Berliner Prachtmeile

Ku’damm kommt robust durch die Krise

Kaufhaus des Westens – Das KaDeWe auf dem Kurfürstendamm ist eine der beliebtesten Attraktionen für Touristen (Foto: Pedro Becerra)
Kaufhaus des Westens – Das KaDeWe auf dem Kurfürstendamm ist eine der beliebtesten Attraktionen für Touristen (Foto: Pedro Becerra)

Leerstände und Frequenzrückgänge haben auch dem Kurfürstendamm zu schaffen gemacht. Trotzdem hat sich die Berliner Prachtmeile in der Krise wacker geschlagen. Jetzt kehren die Touristen zurück.

Liebevoll wird sie auch Champs-Elysee von Berlin genannt: Die 3,5 km lange Einkaufs- und Flaniermeile führt vom Rathenauplatz am westlichen Ende bis zum Breitscheidplatz, wo sie in die Tauentzienstraße übergeht. Der Touristenführer Visit Berlin informiert: „Als Geburtstag des Boulevards gilt der 5. Mai 1886. In den 20er Jahren ist der Kurfürstendamm das Zentrum des Neuen Westens, hier treffen sich Dichter, Journalisten und Intellektuelle. Zu Mauerzeiten ist der Ku’damm das Herz des alten West-Berlins, in dessen Vitrinen die neusten Moden ausliegen. Den Kurfürstendamm als Sehnsuchtsort besang schon Hildegard Knef in ihrem Berlin-Lied: Ich habe so Heimweh nach dem Kurfürstendamm.“

Der Ku’damm erlebt glanzvolle und romantische Zeiten und es gab immer wieder Krisen. „Berlin ist robust durch die Pandemie gekommen“, erklärt Ronald Steinhagen, Geschäftsführer Vermietung Einzelhandelsimmobilien, Comfort Berlin. Ku’damm und Tauentzien sind für den Spezialisten für Einzelhandelsimmobilien die unangefochtene Nummer 1 unter den Berliner Lagen. Die Frequenz sei allgemein rückgängig, aber im Vergleich mit den internationalen Metropolen wie London, Barcelona und Madrid schneide Berlin gut ab. Berlin gelte im internationalen Ranking als cool und sei die einzige echte deutsche Großstadt. Trotz der positiven Einschätzung des Einzelhandelsspezialisten waren die vergangenen zwei Jahre nicht einfach.

 

Fassade bröckelt

Die glanzvolle Fassade der Prachtmeile ist in der Krise gebröckelt. Es gab Geschäftsaufgaben und internationale Ketten haben sich vom Markt zurückgezogen. Frequenzrückgänge von 30% bis 40% und viele leerstehende Ladenlokale sind hier Normalität. „Kontaktbeschränkungen und Lockdown haben zu massiven Umsatzeinbrüchen im Handel geführt“, beschreibt Romy Schubert, Sprecherin BID Ku’damm-Tauentzien GmbH, die Lage. Der Flagshipstore des polnischen Schuhfilialisten CCC mit 1.800 qm ist Ende 2019 sang- und klanglos vom Ku’damm verschwunden. Für das Schuhhaus Leiser endet im Juli 2022 eine Ära auf der Tauentzienstraße. Inhaber Steffen Liebich erklärt die Hintergründe: „Der Standort war wie viele andere massiv belastet durch die Folgen der Corona-Pandemie, insbesondere durch den erheblichen Einbruch des Tourismus. Erschwerend hinzu kommt jetzt als Folge des Krieges in der Ukraine der nachhaltig ausbleibende Strom von Touristen aus Russland. Dieser wird sich massiv auf die Einzelhandelslandschaft am Kurfürstendamm und Tauentzien auswirken“, so Steffen Liebich gegenüber schuhkurier. Der Leiser-Standort wurde 1906 gegründet, als seinerzeit größtes Schuhgeschäft in Berlin.

