„Entscheidung kommt viel zu spät“

Nie wieder 2G?

2G im Handel ist bundesweit abgeschafft. (Foto: Unsplash/pieronigro)
2G im Handel ist bundesweit abgeschafft. (Foto: Unsplash/pieronigro)

Abgeschafft: Flächendeckend gelten für den Einzelhandel keine Zugangsbeschränkungen mehr. Wie reagierte die Branche auf diese Entscheidung? Und was folgt daraus?

Die Erleichterung war riesig. Mit Beschluss der Bund-Länder-Runde vom 16. Februar sind Zugangsbeschränkungen zum stationären Schuhhandel endgültig Geschichte. Impfstatus- und Ausweiskontrollen an den Eingängen entfallen flächendeckend, die Geschäfte sind wieder bundesweit für alle Menschen geöffnet. „Die Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz war überfällig und kommt viel zu spät“, sagt Fritz Terbuyken. Die Frequenzeinbußen durch die 2G-Beschränkungen und die damit dem stationären Handel entgangenen Umsatzrückgänge lagen laut dem ANWR-Vorstandsmitglied bei rund 30% im Vergleich zu 2019. Auch bei Friedrich Werdich halten sich Erleichterung und Verärgerung die Waage. „Wider besseren Wissens hat die Politik insbesondere dem Facheinzelhandel enorme Restriktionen auferlegt. Auch wenn ich den politischen Willen, die Bevölkerung zu Impfungen zu bewegen, anerkenne, kann ich es nicht akzeptieren, dass wir im Handel die Lasten einer verunglückten Corona-Politik zu tragen haben“, so Werdich. Ohnehin würden 80% der Kundenfrequenz im Lebensmittelhandel und in Drogerien entstehen. „Die Kollegen hatten die ganze Zeit ohne 2G/3G Restriktionen geöffnet, ohne dass hier Infektionsherde entstanden sind. Der Facheinzelhandel mit einer deutlich geringeren Kundendichte und guten Hygienekonzepten hätte sicher sogar dazu beigetragen, die Kundenfrequenz in der Summe zu entzerren.“ Martin Schneider von GMS ergänzt: „Die verunsicherten Konsumenten wanderten in den Online-Handel und zu den Discountern ab. Für den vielfältigen Einzelhandel in Deutschland war das ein Desaster, worauf GMS immer wieder hingewiesen hat.“

2G ausschließen

Stephan Krug richtet nach der Abschaffung der 2G-Regelung im Einzelhandel den Blick auf die kommenden Monate. So erwartet das Robert-Koch-Institut für Herbst 2022 eine weitere Corona-Welle. „Mit den eindeutig feststehenden unwissenschaftlich bestätigten Fakten über die irrelevante Rolle des Einzelhandels in der Pandemieverbreitung wäre es wichtig, über einen generellen Verzicht von 2G-Beschränkungen für den Handel bei künftigen, ähnlichen Ereignissen zu sprechen und dieses jetzt auch schon festzulegen“, sagt der SABU-Geschäftsführer gegenüber schuhkurier. Fritz Terbuyken sieht ebenfalls Handlungsbedarf: „Der 2G-Irrweg der vergangenen Monate darf sich nie mehr wiederholen. Wir müssen sicherstellen, dass 2G- und 3G-Zugangsbeschränkungen beim Einkauf auch künftig nicht mehr in den Instrumentenkasten zur Pandemiebekämpfung gehören.“ Darüber hinaus fordert Stephan Krug weiterhin eine nachträgliche Anpassung der Bedingungen für die Überbrückungshilfe IV. „Ein Schwellenwert von 30% Umsatzverlust ist – gelinde gesagt – eine Beleidigung für jedes betroffene Unternehmen. Schon bei einem Minus von 20% sind wir in der so genannten Todeszone des Handels. Und schlussendlich gibt es immer noch keinen adäquaten Ausgleich der Politik für das Sonderopfer des Einzelhandels durch die Pandemiebeschränkungen und damit für die dringend notwendige Rekapitalisierung des Handels“, so der SABU-Chef.

Hoffen auf Verbesserung

Wie wird sich die Umsatzentwicklung im Schuhhandel in den kommenden Wochen entwickeln? „Da wir in den Nachbarländern durch die Aufhebung der Corona-Auflagen eine deutliche Verbesserung der Konsumstimmung erlebt haben, gehen wir davon aus, dass sich dieser Effekt auch im deutschen Markt einstellen wird. Durch die Aufhebung dieser Maßnahmen erwarten wir vor allem eine Zunahme der Frequenzen. Ob diese jedoch wieder auf das Niveau vor der Pandemie zurückkehren werden, bleibt abzuwarten“, sagt Fritz Terbuyken. Friedrich Werdich bleibt zurückhaltend optimistisch. „Ich rechne erst mit Beginn frühlingshafter Witterung mit nachhaltig steigenden Umsätzen und einem unbeschwerten Sommer.“ Vielleicht sei es sogar positiv, wenn die Kauflaune erst in einigen Wochen zurückkehren werde. „Stand heute haben wir alle noch viel zu wenig Ware im Haus“, so der Unternehmer. Getrübt fällt auch der Ausblick von Stephan Krug aus. „Zudem lauern weitere Herausforderungen auf den Schuhhandel, wie z.B. steigende Energiepreise, Lieferprobleme oder die Inflation, die allesamt das Konsumverhalten der Verbraucher nachhaltig negativ beeinflussen können.“

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Helge Neumann / 24.02.2022 - 13:56 Uhr

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