Social Media im Handel

Jeden Tag eine neue Story

Viele Händler nutzen Facebook, Instagram & Co., um mit ihren Kunden im Gespräch zu bleiben (Foto: Adem Ay/Unsplash)
Viele Händler nutzen Facebook, Instagram & Co., um mit ihren Kunden im Gespräch zu bleiben (Foto: Adem Ay/Unsplash)

Händler berichten über ihre Erfahrungen mit Social Media-Kanälen, über Fehler, die man vermeiden sollte, und über Themen, die auf Facebook & Co. besonders gut funktionieren. 

„Liebe Kunden, wir haben lange überlegt, wie wir mit dem Wegfall der Maskenpflicht umgehen und haben entschieden, es jedem selbst zu überlassen. Wir freuen uns über jedes Lächeln, das den Laden betritt, genauso aber auch über jede Maske“. So informiert ein Kinderschuhgeschäft via Instagram seine Kunden über aktuelle Entwicklungen. Ein anderer Händler postet ein Video in dem eine junge Frau in der Natur farbenfrohe Gummistiefel präsentiert. Und ein drittes Unternehmen nutzt die Frühlingsaktion am Standort, um auf Instagram eine kleine Rabattaktion anzukündigen.
Längst sind Social Media-Kanäle für Händlerinnen und Händler wichtige Tools, um mit den Konsumenten im Gespräch zu bleiben. Instagram, Facebook, Youtube oder Pinterest – es gibt zahlreiche, kreativ gestaltete Social Media-Auftritte von Schuhhäusern.
In der Pandemie bekam das Thema eine ganz neue Bedeutung. Lockdown, das hieß, kein physischer Kontakt mehr zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Also mussten andere Wege gefunden werden. Britta Goertz, Schuhhändlerin aus Lübbecke, erinnert sich: „Wir hatten unsere Social-Media-Kanäle auch schon vorher, aber dass wir sie täglich bespielen, ist aus der Not
geboren. Als uns durch die Türen zugemacht wurden, war ich erst einmal ein paar Tage geschockt, schließlich war es mein Leben, jeden Tag auf die Fläche zu gehen und Kundinnen und Kunden zu beraten. Doch dann habe ich den Weg nach vorne gesucht und versucht, zu den Leuten auf das Sofa zu kommen.“

Lieber direkter Austausch als viele Follower

Britta Goertz dreht unter anderem kurze Videos und begrüßt ihre Community mit „Hallo Ihr Lieben“. Sie zeigt neue Schuhe und gibt Auskunft über eine Hilfsaktion für aus der Ukraine geflohene Familien, für die sie Unterstützung braucht. „Ich merke, wie wichtig das auch unabhängig vom Lockdown geworden ist. Fast jeden Tag kommt jemand in den Laden und fragt nach einem Schuh, weil man ihn in einer Story gesehen hat.“ Täglich postet die Händlerin Stories oder Videos: „Am Anfang war es zeitintensiv, d ie Beiträge zu produzieren, aber mittlerweile funktioniert es gut während der täglichen Arbeit. Für die Videos lasse ich mich von Kundengesprächen inspirieren. Wenn mir zwei Leute auf der Fläche die gleiche Frage stellen, gehe ich davon aus, dass es auch noch mehr Leute interessieren könnte und mache es zum Thema. Dass ein persönlicher Post gut ankommt, merke ich am Feedback. Wir haben eine kleine lokale Community, da ist es zum Glück auch noch möglich, auf alle zu antworten.“ Eine wichtige Kennzahl sei für sie der Anteil an Followern, die auch schon mal im Laden waren. „Was das betrifft, stehen wir sehr gut da. Das ist mir wichtiger, als viele Follower zu haben, die unter Umständen zu weit weg wohnen, um je das Schuhhaus zu besuchen.“ Der stationäre Laden steht noch immer im Mittelpunkt der geschäftlichen Aktivitäten von Britta Goertz: „Die Social-Media-Aktivitäten sind ein wichtiges Marketingtool und die moderne Ergänzung zur Mundpropaganda.“ Das habe sich auch nach den Lockdowns nicht geändert und werde auch in Zukunft wichtig bleiben.
Ähnlich argumentiert Stefan Breuer vom Schuhhaus Breuer in Wassenberg-Birgelen. Schon vor der Pandemie war er mit Social Media-Aktivitäten gestartet. Die Relevanz hat sich in zwei Jahren Corona nicht besonders verändert. Es sei weiterhin wichtig, präsent zu sein. „Das Rad können wir nicht mehr zurückdrehen“, so Breuer. Der Händler entwickelt seine Posts flexibel: „Es kommt immer drauf an: auf die Jahreszeit, auf aktuelles Wetter, es geht auch um Ablenkung vom Alltag.“ Dabei versuche er, den Post so attraktiv wie möglich zu gestalten, ob als Bild oder als Clip. „Ich versuche, dunkle Farben zu vermeiden. Und manchmal bewerbe ich auch einen Post.“ Was läuft dabei gut – und was schlecht? „Mit einer Präsentation zur Wiedereröffnung und einem improvisierten Clip zu neu eingetroffenen Schuhen habe ich die besten Erfahrungen gemacht“, berichtet der Händler. Mäßig erfolgreich liefe es dagegen meist, wenn Basic-Artikel gepostet würden. Daher achte er bei Postings zu Schuhen vor allem darauf, neue Produkte zu zeigen. Sinnvoll sei es aber auch, emotionale Themen abzubilden, auf neue Farben oder auch auf Marken hinzuweisen.

