Händler und Industrie über Komfortschuhe

Komfort kommt an

Immer mehr Kundinnen und Kunden legen Wert auf Komfortausstattung im Schuh, ohne Abstriche bei der Mode machen zu wollen. (Foto: Caprice)
Immer mehr Kundinnen und Kunden legen Wert auf Komfortausstattung im Schuh, ohne Abstriche bei der Mode machen zu wollen. (Foto: Caprice)

Handel und Industrie bemerken eine verstärkte Nachfrage nach Komfort. Dabei steigen die modischen Ansprüche an die Produkte.

Nicht erst seit der Corona-Pandemie sind bequeme Schuhe auch beliebte Fashion-Pieces. „Nach meiner Ansicht liegen Komfort und Bequem total im Trend. Was Birkenstock da los- getreten hat, ist beachtlich und freut jeden Bequemschuh-Händler. Früher als Heilandsandale verschrien, heute en Vogue“, beschreibt Komfortschuhhändler Lukas Kindlimann vom Zürcher Geschäft Schulthess Schuhe, wie sich die Wahrnehmung auf das Thema Komfortschuhe mittlerweile verändert hat. Statt als notwendiges Übel bei Fußproblemen angesehen zu werden, gibt es mittlerweile eine wachsende Gruppe an Kundinnen und Kunden, die einen gesteigerten Wert auf Komfortschuhe legen oder sie als Fashion-Statements tragen.

 

Ansprüche an Funktion und Mode

Mittlerweile werden Bequemschuhe deswegen nicht mehr nur im Orthopädiefachhandel verkauft, sondern genauso im Vollsortimenter nachgefragt, wie Mario Leifer von Leifer Schuhmode in Gotha berichtet: „Die Bedeutung des Segments Wellness nimmt auf jeden Fall zu. Das spüren wir, wenngleich wir unser Sortiment auf konsumige Mode ausgerichtet haben.“ Auch das Markenbewusstsein steigt im Bereich der Wellnessschuhe, wie Leifer beobachtet: „Besonders beliebte Marken sind bei uns Waldläufer, Remonte und Josef Seibel. Damit spielt sich das meiste in Preislagen zwischen 79,95 und 120 Euro ab.“ Bei Schulthess Schuhe in Zürich sind Birkenstock und On die gefragtesten Marken.

Auch die Industrie merkt, dass die Kundinnen und Kunden anspruchsvoller geworden sind, sowohl was die Mode angeht als auch die Ausstattung, stellt unter anderem Finn Comfort fest. „Wir tragen dem Thema weiter Rechnung und widmen uns ihm weiterhin intensiv. Dabei werden Anregungen aus dem Markt sowie Inspirationen der aktuellen Laufsteg-Kollektionen umgesetzt“, so Ralf Riek, Verkaufsleiter von Finn Comfort. Ein erhöhter Modegrad und die wachsende Verbreitung des Themas dürfe dabei nicht zu einem falschen Verständnis von gesundem Schuhwerk führen: „Denn zu oft wird weich und soft mit orthopädisch in einem falschen Zusammenhang betrachtet.“

Wellness in allen Schuhtypen

Und die Schuhtypen im Komfortschuhsegment verändern sich: Vor allem Sneaker mit Komforttechnologie sind begehrt. Mit dem Athleisure-Trend wird oft nach Schuhen gefragt, die sowohl mit Komfortaspekten als auch mit sportiven Komponenten ausgestattet sind, so Christian Hinkel, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Deichmann: „Im Zuge der allgemeinen „Casualisierung“ der Mode verzeichnen wir insgesamt auch eine gestiegene Nachfrage nach bequemen Modellen. Neben dem Komfort spielt vor allem bei den Damen seit einigen Jahren ein aktuelles, sportives Design eine wichtige Rolle. Es muss nicht mehr immer Leder sein. Aktuell ist die Nachfrage nach eleganteren Modellen wieder gestiegen, was wir auf die entspanntere Corona-Situation zurückführen. Der Fokus liegt aber klar auf den sportiven Modellen.“ Mario Leifer beobachtet ähnliches: „Auffällig ist, dass die Sneaker in diesem Bereich deutlich jüngere Silhouetten erhalten haben. Die Schäfte müssen mittlerweile auch nicht mehr komplett aus Leder sein. Auch Materialkombis mit Stretch- und/ oder Textileinsätzen werden mittlerweile in höheren Preislagen vom Endverbraucher akzeptiert.“

 

Preise und Trends

Höhere Preislagen: Die werden bei Bequemschuhen trotz der wachsenden Verbreitung nach wie vor in den meisten Fällen mitgegangen. Wenn die Komfortausstattung im Schuh stimmt und der Schuh wirklich perfekt passt, wird nicht so sehr auf den Preis geachtet. „In diesem Segment ist die Preissensibilität eher geringer als anderswo. Interessant ist, dass wegen manchen teuerungsbedingten Preiserhöhungen dieses Segment von den Endkunden angenommen wird“, gilt für Kindlimann unverändert, der modisch vor allem einen unerschütterlichen Trend sieht: „Bei den Sneakern gibt es nur eine Farbe: Weiß! Ansonsten gehen nach wie vor Naturtöne und Beigetöne, die ins Graue gehen. Bei den Materialien liefen die Velours-Varianten sehr gut, war doch dieses Material bis anhin eher im Herbst/Winter gefragt – wegen der wärmeren Optik.“

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Christopher Mastalerz / 04.08.2022 - 09:07 Uhr

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schuhkurier-Redakteurin Laura Klesper

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Kommentar von Laura Klesper

„Zu oft wird weich und soft mit orthopädisch in einem falschen Zusammenhang betrachtet“, sagt Ralf Riek, Verkaufsleiter von Finn Comfort. Damit beschreibt er ein Phänomen, welches für die Branche zum Problem werden könnte.