Steigende Kosten bremsen Ausgaben im Non-Food-Bereich

Kunden verzichten auf Konsum

Höhere Energiekosten und steigende Preise wirken sich laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC deutlich auf das Einkaufsverhalten der Deutschen aus. Der Non-Food-Bereich leidet am stärksten darunter.

Auch wenn die Preise für Konsumgüter wie Bekleidung, Schmuck und Elektrogeräte in den vergangenen Wochen und Monaten noch nicht so stark gestiegen sind wie die für Energie und Lebensmittel, ist die Kauflaune der Deutschen getrübt – das zeigt eine Analyse zu wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf die Non-Food-Branche der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland. Demnach beeinflussen geplante Ausgaben für Reisen und Gastronomie die Kauflaune im Non-Food-Bereich. Verstärkt werde nach günstigen Produkten gesucht oder ganz auf nicht notwendige Einkäufe verzichtet. 85% der Verbraucherinnen und Verbraucher sind laut der Studie besorgt oder sogar sehr besorgt über die aktuellen Steigerungen. 
„Viele Haushalte werden aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten auf Anschaffungen verzichten, die nicht unbedingt notwendig sind. Das betrifft insbesondere langlebige Konsumgüter, die nicht hauptsächlich dem Ersatz dienen, wie zum Beispiel Möbel oder bestimmte Elektronikartikel. Auch bei Bekleidung, Schmuck und Schuhen erwarten wir deutliche Zurückhaltung, eine Beschränkung auf das Notwendige und ein Umschwenken auf günstigere Produkte und Marken“, erklärt Christian Wulff, Consumer Markets Leader bei PwC. „In verschiedenen Non-Food-Segmenten kann der Umsatzrückgang 3% und mehr betragen, in Einzelfällen ist sogar mit bis zu 8% zu rechnen. Das wird zu einem höheren Kostendruck bei den Unternehmen und zu weiterer Marktkonsolidierung führen.”
Die Prognose der PwC-Experten fällt wenig optimistisch aus: Falls die Inflation und die Sorge von Verbrauchern über ihre finanzielle Zukunft weiter steigen, wird für 2022 im Bereich Bekleidung und Schuhe ein Umsatzrückgang von bis zu 2,8% erwartet. Nach einer Stabilisierung im vergangenen Jahr könnte der Einbruch bei Schmuck und Uhren in einem pessimistischen Szenario bis zu 5,1 % betragen.

Modesektor: Preissteigerungen kommen, Second-Hand wächst

Aufgrund langfristiger Verträge im Modebusiness sind Preissteigerungen hier derzeit noch moderat. Langfristig ist aber laut PwC mit einer Preissteigerung durch höhere Produktions- und Transportkosten zu rechnen. 63% der Befragten bemerken bereits einen Preisanstieg und passen sich daran an: 39% suchen im stationären Handel nach günstigen Produkten, 34% sind online unterwegs und nutzen zusätzliche Hilfsmittel wie Preisvergleichsportale. Beliebt sind zudem Sonderangebote und reduzierte Waren. Ein Fünftel der Befragten entscheidet sich dagegen bewusst für Qualität statt Quantität und akzeptiert dafür auch einen höheren Preis. Fashion-Artikel großer Marken sind weiterhin beliebt, werden wegen weiterer Einsparpotenziale aber zunehmend aus dem Second-Hand-Angebot erworben. 
Ebenfalls rückläufig sind die Einkäufe bei Uhren und Schmuck: Ein Drittel der Kundinnen und Kunden vertagt die Anschaffung. Das gleiche gilt für Möbel und Elektrogeräte sowie Sportartikel. Bei Produkten und Dienstleistungen aus der Kategorie Gesundheit und Beauty kaufen 29% der Befragten vermehrt Produkte im Angebot oder suchen online und vor Ort gezielt nach den günstigsten Preisen. 

Bewusster Konsum bleibt für viele wichtig

„Das wachsende Bewusstsein für den eigenen Konsum zeigt sich insbesondere in der jungen Zielgruppe: Trotz Teuerungen sind für die 18- bis 24-Jährigen Nachhaltigkeitsaspekte weiterhin Teil der Kaufentscheidung. Während aktuell noch 17% aller Befragten Second-Hand-Produkte im Bereich Bekleidung und Schuhe kaufen, könnte dieses Segment für jüngere Zielgruppen künftig eine größere Rolle spielen“, analysiert Willibald Kofler, Retail & Consumer Partner bei Strategy& Österreich.
Etwa jeder vierte Haushalt in Deutschland kann die gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht oder nur kaum stemmen und muss sie bei nicht-essentiellen Produkten wie Kleidung oder Elektronik einsparen. „Händlerinnen und Händle sollten sich daher auf geringere Verkaufszahlen einstellen und pro Segment strategisch planen, wie sie mit alternativen Angeboten hervorstechen können“, so Kofler.

 
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Petra Steinke / 11.05.2022 - 08:31 Uhr

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