 

Regelmäßig posten

Christiane Schroer vom Schuhhaus Schämann in Haltern hebt einen weiteren Aspekt hervor: „Das Wichtigste bei Social
Media ist die Regelmäßigkeit. Man muss am Ball bleiben, damit es funktioniert. Aber dann ist es eine gute Möglichkeit, günstig Marketing zu machen und den Kontakt mit der Kundschaft zu halten.“
Auch im Schuhhaus Schämann haben Facebook, Instagram & Co. schon vor Corona eine Rolle gespielt, „aber durch die Pandemie haben wir uns damit beschäftigt, wirklich täglich zu posten“, so Christiane Schroer. „Man muss bei dem Thema dranbleiben, um wirklich Erfolg zu haben und merkt schnell, welche Posts gut ankommen und welche untergehen. Das Thema muss passen, aber zum Beispiel auch die Uhrzeit, zu der man Posts rausschickt. Glücklicherweise kann man Beiträge vorbereiten und die Veröffentlichung planen. Wenn ich die Posts einer Woche vorbereite, brauche ich dafür rund eine Stunde. Bei der Auswahl der Motive gucke ich gerne, wie das Wetter die Woche sein wird und lasse mich davon inspirieren. Besonders gut kommt es auch an, wenn man den Leuten auch etwas von seinem Arbeitsalltag als Händlerin zeigt: In der Frühjahr/Sommer-Orderrunde habe ich mal meinen Tagesablauf geteilt und über den Tellerrand gucken lassen. Viele fanden es sehr spannend, zu sehen, was man als Händlerin alles für Aufgaben hat.“ Generell werde es geschätzt, wenn die User merken, dass Posts selbst verfasst und persönlich gestaltet sind. „Da ist es dann auch nicht schlimm, wenn mal ein Bild nicht perfekt ausgeleuchtet ist oder ein Tippfehler drin ist.“

