Aufatmen im Schuheinzelhandel

Lust auf Mode wächst

Bei frühlingshaften Temperaturen herrscht Aufbruchstimmung im Schuheinzelhandel. Frequenz und Stimmung haben sich verbessert. Modisch bleiben Sneaker die It-Pieces. Loafer sind ihnen auf der Spur und es wird wieder in High Heels gefeiert.

Frühlingsgefühle auf den Einkaufsmeilen. In einigen Städten war rund um Ostern die Hölle los und die Cafés waren bis auf den letzten Platz besetzt. Endlich waren wieder gut gelaunte Konsumenten mit Einkaufstüten unterwegs. Reduzierte Preise und Rabattaktionen boten einen zusätzlichen Anreiz. Düsseldorf wurde in diesen Tagen seinem Ruf als Modestadt gerecht. Rund um Königsallee und Kö-Bogen ein Schaulaufen der Eitelkeiten – von Breuninger, über Prange, Juppen bis hin zur Schadowstraße zu Görtz & Co. Lange nicht mehr waren so viele elegant gekleidete Frauen unterwegs, auffallend schick gekleidet im monochromen Look mit fließenden Hosen, Boxy Oberteilen, Designerhandtaschen und den neuesten Loafern mit Profilsohle an den Füßen. Es schien als hätten sie sich alle auf den großen Auftritt vorbereitet – endlich raus aus der Isolation und rein in den prallen Konsum. Vor allem waren junge Frauen unterwegs, auf der Suche nach dem perfekten Kleid und den sündhaft hohen Stilettos für den Abi-Ball. Im Straßenbild halten weiße Sneaker mit Profilsohlen ihre Dominanz, dazu auffallend viele weite Hosen. Entspannte Gesichter und ein Lächeln auf den Lippen. Die Menschen trauen sich wieder. So kann es weitergehen, hofft der Einzelhandel. Das Ostergeschäft lässt auf einen guten Sommer hoffen.

 

Das schöne Wetter motiviert

Das klingt fast wie ein Frühjahrsmärchen. Axel Augustin, Sprecher BTE Handelsverband Textil, Schuhe und Lederwaren, fasst das Stimmungsbild in den Städten zusammen: „Nach unserer Einschätzung ist die Woche vor Ostern im Modehandel recht gut gelaufen. Es zeigt sich, dass passendes Wetter die Kunden immer noch zu einem Einkaufsbummel motivieren kann.“ Trotzdem schätzt Augustin das Konsumumfeld durch Ukraine-Krieg, Corona und hohen Teuerungsraten als schwierig ein. Die Frequenzen würden in der Regel noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreichen. Die Umsatzentwicklungen schätzt er unterschiedlich ein. Positiver Aspekt: Gegenüber 2021 seien aber wohl fast alle deutlich im Plus. Insgesamt scheinen viele Kunden ausgabefreudiger zu sein, wodurch die Frequenzverluste zum Teil ausgeglichen werden könnten. Inwieweit der Wegfall der Maskenpflicht für die aktuell recht gute Lage verantwortlich ist, kann der BTE Handelsverband nicht abschätzen. Ähnlich wie der Handelsverband beurteilt Britta Goertz, Schuhhaus Meyer in Lübbecke, die Frequenz: „Bei uns sind die Geschäfte während der letzten zwei Wochen erfrischend gut gelaufen. Ostern passte es wunderbar und auch der verkaufsoffene Sonntag vor Ostern war hervorragend. Entscheidender Faktor ist und bleibt das Wetter.“ Generell freuen sich die Schuhhäuser über eine bessere Frequenz und so das Fazit vieler: „Kundinnen, die kamen, haben auch gut gekauft.“ Für Steffen Staedtler, Schuhhaus Salmann, Standorte in Brandenburg, Cottbus, Jüterbog und Luckenwalde, war das Ostergeschäft allerdings nicht der Brüller: „Vielfach war das Wetter trüb, das schlägt sich gleich auf die Umsätze nieder. Es fehlt das sommerliche Flair.“ Hinzu kam noch, dass die Frequenz am Standort Jüterbog momentan stark beeinträchtigt sei, da die Bundesstraße umgebaut werde. In Brandenburg merke man, dass der Tourismus anzieht. Die Leute wollen endlich wieder raus, so seine Feststellung.

 

Und was läuft modisch?

Es wurde eingekauft; der Nachholbedarf war da. Bei Anne Cornelius, Schuhhaus Cramer in Südbrookmerland, suchen die Kunden nach hellen Farben für den Alltag: „Dunkle Farben laufen in Moment weniger und nach festlichen Schuhen ist keine Nachfrage zu spüren.“ Zwar habe man einige gute Tage bei schönem Wetter verzeichnen können, insgesamt jedoch sei die Neigung der Kunden zum Kauf eines Zweitschuhs eher gering.

