Ekn-Verantwortliche im Interview

„Jetzt gilt es, die Idee in die Welt zu tragen“

Michael Schmitz hat am 1. Februar seine Tätigkeit bei Ekn Footwear aufgenommen. (Foto: Ekn Footwear)
Michael Schmitz hat am 1. Februar seine Tätigkeit bei Ekn Footwear aufgenommen. (Foto: Ekn Footwear)

Seit dem 1. Februar ist Michael Schmitz Global Chief Sales Officer bei Ekn Footwear. Gemeinsam mit CEO Noel Klein-Reesink erklärt er die ambitionierten Ziele der Marke.

Michael Schmitz arbeitete in den vergangenen Jahren im Vertrieb bei Birkenstock, Converse und Wolverine World Wide und betreute die Unternehmen bei der Expansion und Weiterentwicklung. Am 1. Februar präsentierte die nachhaltige Sneaker-Brand Ekn Footwear den erfahrenen Vertriebsmann als neuen Global Chief Sales Officer. Er soll gemeinsam mit Gründer und CEO Noel Klein-Reesink die 2013 gegründete Marke international vertreiben. schuhkurier fragte die beiden, in welchen Geschäften es Ekn Footwear-Schuhe bald weltweit zu kaufen geben soll und welche kulturellen Unterschiede es beim Vertrieb zwischen den Ländern gibt.

 

Michael Schmitz, Sie sind seit Anfang Februar bei Ekn Footwear. Wie fühlen Sie sich bei Ihrer neuen Arbeitsstelle?

Michael Schmitz: Ich fühle mich hier sehr wohl und wurde gut aufgenommen. Die Arbeit bei Ekn Footwear macht sehr viel Spaß. Ich kenne Noel schon seit 15 Jahren, also hat mich hier keine große Überraschung erwartet. Ich habe in den ersten Wochen festgestellt, dass uns mit Ekn Footwear überall die Türen offenstehen. Wenn man als Ekn Footwear-Verantwortlicher Kontakte knüpfen will, wird man immer positiv empfangen. Sowohl in Deutschland als auch international. Das zeigt mir, dass wir ein gutes Timing für diese Zusammenarbeit gefunden haben, um Ekn Footwear nach vorne zu bringen.

Mit wem knüpfen Sie gerade Kontakte?

Michael Schmitz: Ekn Footwear ist aktuell zu 85% auf dem DACH-Markt aktiv. Meine Aufgabe ist es, das weltweite Business nach vorne zu bringen und innerhalb Europas zu expandieren, aber auch global neue Märkte zu erschließen. Wir gehen davon aus, dass wir uns bis Frühjahr/Sommer 2023 in 20 neuen Märkten etabliert haben werden. In Europa wollen wir nach Frankreich, Spanien, Italien und in das Vereinigte Königreich, darüber hinaus nach Japan, Australien, Südkorea, auch in den Nahen Osten expandieren. Der wichtigste neue Markt ist aber Nordamerika. Überall wo wir starten, streben wir eine Premiumposition an. In Nordamerika haben wir zum Beispiel eine Auswahl von 30 hochwertigen Händlern getroffen, bei denen wir vertreten sein werden.

Haben Sie eine Zielsetzung, wie groß der Anteil im DACH-Markt und im internationalen Markt irgendwann aussehen soll?

Michael Schmitz: Der deutschsprachige Markt wird als Heimatmarkt immer am wichtigsten bleiben. Ich denke, dass der Heimatmarkt einen Anteil von 30 bis 40% haben wird und sich der Rest auf die internationalen Märkte verteilt.

Herr Schmitz, Sie sind sehr erfahren darin, Unternehmen weiterzuentwickeln. Welche Werkzeuge haben Sie in Ihrem Werkzeugkasten, die Ekn Footwear in diesem Moment braucht?

Michael Schmitz: Es gibt da keine konkreten Werkzeuge, mit denen man jede Marke zum Erfolg führen kann. Am Ende ist man von hervorragenden Produkten und einer glaubwürdigen Marke abhängig, beides ist bei Ekn Footwear gegeben. Wenn das Produkt nicht stimmt, nützt einem auch die Vertriebserfahrung nichts. Meine Aufgabe als Vertriebler ist es, gezielt Partner in den einzelnen Ländern zu finden und anzusprechen. Wir wollen uns nicht mit der Gießkanne in Märkten etablieren, sondern wollen in jedem Land eine ähnliche Positionierung haben, um eine globale Community anzusprechen.

