Fashionconsult Forecast

Mit Schwarmintelligenz durch die Krisen

Die Erfahrungen vieler Unternehmen sollen jedem Einzelnen dabei helfen, unternehmerische Herausforderungen zu meistern. (Foto: James Wainscoat/Unsplash)
Die Erfahrungen vieler Unternehmen sollen jedem Einzelnen dabei helfen, unternehmerische Herausforderungen zu meistern. (Foto: James Wainscoat/Unsplash)

Was können Mode- und Schuhgeschäfte vom laufenden Jahr erwarten? Die Retail-Berater von Fashionconsult haben Händlerinnen und Händler nach ihren Planungen gefragt und Prognosen für 2022 aufgestellt.

Digitalisierung, Pandemie, Inflation, Krieg und Verödung von Innenstädten – die Liste an Herausforderungen für Handelsunternehmen, mit denen Oliver Janz, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Handelsmanagement in Heilbronn, die Präsentation des Beratungsunternehmens Fashionconsult beginnt, ist lang und vor allem vielfältig. Um aus gemeinsamen Erfahrungen bessere und erfolgversprechendere Planungen aufstellen zu können, bietet Fashionconsult eine Prognose-Plattform für Schuh- und Modehändler, die auf Ergebnissen einer Umfrage unter Handelsunternehmen und den Planungen der Fashionconsult-Kunden basiert, und stellte sie in einer Präsentation am 20. April vor. Die Schwarmintelligenz der Handelsunternehmen soll jedem Einzelnen dabei helfen, sein Unternehmen besonnen durch die krisengeplagte Zeit zu führen. „Wir glauben, dass die Unternehmer mit ihren Einschätzungen bei all der Komplexität nah am eintretenden Ergebnis liegen“, ist Fashionconsult-Gründer Leo Faltmann überzeugt. In den Forecast sind die Erfahrungen von Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von über 260 Mio. Euro im Jahr 2019 eingeflossen. Gemeinsam mit dem Unternehmen Fischer Retail Solutions wurde ein Dashboard entwickelt, in dem die prognostizierten Einnahmen und Ausgaben im Zeitverlauf angezeigt werden. Das Dashboard wird allen Interessierten zur Verfügung gestellt, die sich bei Fashionconsult melden. Zusätzlich ist ein White Paper gemeinsam mit Professor Oliver Janz zusammengestellt worden.

 

Erhoffte Erholung

Durch die abzusehende Aufhebung der Corona-Maßnahmen war zunächst die Hoffnung groß, im Jahr 2022 wieder das Niveau von 2019 zu erreichen. In den bis Ende Januar abgeschlossenen Planungen, die Fashionconsult gemeinsam mit den Unternehmen durchgeführt hatte, wurde noch von einer raschen Erholung auf das Vorkrisenniveau innerhalb der Mode- und Schuhbranche ausgegangen. Mit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine mussten viele Prognosen neu angestellt werden und sowohl über die Einnahmen- als auch über die Ausgabenseite völlig andere Annahmen angestellt werden. Daher sei es umso wichtiger gewesen, kurzfristig neue Prognosen aufzustellen, damit die Handelsunternehmen sinnvolle unternehmerische Entscheidungen treffen können, so Fashionconsult. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs werden sich allerdings anders auf den Handel auswirken als die Corona-Krise, so dass die Erfahrungen aus der Pandemie kaum übertragbar sind. Geschäfte werden nicht schließen werden, jedoch könnte die Kundschaft ausbleiben, erklärt Leo Faltmann: „In den vergangenen zwei Jahren wurde der Geschäftsbetrieb durch staatliche Hilfen aufrechterhalten. Was passiert, wenn im normalen Geschäfts- betrieb aber auf einmal eine ganz andere Situation herrscht als erwartet?“ Wenig überraschend ist der Einfluss der steigenden Energiepreise auf die Planungen für 2022. Für die Ausgaben durch Energiekosten wird im Vergleich zu 2019 eine Steigerung von 9,6% vorausgesagt. Die Personalkosten werden laut Prognose um 1,7% steigen. Die als sonstige Kosten aufgeschlüsselten Ausgaben sinken um 0,9%. Beim Brutto-Umsatz wird mit einem Minus von 5,3% gerechnet. Die erwartete Erholung und rasche Rückkehr auf das Niveau von 2019 wird also vermutlich nicht erreicht. Immerhin kann mit einem deutlichen Umsatzplus zu 2021 gerechnet werden: Dieses Jahr soll ein Plus von 10,5% bringen.

Der erwartete Einfluss des Kriegs lässt sich an der Differenz zur ursprünglichen Planung für das Jahr 2022 ablesen. Im Vergleich ist die Umsatzprognose um 12,3% gefallen, und auch die Ausgaben dürften sich stark verändern. Im Vergleich zum ursprünglichen Plan sinken die sonstigen Kosten – also alles außer Ausgaben für Energie und Personal – um 8,5%. Das deutet darauf hin, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer durch den Kriegsbeginn geplante Investitionen zurückgestellt haben und die wirtschaftliche Entwicklung lieber abwarten: „Viele versuchen, sparsam zu sein, und passen auf, weil das Anspringen des Geschäfts doch nicht sicher ist“, interpretiert Leo Faltmann. Überrascht habe die Unternehmensberater jedoch, wie stark sich die prognostizierten sonstigen Kosten von denen im Jahr 2021 unterscheiden.

Auf Sicht fahren

Weitere Herausforderungen, die auf die Händlerinnen und Händler kommen könnten, sind etwaige Rückzahlungen von Krediten oder Überbrückungshilfen. Doch welche Rückschlüsse können aus den Ergebnissen gezogen werden? „Auf Sicht fahren“, empfehlen die Berater von Fashionconsult. Es sei bei der Ungewissheit der Logistik wichtig, alle Aspekte der Warensteuerung im Blick zu behalten. Aufgrund der zu erwartenden Kostensteigerungen sei es außerdem schon jetzt notwendig, alle Kosten auf den Prüfstand zu stellen. Ersparnisse zurückzuhalten könne jetzt besonders wertvoll sein, deswegen sollte nur investiert werden, wenn von einem schnellen und sicheren Return of Investment ausgegangen werden kann. Wer jetzt schon vorsichtig und vorausschauend handele, sei auf alle aktuellen und folgenden Herausforderungen vorbereitet. 

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Christopher Mastalerz / 29.04.2022 - 12:28 Uhr

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