 

Treue Stammkunden

Und es gibt positive Beispiele wie z.B. das Traditionshaus Budapester Schuhe, Kurfürstendamm 43, dass sehr viele Stammkunden bedient und mit ihnen aktiv in Kontakt steht. Inhaber Andreas Schläwicke: „Das Umfeld ist nicht einfacher geworden. Viele Kunden, vor allem aus Osteuropa, hat das zurückgehalten. Das schlägt sich auf die Frequenz und die Umsätze nieder.“ Die Verunsicherung sei generell groß, die Lage nicht einfach. „Auf dem Ku’damm stehen über 40 Läden leer“, meint Schläwicke. Trotz der Schwierigkeiten ist er zufrieden: „Die Touristen kehren zurück, Luxusprodukte gehen immer.“

 

Touristen zurück

Wechsel zur Bär GmbH, Filiale Kurfürstendamm 199. Mandy Hiller betreibt den Store als selbstständige Filialbetreiberin und hat wenig Zeit, denn das Telefon klingelt ständig. Sie bedient überwiegend Stammkunden. Mandy Hiller sagt, dass sich der Kurfürstendamm in den letzten Jahren schon sehr verändert habe. Viele Geschäfte hätten coronabedingt schließen müssen oder ihren Standort verlegt. In einige leerstehende Ladenlokale seien Pop-up-Stores eingezogen, die nach einigen Monaten wieder geschlossen hätten. Hiller: „Das hat die Kunden natürlich irritiert. Unsere Stammkunden haben uns durch ihre Treue gut durch die schwierige Zeit gebracht. Wofür ich sehr dankbar bin. Wir haben viele ältere Kundinnen, die nicht online die Schuhe bestellen können oder wollen, so dass diese auf uns angewiesen sind.“

Touristen werden mittlerweile wieder vermehrt in der Stadt gesichtet, überwiegend aus Deutschland und Skandinavien, bestätigen die Storebetreiber. Touristen aus Russland fehlen, genauso wie aus Asien und den USA. Visit Berlin hat in seiner Touristikstatistik folgende Zahlen veröffentlicht: Im Rekordjahr 2019 registrierte Berlin 14 Mio. Gäste mit 34 Mio. Übernachtungen. 2020 gab es einen Einbruch mit 5 Mio. Gästen und rund 12 Mio. Übernachtungen, erklärt Visit Berlin-Pressesprecher Christian Tänzler. 2021 wurde es etwas besser mit 5,1 Mio. Gästen und 14 Mio. Übernachtungen. Dieses Jahr gehe es wieder aufwärts und der Knoten sei geplatzt, so Tänzler. In den ersten beiden Monaten 2022 registrierte Berlin 730.000 Gäste mit 2 Mio. Übernachtungen. März und April seien ebenfalls gut gelaufen und das Niveau dürfte jetzt bei rund 30% internationalen Gästen liegen. 2019 waren es 45% internationale Gäste und während der Pandemie sanken die Zahlen auf unter 10%. Das pulsierende Leben kehrt allmählich zurück. Es finden wieder Messen und Kulturveranstaltungen statt, die Clubs sind geöffnet und die Menschen haben wieder Lust auf Reisen. Da stehe Berlin ganz vorne im Ranking. Es sei deutlich spürbar, dass die Kunden wieder vermehrt shoppen gehen.

Magnet KaDeWe

Nach Meinung von Timo Weber, General Manager KaDeWe Berlin, habe sich der Kurfürstendamm insgesamt positiv entwickelt mit vielen verschiedenen Läden und Boutiquen. Optisch werde sehr viel für den Boulevard getan, angefangen bei attraktiver Bepflanzung und einladenden Grünflächen bis hin zu Aktionen zur Belebung der Meile. Timo Weber: „Natürlich hat die Pandemie-Krise und jetzt der Krieg in der Ukraine zu Veränderungen geführt. Positiv ist aber, dass in dieser Zeit eine Reihe kleiner Cafés und interessanter neuer Stores eröffnet haben, der Mix ist jetzt bunter und nicht mehr allein auf Einzelhandelsgeschäfte für Mode und Schuhe konzentriert. Die Diversität macht den Ku’damm attraktiver, denn es ist ja nicht nur der Hauptboulevard, sondern genauso sind es die kleinen Nebenstraßen mit ihrem individuellen Angebot, die die Gegend interessant machen.“ Dem berühmten Kaufhaus hat in der Krise geholfen, dass die Stammkunden aus Berlin und dem Umland während der Pandemie gekommen waren. „Viele haben sich danach gesehnt, der Isolation entgegenzusteuern, und davon haben wir profitiert. Im KaDeWe haben sie eine Auszeit haben können, für Inspirationen

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Lisa Dartmann / 16.05.2022 - 13:01 Uhr

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