Händler-Umfrage

Outdoor bleibt wichtig

Immer mehr Leute haben den Urlaub in der Natur für sich entdeckt – und benötigen die passenden Schuhe dafür. (Foto: Aku)
Immer mehr Leute haben den Urlaub in der Natur für sich entdeckt – und benötigen die passenden Schuhe dafür. (Foto: Aku)

Die Nachfrage nach Outdoor-Schuhen bleibt weiter hoch – und diversifiziert sich zwischen Waldspaziergänger und Alpinist. Händler erzählen, welche Trends es gibt und welchen Marken die Kundinnen und Kunden vertrauen.

Zwar gibt es mittlerweile auch wieder andere Reisemöglichkeiten, doch die Wanderlust bleibt ungebrochen groß. „Die Leute wollen raus. Und zwar unabhängig vom Alter“, berichtet Marcus Keller-Leist von Schuh-Keller in Ludwigshafen, bei dem eine große Bandbreite an Kunden nach Schuhen zum Wandern fragen. Viele Leute seien während der Pandemie auf den Natururlaub in der näheren Umgebung gekommen und hätten dies zu schätzen gelernt. „Ich denke, dass das derzeitige Flugchaos den einen oder anderen dazu bewegt, sich für Urlaub in den Bergen zu entscheiden“, vermutet außerdem Schuh Beck-Geschäftsführer Ingo Hänel.

 

Mehr Gelegenheiten für Outdoor-Schuhe

Auch für Spaziergänge im Wald mit Hund, den Städtetrip und leichtes Walking wird mehr nach festem Schuhwerk mit Funktion gefragt, beobachtet Felix Weigel von Schuhhaus Salge in Calberlah. Da viele Hersteller im Outdoorbereich mit Lieferkettenproblemen zu kämpfen haben und die steigende Nachfrage kaum erfüllen können, freut er sich darüber, dass auch Hersteller aus dem konventionellen Schuhsegment mehr Schuhe mit Funktion anbieten und die Nachfrage mit abdecken: „Wenn der Spazierschuh nicht von Lowa oder Meindl kommen muss, ist schon viel geholfen.“ Diese Zielgruppe kaufe auch neue Marken und Quereinsteiger. „Es gibt zwar eine Gruppe an erfahrenen Wanderern, die auf eine Marke festgelegt sind und lieber drei Monate warten, als andere Schuhe zu kaufen“, beschreibt Weigel, dass viele den seit Jahrzehnten in der Branche verankerten Marken vertrauen. Doch einige, die das Wandern gerade für sich entdeckt haben, seien offen für andere Marken und für Outdoorschuhe etwa von On, Brütting und Grisport. Bei Trekkingsandalen wird in Calberlah eher nach Ecco gefragt als nach Outdoor-Marken, weil die Kunden die Marke aus dem Alltag kennen. Auch Ulrich Rau, Inhaber von Sport + Schuh Rau in Gerstetten, hat verschiedene Kundentypen mit unterschiedlichen Bedürfnissen im Geschäft: „Kundinnen und Kunden, die Nordic Walking praktizieren, suchen wasserdichte, leichte Halbschuhe, die in der Regel eher clean, manchmal aber auch sehr bunt gestaltet sind. Eine weitere große Kundengruppe bezeichne ich gern als Event-Wanderer. Sie brauchen fürs Wochenende oder den Kurzurlaub Leichtwanderschuhe. Und dann sind da die treuen Kunden, die auch anspruchsvollere Touren wie den E5 von Oberstdorf nach Meran laufen. Sie brauchen kompakte, sportliche Schuhe mit viel Funktion.“

 

Beratungsintensiv und preisstabil

Gerade die vielen Neulinge hätten zahlreiche Fragen und wendeten sich an den Fachhandel, erzählt Keller-Leist: „Viele haben noch kaum Erfahrung mit festem Schuhwerk, manche haben ihre erste Wanderung auch mit einfachen Sneakern ausprobiert und schnell gemerkt, dass das keinen Spaß macht.“ Außerdem können mit der richtigen Pflegeberatung zum einen das passende Pflegemittel mit auf den Bon und zum anderen die Enttäuschung vom neuen Schuh von vornherein vermieden werden: „Ein häufiger Reklamationsgrund ist, wenn wasserfeste Gore-Tex-Schuhe ohne die richtige Imprägnierung doch Wasser durchlassen.“ Trotz Krisen und Inflation ist das Segment auch immer noch sehr preisstabil. Wer sich ordentliche Wanderschuhe kaufen möchte, der achtet nicht auf den Preis – das gilt immer noch, stellt Ulrich Rau fest: „Unseren Kunden geht es um Qualität, Beratung und Wissen. Und es ist ihnen dann relativ wurscht, ob ein Paar Schuhe 120, 150 oder 200 Euro kostet. Ich bin allerdings gespannt, wie sich das im Herbst entwickeln wird.“ Auch Ingo Hänel sieht das Segment als sehr preisstabil an: „Allerdings werden die Schuhe zu H/W im Schnitt um 10 Euro teurer – und zu F/S 23 nochmals. 20 Euro innerhalb eines Jahres, das ist ein großer Schritt.“

 

Klassische und gedeckte Farben

Mittlerweile müssten auch im Outdoor-Bereich Outfit und Schuhe abgestimmt werden, beschreibt Ingo Hänel: „Ich achte bei der Order von Outdoor- Modellen auf die Trends der Outdoor- Mode, um beides im Sinne des Gesamt- Outfits aufeinander abzustimmen. Mehr als 70% meiner Kundinnen und Kunden kaufen Urban Outdoor-Schuhe, also Modelle, die dann nicht zu funktioneller Wanderbekleidung, sondern zu Jeans oder Chino passen müssen.“ Es darf zwar etwas bunter werden, erzählt Keller-Leist. Doch am Ende werden gedeckte Farben bevorzugt. Bei zu knalligen Schuhen heiße es oft: „Die sind zwar schön, aber vielleicht doch nichts für mich.“ Auch im Schuhhaus Salge sind schlichte Farben und Designs gefragt: „Gerade weil viele Kundinnen und Kunden von den steigenden Preisen verunsichert sind, kaufen sie lieber konservativer und wollen Wanderschuhe, die zu allem passen. Viele haben bei bunten Schuhen auch Angst, dass sie schnell dreckig werden.“ Wenn es etwas verspielter am Outdoor-Schuh sein soll, dann mit Schnürsenkeln in anderer Farbe. 
 

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Christopher Mastalerz / 08.07.2022 - 13:03 Uhr

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