Diskussion über die Preisangabenverordnung

„Komplex und wenig durchdacht“

Die Preisangabenverordnung hat Auswirkungen auch auf Rabattaktionen. (Foto: Redaktion)
Die Preisangabenverordnung hat Auswirkungen auch auf Rabattaktionen. (Foto: Redaktion)

Mehr Transparenz für den Verbraucher soll die neue Preisangabenverordnung bringen. Dem Handel bringt sie aktuell vor allem eines: viele Fragen.

Die Novelle der Preisangabenverordnung, in Kraft seit dem 28. Mai, bringt eine Reihe von Neuerungen für den Handel mit sich. Schon seit 1985 gibt es die Preisangabenverordnung, um für Verbraucher Preisklarheit zu schaffen. Im Zuge einer EU-Richtlinie musste die deutsche Verordnung jetzt überarbeitet werden. Sie umfasst nun neben Neuerungen für Mengeneinheiten unter anderem eine Preisangabenpflicht bei Preisermäßigungen für Waren. Konkret: Bei jeder Bekanntgabe einer Preisermäßigung für eine Ware muss der niedrigste Gesamtpreis angegeben werden, der innerhalb der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung angewendet wurde. Das gilt sowohl für den Onlinehandel als auch stationär – wobei verschiedene Filialen auch als eigene Vertriebskanäle gelten können. Ziel der Verordnung ist es, dass Verbraucher Preisveränderungen besser einordnen können.
Der Handelsverband Deutschland kritisiert die Novelle vor allem hinsichtlich „erheblicher praktischer Herausforderungen und rechtlicher Unsicherheiten.“ Auch in der Schuhbranche bemängeln Experten die Neuregelungen: „Das Thema ist in den zurückliegenden Wochen vielfach unter dem Radar geblieben. Dabei betrifft es viele Konzepte, die mit Preisgegenüberstellungen arbeiten. Im schlimmsten Fall müssen tausende Artikel umetikettiert werden – und Etiketten sind derzeit Mangelware. Die Preisangabenverordnung ist sehr komplex und wenig durchdacht. Vor allem ist aus meiner Sicht die Übergangszeit viel zu kurz“, sagt SABU-Geschäftsführer Stephan Krug. Die Verbundgruppe habe sich dem Thema sehr intensiv gewidmet und Informationsveranstaltungen angeboten, so Krug.

 

„Enorme Aufgabe“

Auch die ANWR hat das Thema im Vorfeld aufbereitet: „Die Gesellschaften der Gruppe haben frühzeitig und umfassend in Newslettern und den Händlerportalen über die anstehende Preisangabenverordnung informiert und auch die Teilnahme an Seminaren, z.B. von ServiCon, angeboten. Darüber hinaus hilft die Rechtsabteilung der ANWR Group Händlerinnen und Händlern bei speziellen Anliegen weiter“, heißt es aus Mainhausen auf schuhkurier-Anfrage.
Die ANWR weist darauf hin, dass die neue Verordnung auch für Aussagen wie „20% auf alle Schuhe“ gelte, wenn mit Preisgegenüberstellungen gearbeitet wird, also bei den Artikeln jeweils der höhere oder der niedrigere Preis angegeben wird. „Auf Plakaten, Bannern oder ähnlichen Werbemitteln ist die Angabe eines Referenzpreises zwar nicht erforderlich, da zunächst keine Einzelpreise genannt werden. Allerdings müssen im Laden alle Produkte korrekt gekennzeichnet sein: Es muss darauf geachtet werden, dass es sich beim durchgestrichenen bzw. alten Preis um den günstigsten Betrag handelt, der für das beworbene Produkt in den letzten 30 Tagen verlangt wurde.“
Das stellt aus Sicht des HDE viele Händler vor Probleme: „Bei vielen Tausend Artikeln in den Märkten und Online-Shops ist es eine enorme Aufgabe, die Preise der letzten 30 Tage zu archivieren und in der Angebotskommunikation zu berücksichtigen“, so HDE- Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Stephan Krug erwartet zudem negative Folgen für Händler: „Gerade im Offprice-Bereich wird es, so fürchte ich, zu Abmahnungen kommen.“

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Petra Steinke / 08.06.2022 - 13:31 Uhr

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