt, passt es in die idyllische Landschaft, das war den Bauherren der Firma Gottstein wichtig, als sie sich für den Neubau entschieden. „Seit 2015 arbeiten wir klimaneutral. Wir haben zwar schon immer sehr energieschonend gearbeitet, aber 2015 haben wir uns entschlossen, auch das zertifizieren zu lassen. Unser Fußabdruck wird berechnet und jährlich mit Projekten kompensiert“, erläutert Philipp Gottstein, Geschäftsführer des Hausschuhherstellers. Im Sortiment der Marke finden sich – neben Hausschuhen – auch Hüttenschuhe und Sneaker. „Uns gibt es jetzt seit knapp 100 Jahren. Wir beschäftigen uns mit der Herstellung von Wollen zu Stoffen und stellen aus diesen Stoffen auch Hausschuhe her. Wir sind einer der wenigen Betriebe, die nahezu vollstufig produzieren. Die meisten Hersteller in der Schuhbranche kaufen das Obermaterial zu, wir machen alles unter einem Dach. Wir kaufen die Schurwolle zu und diese wird dann von uns weiterverarbeitet, bis hin zum Endprodukt“, erklärt Gottstein den Arbeitsansatz seines Unternehmens.

 

Nachhaltig

Denn Nachhaltigkeit spielt für den Tiroler eine große Rolle in seinem Wirken: „Mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen wir uns schon seit Jahren intensiv. In unserer Heimat Tirol, in der wir auch produzieren, gibt es einige seltene Schafrassen, wie das Tiroler Steinschaf oder das Tiroler Bergschaf. Diese Rassen haben leider stark limitierte Bestände, es gibt zum Teil gerade Mal 3.000 Einzeltiere. Die Wolle dieser Tiere wird zum Teil einfach weggeworfen. Sie ist im Vergleich zur Merinowolle gröber, aber mit unserem Know-how ist es uns gelungen, vergleichbare Stoffe zu fertigen, aus denen wir nun unsere Hausschuhe produzieren. Da die Wollen bisher nicht stark von der Branche gefragt sind, können wir sie ohne Probleme für unsere Kollektionen nutzen.“ Zwar nutze Gottstein auch Merino-Wollen in der Fertigung, jedoch seien „gerade im Schuhbereich Merino ein Luxus“, den man zwar selbst nutze, aber froh sei, über regionale Alternativen zu verfügen.

Klimaneutral

Umweltschutz spielt für das Unternehmen eine große Rolle, denn für den Filzprozess der Wollen benötigt es Flusswasser in Trinkqualität: „Durch unsere interne Wasserüberwachung und die Aufbereitung können wir das Wasser komplett schadstofffrei in das Abwasser zurückleiten. Dabei stehen wir auch in engem Austausch mit den Behörden. Die Umweltauflagen werden strenger. Dies ist auch in unserem Sinne, da es dem Schutz unserer Umwelt dient.“ Beim Neubau des Headquarters, das vor kurzer Zeit bezogen wurde, war eine umweltbewusste Bauweise deshalb von vornherein Teil des Plans. „Unser Headquarter und unsere Produktion sind seit drei Monaten wieder an einem Ort vereint. Das neugebaute Headquarter liegt idyllisch in einem Nadelholzwald und wurde aus Nachhaltigkeitsgründen komplett aus Holz gebaut“, verrät der Geschäftsführer. Zudem konnte das Unternehmen so seine Kapazität steigern: „Wir haben in den vergangenen Jahren massiv in unseren Standort investiert. Dabei konnten wir unsere Produktionskapazität mehr als verdoppeln. In den letzten Jahren konnten wir eine starke Steigerung der Nachfrage verzeichnen. Dabei haben wir jahrelang nie die Nachfrage bedienen können. Jetzt sind wir erstmals so gut aufgestellt, dass wir beispielsweise das Nachordergeschäft kurzfristig organisieren können. Das freut uns sehr“, so Philipp Gottstein.

Wachstum

Denn Gottstein wächst. Und das nicht erst seit der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Hausschuh-Boom. „Unsere Hausschuhe werden über den Fachhandel und über unsere Homepage sowie einige Plattformen vertrieben. Der Bereich D2C befindet sich im Wachstum, weil wir da eine größere Nachfrage der Kunden verspüren, jedoch bleibt der stationäre Handel weiterhin ein wichtiger Partner für uns“, verspricht Philipp Gottstein. Ziel sei es, den stetig wachsenden Kunden weiterhin das bestmögliche Produkt zu bieten. „Unsere Schuhe werden von umweltbewussten Kunden getragen, die sich mit Themen wie dem Artenschutz identifizieren können. Sie haben einen ausgeprägten Sinn für Nachhaltigkeit und wollen wissen, woher ihr Produkt stammt. Das können wir authentisch erzählen, vor allem wie und wo unsere Naturhausschuhe hergestellt werden.“ Für die Zukunft möchte Philipp Gottstein die nachhaltige Arbeit seines Unternehmens weiterführen. Um noch unabhängiger vom Energiemarkt zu werden, arbeite man aktuell laut Gottstein an einer Grundwasserwärmepumpe. „Beim neuen Headquarter haben wir eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, in der Halle arbeiten wir bereits mit Wärmerückgewinnung“, beschreibt der Unternehmer den bisherigen Beitrag zum Klimaschutz, den er weiter vorantreiben möchte. Seine Zukunftspläne? „Momentan versuche ich, zu fokussieren. Wir sind ein kleines Unternehmen in einem großen Markt. Da ist noch viel Potential, das man ausschöpfen kann. Wir sehen in unserer Nische viele Chancen.“

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Laura Klesper / 05.08.2022 - 13:52 Uhr

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