Händlerinnen und Händler über ihre Ladenbau-Wünsche

Kreativität³

Stellen Sie sich vor, Sie haben drei Wünsche frei für einen Umbau nach Herzenslust, was würden Sie tun? schuhkurier hat den Handel gefragt und jede Menge Ideen und Inspirationen zur Antwort bekommen

Cornelius Schnabel, Schuhhaus Schnabel, Lüneburg

Da mein Geschäft zuletzt vor elf Jahren renoviert wurde, stehen nun tatsächlich einige Maßnahmen auf der Agenda: Als Erstes möchte ich die Beleuchtung energieeffizienter gestalten. Dann würde ich gern die Schaufensterfläche reduzieren, um dadurch zu unseren 200 qm noch 30 qm hinzu zu gewinnen. Den zusätzlichen Raum möchte ich als Ruhefläche nutzen, sowohl im Sinne einer optischen Beruhigung, als auch im Wortsinn: um mit Sitzgelegenheiten einen Ruhepol für unsere Kundinnen und Kunden zu schaffen. Mein dritter Wunsch: Ich würde sehr gern noch mehr natürliche Materialien einsetzen. Wir haben soeben einen Schöffel-Lowa Store eröffnet, bei dem wir im vorderen Teil einen PVC-Designboden eingesetzt haben. Das haben wir sehr bewusst getan, weil die Beanspruchung im Eingangsbereich natürlich sehr groß ist. Im hinteren Teil des Geschäfts jedoch haben wir Eichenholzdielen verlegt – und ich kann nur sagen: So ein echter Holzboden ist einfach etwas Wunderschönes!

Friedrich Werdich, Schuhhaus Werdich mit 37 Filialen in Bayern und Baden-Württemberg

Wir haben tatsächlich einen richtigen Herzenswunsch für die Gestaltung unserer Geschäfte: Wir hätten gern überall eine ebene, gut einsehbare Fläche mit direkter Anbindung ans Lager. Außerdem wünschen wir uns grundsätzlich einen quadratischen Grundriss und Tageslicht. Leider lässt sich all das auch durch einen Umbau nicht realisieren, denn unsere Geschäfte befinden sich in 1A-Lagen und daher oft auch in historischer Bausubstanz mit verwinkelten Grundrissen und niedrigen Decken. Wollten wir daran etwas ändern, müssten wir umziehen. Da manche Kollegen ihre Geschäfte leider aufgeben, kommt momentan ja etwas Bewegung in den Gewerbeimmobilienmarkt. Wir halten also unsere Augen offen, denn hier und da werden Flächen frei und auch günstiger. Wenn an einem unserer Standorte ein Mietvertrag ausläuft und sich die Option auf eine gute Fläche bietet, nutzen wir die Chance!

Michael Ratter, Schuhhaus Ratter, Ulm

Ich bin davon überzeugt, dass stationärer Handel perspektivisch nur dann eine Chance hat, wenn er wirklich spannend ist. Daher muss man einen interessanten Mix bieten, der auch Gastronomie beinhaltet, sofern der Platz vorhanden ist. Folglich würde ich als Erstes gern unseren kleinen Gastro-Spot anders platzieren und ausbauen. Ich stelle mir eine kleine Bar oder ein Café-Bistro vor, mit ein paar Sitzgelegenheiten und kompetenter Bewirtschaftung. Dort könnten auch Passanten morgens ihren Kaffee und ein Croissant genießen. Da wir uns in einer attraktiven Zone Ulms befinden, bin ich sicher, dass das eine gute Sache wäre: Wenn so etwas bei uns nicht funktioniert, dann nirgendwo in einem Geschäft! Zweitens: Ich glaube für unseren Geschäftstyp nicht mehr an den traditionellen Ladenbau aus einem Guss. Meine Vision ist eine Mischung aus Alt und Neu. Genau das habe ich für unsere Verkaufsfläche im Sinn: Ich möchte einen Teil der herkömmlichen Möblierung durch Unikate ersetzen und recherchiere bereits, um entsprechende Stücke ausfindig zu machen. Mein dritter Wunsch betrifft das Thema Energie. Denn nachdem wir die Beleuchtung bereits vollständig auf LED umgestellt haben, sind nun Lüftung und Klima dran. Wunsch zwei und drei werden in den nächsten drei Monaten realisiert. Nur das Thema Gastro haben wir noch zurückgestellt, denn das dürfte eine größere Investition werden.

Thomas Hüser, Schuh Hölscher, Emsdetten

Als Erstes wünsche ich mir Handwerker, die Zeit und Lust haben! Unser zwölf Jahre alter Neubau gefällt mir zwar immer noch so gut, dass ich mich jeden Morgen freue, wenn ich das Licht anschalte. Dennoch müssen wir einen Bereich in unserer Kinderschuhabteilung neu gestalteten. Früher stand dort ein Spielgerüst, doch der Trubel, den es verursacht hat, ist mit der Pandemie nicht vereinbar. Einen Handwerker zu finden, der unsere Idee für diese Fläche zeitnah umsetzt, war ein echter Kraftakt. Mein zweiter Wunsch: Ich würde gern einen Raum für Begegnungen und ein Kulturerlebnis schaffen. Dafür müsste ich unsere Fläche mindestens verdoppeln. Noch lieber würde ich drei Häuser bauen: je eines für Damen-, Herren- und Kinderschuhe. Sie müssten durch einen Vorplatz verbunden sein, auf dem sich ein Café und Raum für Konzerte, Begegnungen und Theater befindet. Ich bin der Meinung, dass solche Angebote auch im Schuhhandel wichtig sind, denn die Mischung macht’s! Als Letztes wünsche ich mir eine optimale Verkehrsanbindung für unsere Kunden. Wir haben zwar 15 Parkplätze und eine Bushaltestelle vor der Tür, doch ich wäre mit unserem Geschäft gern Bestandteil eines zeitgemäßen Verkehrskonzepts, das Lastenräder, E-Bikes und Car-Sharing mit einbezieht. Bei so etwas würde ich wirklich gern mitmischen, an Ideen soll es nicht scheitern!

Anneke Heinrich, Schuh Heinrich mit sieben Filialen in Kiel und Flensburg

Spontan würde ich fast sagen, ich bin wunschlos glücklich, denn wir haben sieben wunderschöne Läden. Damit das auch so bleibt, nehmen wir fast jedes Jahr irgendwo ein Facelift vor. Gerade haben wir zum Beispiel den Umbau einer Kinderabteilung abgeschlossen, aus der wir einen kleinen Dschungel gemacht haben. In Zukunft steht aber auch die umfassende Renovierung unseres 700 qm großen Geschäfts in Flensburg an, denn tatsächlich habe ich doch einen Wunsch: Ich möchte die Aufenthaltsqualität für unsere Kundschaft dort noch weiter erhöhen. Daher muss alles erneuert werden, vom Boden über die Wände bis zur Decke; außerdem müssen coole Sitzmöbel her! Die größte Herausforderung wird dabei sein, ein überzeugendes Thema für die Gestaltung zu finden. Bisher haben wir in dieser Filiale ein maritimes Leitmotiv. Doch auch wenn wir uns direkt an der Ostseeküste befinden, muss es dabei nicht bleiben. Sobald das Leitmotiv steht, ergibt sich alles Weitere fast wie von selbst.

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Annette Gilles / 21.04.2022 - 09:25 Uhr

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