Die Kundinnen und Kunden von Gisela Bödeker, Schuhhaus Bödeker in Speyer, sind sportlich unterwegs: „On und Skechers laufen derzeit gut, in modischen Farben, aber auch klassisch in Blau, Weiß oder Schwarz. Für Damen außerdem Sneaker von Gabor Comfort und Paul Green. Die Mode bleibt lässig und sportiv.“ Und wie sieht es mit Galanterie aus? „Wir haben für diese F/S-Saison neue Pumps geordert, weil wir davon ausgegangen sind, dass die Nachfrage wieder steigen wird. Ein gewisses Interesse ist spürbar, ich rechne aber damit, dass dies noch mehr werden wird. Analog dazu die Herren-Anlassschuhe wie z.B. von Lloyd oder Bugatti.“ Bei Kirsten Graßmay, Stüben Fuß und Schuh, in Neumünster, haben die Kundinnen große Lust nach frühlingshaften Styles: „An den Tagen mit schönem Wetter wurden bei uns bereits die erste offene Ware verkauft. Sonst suchen die Menschen Sneaker in frühlingshaften Farben. Besonders gefragt ist bei uns aktuell die Marke Hartjes.“

Für die Kundinnen von Volker Stratmann, Schuhhaus Stratmann, Meschede, soll die Schuhmode bequem und tragbar sein, aber trotzdem stylisch. Weiterhin würden Sneaker verlangt – allerdings nicht mehr so ausschließlich wie noch im letzten Sommer. Bei den Farben waren Weiß und Pink tonangebend, gefolgt von Beigetönen. Sehr erfolgreich seien in den letzten Tagen Combatboots in Canvas mit Fakeschnürung in den Farben Schwarz und Sand gewesen. Gut verkauft sich bei ihm die Marke Vic Matié. „Wir spüren eine steigende Nachfrage nach Collegetypen, gerne im ’Gucci‘-Stil. Galanterie holt auf, die Anlassschuhe für den Abi-Ball werden allerdings eher bei Zara & Co gekauft“, hat Stratmann festgestellt. Generell bestehe schon Lust auf Neues, aber bitte nicht zu extrem, schränkt der Händler ein. Das Sandalengeschäft sei noch sehr schwierig und die Läger seien voll. „Wir hoffen auf einen schöneren Sommer als 2021“, sagt nicht nur Volker Stratmann aus Meschede.

 

Für Britta Goertz, Schuhhaus Meyer, Lübbecke, sind im Damensortiment die Sneaker nach wie vor in jeglicher Variante allmächtig: „In Bonbonfarben, Tricolor, Beige, Grau oder cleanem Weiß, reduziert oder verspielt, da geht alles. Daneben sind Loafer die eindeutigen Trendschuhe – entweder massiv oder im feineren Look. Modisch orientierte Frauen – egal ob sie 20, 40 oder 60 Jahre alt sind – setzen auf Bulky-Varianten mit derber Kette und Schmuckelementen. Gefragt sind aber auch Slipper mit eleganteren Böden und in Sacchetto-Machart – von Beige bis hin zu Bonbonfarben“. Modisch wissen ihre Kundinnen Bescheid. Sportliche Bulky-Böden, Schnürungen oder Slipper seien ihnen nicht so fremd und sie wüssten, dass sie diese Typen zum Kleid und zur verkürzten Hose tragen können. Aufklärung benötigen sie nicht. Britta Goertz bedauert: „Die Männer lassen uns momentan noch etwas im Stich. Modisch tun sie sich schwer im Verkauf, aber wenn das Argument Funktion fällt, dann sind sie offen für Neuheiten. Flexible Schnürsenkel, seitliche Reißverschlüsse für einen bequemen Einstieg, atmungsaktive Mesh-Materialien, Memory Foam-Böden und überhaupt weiche bequeme Böden sind ein Verkaufsargument für die Männer. Und sie können Farbe: Blau, Beige, Weiß, Olive sind bei ihnen angekommen“.

Bestseller bei den Schuhtypen waren für Steffen Staedtler, Schuhhaus Salmann in Jüterbog, vor allem Sneaker, gerne knöchelhoch in hellen Tönen, Weiß, aber auch als farbige Modelle. „Überraschend groß ist die Nachfrage nach festlichen Anlassschuhen für Hochzeiten und Abitur-Bälle. Wir merken, dass nach zwei Jahren Pandemie die Sehnsucht bei den Frauen groß ist, sich wieder fein zu machen. An einem Vormittag habe ich erlebt, dass ausschließlich Galanterie gekauft wurde. Das ist ein regelrechter Boom und der Nachholeffekt ist groß. Es waren viele ältere Damen unterwegs, die auf der Suche nach neuen Pumps und Sling-Pumps mit hohen Sprengungen und in hellen Nudetönen geschaut haben, die zu Kleidern passen“, freut sich der Schuheinzelhändler über das Feedback.

Pia Kolb, Fritz Frank Schuhe+Sport KG in Bretzenheim, verkauft vor allem Sneaker, vornehmlich in hellen, ruhigen Tönen, die sich gut kombinieren lassen mit den modischen ’Knallfarben‘ aus der Bekleidung. Aktuell verkaufen sich auch modische Loafer mit profilierter Sohle und mit Ketten als Schmuckelement gut, außerdem klassische Slipper in kräftigen Farben oder aber in zurückgenommenen, edlen Pastelltönen wie Rosé und Hellblau. „Die Lust der Kundinnen auf neue Mode ist in jedem Fall spürbar und seit dem Wetterumschwung auf Frühjahr ist das auch in der Kasse deutlich zu sehen. Für Abiball & Co. werden tatsächlich wieder höhere Absätze, Glitzer und Blingbling in Pumps- und Sandaletten-Varianten gekauft. Als neuen Trend sehen wir Clogs in Velours, mit Fell, mit Kette, in schönen und wertigen Glattledern sowie Varianten auf Basis des Clog-Boden, aber nur mit einem Riemchen, z.B. in schönen, farbigen Velouren.“ Fazit von Pia Kolb: Zum Glück – wie auch vor der Pandemie – schätzen die Kundinnen in den Fachgeschäften vor allem den individuellen Service und die kompetente Beratung. Online leidet aktuell unter der Offline-Kauflust der Kundinnen. 

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Lisa Dartmann / 29.04.2022 - 12:40 Uhr

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