Noel Klein-Reesink: Unsere Vertriebsstrategie verläuft Top-Down. Wir sprechen erstmal die Green Concept Stores an. Solche Läden gibt es in der Masse aber auch nur im deutschsprachigen Raum. Zu den Nachhaltigkeitsläden haben wir eine langjährige, teilweise freundschaftliche Beziehung. Der nächste Schritt ist der hochwertige Sneakermarkt. In dem Bereich reden wir international mit den Top-Adressen. Wir reden auch mit Mode-Fachhändlern und Mode-Spezialisten, deren Kundinnen und Kunden Wert auf anspruchsvolle Designs und hochwertiges sowie nachhaltiges Material legen. Diese Läden versuchen wir in den Ländern zu identifizieren und anzusprechen. Da helfen uns die guten Kontakte sehr, die Michael Schmitz mitbringt. Wir suchen Leute, die verstehen, was wir tun, und wissen, wie man das wiederum den Kunden erklärt. Das ist umso wichtiger bei unserem höheren Preispunkt. Es bringt nichts, unsere Ware in jeden Online-Shop reinzudrücken.

Sie sprechen also direkt und gezielt einzelne Händler an, um in einen neuen Markt einzusteigen?

Noel Klein-Reesink: Genau, das läuft sehr stark über eine persönliche Ebene. Wenn wir merken, dass man menschlich nicht auf einer Wellenlänge ist, arbeiten wir auch nicht zusammen. Als Ziel setzen wir uns, 90% der Top-Stores in einem Land anzugehen, um uns in einem Land zu etablieren.

Wie unterscheidet sich der Vertrieb in den unterschiedlichen Ländern? Was muss man beachten, um sich in einem neuen Markt zu platzieren?

Michael Schmitz: Heutzutage sind die Unterschiede nicht mehr so groß wie früher, wo die Märkte in den Ländern unterschiedlich funktioniert haben und dementsprechend eine andere Herangehensweise gefragt war. Mittlerweile steht der Konsument mehr im Mittelpunkt, und der hat immer ähnliche Interessen. Die Konsumenten – gerade in unserer Zielgruppe – sind sehr informiert und können durch Transparenz und Klarheit überzeugt werden. Eine Marke wie Ekn Footwear, die für Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung, aber auch progressives Design steht, funktioniert im Premiumbereich überall auf der Welt.

   

Gibt es Länder, in denen die Sensibilität für das Thema Nachhaltigkeit höher ist als in anderen?

Noel Klein-Reesink: Nachhaltigkeit ist ein sogenannter Megatrend. Die definieren sich dadurch, dass sie mindestens 30 Jahre relevant sind – und im Schuh-Business stehen wir bei diesem Trend erst am Anfang. Da gibt es natürlich globale Unterschiede, wie schnell sich die Menschen in den einzelnen Ländern mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Das hat auch mit dem Geld zu tun, das eine Person zur Verfügung hat. In Europa hat sich das Thema zunächst im Westen und in Skandinavien ausgebreitet und wurde dann etwas zeitverzögert auch in Südeuropa wichtiger. Nordamerika ist, was die Sensibilität angeht, vielleicht ein Stück hinter Mitteleuropa. Aber auch in der Dubai Mall – der größten Mall der Welt – wurde jetzt der erste Sustainable Shop mit einem Riesenerfolg gelauncht. Es wird oft unterschätzt, dass auch in anderen Weltregionen die Hausaufgaben gemacht werden und man sich zu dem Thema positioniert.

Haben Sie schon eine Vision, wie Ekn Footwear in ein paar Jahren aussehen soll?

Noel Klein-Reesink: Wir wollen uns in allen Facetten weiterentwickeln. Wir haben eine relativ breite Produktpalette von der Sandale über Sneaker bis zum Boot. So sind wir nicht so sehr von Hypes abhängig. Unser Anspruch ist es, mit den nachhaltigsten Materialien, die wir bekommen können, zeitgemäße Designs zu kreieren. So schaffen wir es, uns immer mit dem Zeitgeist weiter zu entwickeln, ohne unsere eigene Handschrift zu verlieren. Die letzten Jahre haben wir die Marke aufgebaut. Jetzt gilt es, die Idee in die Welt zu tragen.