Digitale Kommunikation „unverzichtbar“

Auch die Verbundgruppen unterstützen ihre Mitgliedsunternehmen bei Social Media-Aktivitäten. Martin Schneider, Director bei der Kölner Verbundgruppe GMS, sieht die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten als wichtig an, betont aber auch: „Die im Fachhandel vorhandenen Voraussetzungen sind höchst unterschiedlich. Der eine Händler geht mit diesen Tools absolut selbstverständlich um, für den anderen sind sie ein Buch mit sieben Siegeln. Daher gibt es nicht den einen, richtigen Weg, um die Händler für das Thema Social Media zu befähigen. Die individuelle Beratung steht im Vordergrund. Aus diesem Grund biete GMS verschiedene Bausteine an, um dem Kunden eine maßgeschneiderte Unterstützung anbieten zu können. „Für die Kunden, die den digitalen Medien gegenüber noch nicht so aufgeschlossen sind, bieten wir bereits seit vielen Jahren eine kostenlose Homepage an, um diese Händler überhaupt digital sichtbar zu machen. Gleichzeitig helfen wir, Google my business zu verstehen und zu nutzen. Mit diesen beiden Maßnahmen sind die ersten Schritte getan, die nicht mehr verzichtbar sind“, so Schneider. Gleichzeitig werde so das Interesse der Fachhändler geweckt, sich mit weiteren digitalen Themen zu beschäftigen.„Über die typischen Social Media Kanäle kann der Fachhandel in digitale Interaktion mit seinen Kunden treten. Neben der Präsentation von Produkten, die häufig einen großen Raum in der Kommunikation einnimmt, eignen sich die Plattformen hervorragend, um die eigene Fachexpertise zu verbreiten und um das eigene Unternehmen oder die Mitarbeiter zu präsentieren“, ist man bei GMS überzeugt. Neben Facebook und Instagram werde hierfür sehr häufig der WhatsApp-Status genutzt. „Wer die Mobilnummern seiner Kunden gesammelt hat, bekommt hier Bildschirm- und Werbezeit zum Nulltarif.“
Bereits vor Jahren hat der GMS-Verbund damit angefangen, eigene Facebook-Seminare anzubieten, um den Fachhandel mit den Möglichkeiten vertraut zu machen. „In unseren digitalen Newslettern nimmt das Thema Social Media regelmäßig Platz ein. Wichtig sind uns konkrete Handlungsempfehlungen und einfache „Anleitungen“, um die Themen unabhängig von der digitalen Vorbildung nutzbar zu gestalten. Gemeinsam mit unseren Partnerunternehmen veranstalten wir regelmäßig Social-Media-Seminare, in denen anhand konkreter Praxisbeispiele gezeigt wird, wie man Inhalte kreiert, seine Reichweite erhöht und die verschiedenen Plattformen geschickt und effizient miteinander verknüpft.“ Inzwischen seien die neuen Kommunikationswege etabliert und würden von vielen Kunden als selbstverständlich wahr- und angenommen. „Wir sind davon überzeugt, dass die Kunden wieder zum Schaufensterbummel vorbeischauen werden, wenn die Corona-Pandemie ihren Schrecken verloren hat. Das persönliche Gespräch und Einkaufserlebnis ist nicht zu ersetzen. Auf die digitalen Informationen möchten die Kunden aber auch zukünftig nicht mehr verzichten.“

„Das Thema bleibt relevant“

Die ANWR in Mainhausen bietet ihren Händlerinnen und Händlern ebenfalls Unterstützung im Bereich Social Media: „Der ANWR Marketing-Shop, der Online-Shop für alle 360 Grad-Kampagnen, POS-Werbemittel und z.B. Tragetaschen, enthält Text- und Bildvorlagen zu unterschiedlichen Anlässen auch für die Social-Media-Kanäle. Dort können Händlerinnen und Händler das Material zur weiteren Nutzung individualisieren. Außerdem bietet ANWR Schuh über das Shoe Love Partner Programm gezielte Social Media Kampagnen, die teils auch von den Industriepartnern gesponsert werden.
So wird gemeinsam mit Rieker seit Mitte März die neue Kollektion Rieker R-Evolution über eine gezielte Kampagne beworben. Alle teilnehmenden Händler erhalten dazu einen Werbekostenzuschuss. Als Dienstleister setzt ANWR dabei auf Socialpals. Das Unternehmen bietet die Infrastruktur, um automatisiert online Werbeanzeigen im lokalen Umfeld des stationären Einzelhändlers, in dessen Namen, zu schalten“, erklärt die Mainhausener Verbundgruppe. Ergänzend begleite die ANWR die Social Media-Aktivitäten auch über eigene Kanäle, z.B. für Quick Schuh, natural sense oder Local Shoe Love. Aktuell biete man keine Schulungen bzw. Webinare an; allerdings berieten die Social Media-Expertinnen im Sales-Team die Händler individuell. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehört dabei die Erstellung eines Redaktionsplans, um doppelten Content zu vermeiden. Für die ANWR steht fest: „Für den Handel wird das Thema weiterhin relevant bleiben.“ Dabei seien Social Media nicht nur als reiner Verkaufskanal zu betrachten. „Es geht um Inspiration, um Trends und Kundenbindung. Und das funktioniert über Facebook und Co. bestens.“

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Petra Steinke / 06.04.2022 - 16:03 Uhr

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