EHI-Studie zu Inventurdifferenzen

Ladendiebstahl leicht rückläufig

Markenschuhe gehören zu den Produkten, die besonders häufig im Handel gestohlen werden. (Foto: Adidas/Ivy Park)
Markenschuhe gehören zu den Produkten, die besonders häufig im Handel gestohlen werden. (Foto: Adidas/Ivy Park)

Trotz Warensicherung und Personalschulungen wird im Handel aber nach wie auf hohem Niveau Ware entwendet. Markenschuhe sind begehrtes Diebesgut.

Zwar sind laut den Ergebnissen einer EHI-Studie die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Sie bleiben aber mit 4,1 Mrd. Euro weiterhin auf hohem Niveau. Diese Zahl ergibt sich aus einer branchengewichteten Hochrechnung für den gesamten deutschen Einzelhandel, bewertet zu Verkaufspreisen. Der Diebstahl im Handel ist gemäß der Studie ebenfalls leicht rückläufig, aber nicht in dem Ausmaß wie es die polizeiliche Kriminalstatistik suggeriert.  

Die Inventurdifferenzen setzen sich nach Expertenschätzungen zusammen aus Diebstahl durch die Kundschaft (2,1 Mrd. Euro), Diebstahl durch Mitarbeitende (810 Mio. Euro), Diebstahl durch Servicekräfte und Liefernde (320 Mio. Euro) sowie organisatorische Mängel (870 Mio. Euro). 
Laut polizeilicher Kriminalstatistiken wurden 2021 15,6% weniger Ladendiebstähle angezeigt. Dieser Wert spiegelt jedoch nicht die Entwicklung der Inventurdifferenzen wider. Die EHI-Studienergebnisse zeigen einen deutlich geringeren Rückgang. Zwar wurden im letzten Jahr noch 256.694 (2020: 304.005 Fälle) Ladendiebstähle angezeigt, aber rechnerisch blieben 19,8 Mio. Ladendiebstähle mit einem durchschnittlichen Warenwert von rund 106 Euro unentdeckt. „Das bedeutet, dass die polizeilich erfassten Ladendiebstähle nur die Spitze des Eisbergs darstellen und die Mehrheit aller Delikte nicht bei der Tatausführung erkannt und dementsprechend nicht angezeigt wird. Der drastische Rückgang der Ladendiebstahlsanzeigen ist nur mit den reduzierten Ausgaben für Detekteien zu erklären, denn sie bringen normalerweise die meisten Fälle zur Anzeige“, erklärt Frank Horst, EHI-Experte für Inventurdifferenzen und Autor der Studie.
Um seine Waren vor Diebstahl zu schützen, hält der Handel seine Präventionsausgaben von etwa 0,30% des Umsatzes auch in 2022 konstant. Demnach steckte der Handel 1,3 Mrd. Euro in Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen wie Artikelsicherung, Kameraüberwachung oder Detektiveinsätze. Insgesamt betragen die Kosten für Inventurdifferenzen und deren Vermeidung 5,4 Mrd. Euro, die der Handel in den Preisen einkalkulieren muss.
 

Kosmetik, Markenschuhe und Alkohol sind begehrt

Rund 40% aller Nennungen gestohlener Produkte entfallen auf folgende fünf Warengruppen: Kosmetik, Tabakwaren, hochwertige Markenbekleidung/Markenschuhe, Elektrogeräte/-artikel/-zubehör sowie alkoholische Getränke (Spirituosen, Wein, Sekt).
An der aktuellen Untersuchung „Inventurdifferenzen im deutschen Handel 2022“ beteiligten sich 77 Unternehmen bzw. Vertriebsschienen mit insgesamt 20.178 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von rund 95,4 Mrd. Euro erwirtschafteten. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 1.270 qm.

 
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Petra Steinke / 22.06.2022 - 09:26 Uhr

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