„Zutiefst schockiert und bestürzt“

Krieg in der Ukraine – das sagen Schuhhersteller

Caprice-Geschäftsführer Jürgen Cölsch (Foto: Gilles Pecqueur)
Caprice-Geschäftsführer Jürgen Cölsch (Foto: Gilles Pecqueur)

Das Entsetzen über die Gewalteskalation in der Ukraine ist groß, auch in der Schuhbranche. Zahlreiche Schuhhersteller unterhalten Geschäftsbeziehungen nach Russland und in die Ukraine. schuhkurier sprach mit Unternehmern.

Wie kann die kriegerische Auseinandersetzung in Europa gestoppt werden? Welche Folgen haben die gegen Russland verhängten Sanktionen? Die Unternehmen der deutschen Schuhindustrie sind durch die Situation unterschiedlich betroffen.

Nach Informationen des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) liegt Russland im Ranking der Exportländer für die deutschen Unternehmen der Branche auf Rang 21 (2020). Im vergangenen Jahr wurden 1,8 Mio. Paar Schuhe nach Russland exportiert. Die Ukraine liegt als Ziel von Exporten auf Rang 40. Im vergangenen Jahr wurden 300.000 Paar Schuhe in die Ukraine geliefert.
Umgekehrt ist die Ukraine auch Standort der Schuhproduktion. 2021 wurden fast 1 Mio. Paar Schuhe aus der Ukraine nach Deutschland importiert. 

Das Pirmasenser Unternehmen Caprice unterhält Tochterunternehmen in Russland und in der Ukraine und ist daher sehr involviert. „Unseren ukrainischen Beschäftigten haben wir angeboten, dass sie mit ihren Familien nach Pirmasens kommen – sie haben bislang abgelehnt, weil sie ihr Land verteidigen wollen. Unser Angebot steht weiter. Wir stehen in ständigem Kontakt in die Ukraine und auch zu unseren Beschäftigten und Kunden in Russland“, erklärt Caprice-Geschäftsführer Jürgen Cölsch.
Russland ist für das Unternehmen der zweitwichtigste Markt. „Wir sind daher im Krisenmodus“, so Cölsch. „Für uns ist es wichtig, dass wir unseren Partnern in dem Land nicht die Geschäftsgrundlage entziehen, indem wir unsere Lieferungen einstellen. Wir wollen unsere Partner weiter unterstützen, auch wenn das für uns ein Verlustgeschäft bedeutet. Derzeit sind die Transportwege über Belarus und die baltischen Staaten noch offen. Die Läden in Russland sind geöffnet; es gab zwischenzeitlich Probleme bei der Nutzung von Geldautomaten. Diese sind aber behoben. Wir haben unser Business in Russland über fünfzehn Jahre aufgebaut und hoffen, dass sich die Situation möglichst schnell entspannt.“

 

„Zutiefst schockiert und bestürzt über diesen Angriffskrieg und das damit verbundene Leid der Menschen in der Ukraine“ zeigt sich Dr. Gerhard Bachmaier, Geschäftsführer der Högl Shoe Fashion GmbH aus dem österreichischen Taufkirchen. „Zudem werden auch die Menschen in Russland in eine Isolation gedrängt, die Kaufkraft wird sinken und die Armut weiter wachsen – anstelle einer großartigen Möglichkeit, die Menschen zu vereinen und gemeinsam in Europa und Russland zu wachsen – so wie wir dies auch in den osteuropäischen Märkten erleben durften. Der seit der Besetzung der Krim stagnierende und rückläufige Handel in Russland wird weiter verlieren“, so Bachmaier.

 

Der Rosenheimer Schuhhersteller Gabor verkauft Schuhe nach Russland und in die Ukraine; speziell der russische Markt hat aus Sicht des Unternehmens jedoch im Zuge der Finanzkrise erheblich an Bedeutung abgenommen; man betreibe dort kein nennenswertes Geschäft. Zwar habe man zuletzt wieder einen gewissen Aufwind wahrgenommen; dies werde aber wahrscheinlich durch den Krieg zunichte gemacht, so das Unternehmen gegenüber schuhkurier. Mit Sorge blickt man in Rosenheim auf die weiteren Folgen des Krieges, den Verfall der Währung, Inflation und steigende Rohstoffpreise. 

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Petra Steinke / 02.03.2022 - 20:40 Uhr

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