Soll der Schuh das Kernprodukt der Marke bleiben oder wollen Sie sich mehr für Kleidung, Accessoires oder andere Produktgruppen öffnen?

Noel Klein-Reesink: Wir bieten immer mal wieder auch andere Produkte an: Gürtel, Schlüsselanhänger, zurzeit sind wir mit T-Shirts sehr erfolgreich. Aber unser Thema sind Schuhe. Wir bleiben bei unseren Leisten und wir wollen die Marke vor allem in diesem Segment weiterentwickeln.

Wie nehmen Sie die Stimmung im Handel wahr bei Unsicherheiten mit Lieferketten und dem Krieg in der Ukraine? Sind die Händler zurückhaltender oder wagen sie die Flucht nach vorne und sind gerade jetzt auf der Suche nach neuen Marken?

Noel Klein-Reesink: Wir persönlich sind glücklicherweise relativ unabhängig von internationalen Lieferketten und steigenden Logistikpreisen, weil wir zu 90% in Portugal produzieren. Wie sich der Krieg in der Ukraine auswirkt, lässt sich natürlich noch nicht abschätzen, aber wir sind weniger stark betroffen als Marken, die in Asien herstellen. Was die Offenheit der Händler angeht, ist unser Vorteil, dass sich viele große Marken aus dem Wholesale zurückziehen. Vor allem dadurch haben viele Geschäfte ein Interesse daran, mit neuen Marken zusammenzuarbeiten, um die entstehenden Lücken im Portfolio langfristig mit verlässlichen Partnern zu schließen. Die aktuelle Entwicklung bietet für uns eine gute Chance. An langfristiger Zusammenarbeit haben wir schließlich selbst Interesse und wollen nicht nach einer Saison wieder abziehen.

 

Haben Sie denn vor, weitere Monobrandstores neben Ihrem Store in Frankfurt zu eröffnen?

Noel Klein-Reesink: Das ist auf jeden Fall Thema und schließt die Zusammenarbeit mit den Händlern nicht aus.

Michael Schmitz: In einigen Ländern muss man auf Monobrand-Stores setzen, weil es da die Kultur der Multibrand-Stores nicht so gibt. Wir haben also keine Scheu davor und gehen diesen Schritt, wo es relevant ist. In Asien gibt es zum Beispiel keine gelebte und gewachsene Retail-Struktur im Lifestyle-Handel.

Verändert die angespannte Lieferkettensituation trotz der Produktion in Portugal in gewissen Bereichen Ihre Arbeit?

Noel Klein-Reesink: Wir beschäftigen uns auf jeden Fall damit, dass wir mit der Expansion auch regional produzieren. Wenn wir weiter nur in Portugal produzieren, aber in Japan verkaufen wollen, würden uns die globalen Lieferketten natürlich auch wieder betreffen. Und das wäre auch nicht im Sinne der Nachhaltigkeit. Das werden wir am Anfang sicherlich so machen müssen, aber es ist unser Ziel, nah an den regionalen Märkten zu produzieren. Dafür müssen wir überall Produzenten finden, die unseren ökologischen und sozialen Standards entsprechen. Für den asiatischen Raum haben wir zum Beispiel eine Fairtradeund GOTS-zertifizierte Produktionsstätte in Pakistan, mit der wir bereits den Sneaker Keir produzieren. Auch in Südamerika werden wir sicher eine Produktionsstätte für die amerikanischen Märkte aufbauen.

Welche Rolle spielen Messen dabei, wenn ihr den Kontakt in neuen Märkten sucht?

Noel Klein-Reesink: Ich glaube, dass Messen zukünftig weiter an Relevanz verlieren werden. Sie bleiben weiter eine wichtige Plattform, um sich zu treffen und sich auszutauschen. Aber zum Geschäfte machen gibt es andere Möglichkeiten. Es kann schon mal passen, eine Messe in einem neuen Land zu besuchen, um Beziehungen zu knüpfen. Aber wenn wir jemanden direkt kontaktieren können, muss man sich nicht stattdessen auf einer Messe treffen.

Michael Schmitz: In unserem Fokus stehen eher Messen wie die Neonyt, auf der es spannend ist, sich auszutauschen. Also wir gehen auf jeden Fall gerne auf Messen und treffen uns mit Partnern. Aber es ist nicht zwingend notwendig, um den Vertrieb aufrechtzuerhalten. 

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Christopher Mastalerz / 03.05.2022 - 12:35 Uhr

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