Verbundgruppe blickt auf das Jahr 2021 zurück

SABU: Mit Netzwerken gegen die Krise

Im niederländischen Maastricht trafen sich Schuhhändlerinnen und -händler am 18. Juni zur SABU-Generalversammlung. (Foto: Guillaume Henrotte/Unsplash)
Im niederländischen Maastricht trafen sich Schuhhändlerinnen und -händler am 18. Juni zur SABU-Generalversammlung. (Foto: Guillaume Henrotte/Unsplash)

Am 18. Juni trafen sich die Mitglieder der SABU Schuh-Verbund eG zur Generalversammlung im niederländischen Maastricht. 

Der Aufsichtsratsvorsitzende Lars Otto begrüßte die Anwesenden zur 70. Generalversammlung, die als Jubiläumsveranstaltung erstmals in den Niederlanden stattfand. 73 Mitgliedsunternehmen waren der Einladung der Genossenschaft gefolgt, 20 Vollmachten erteilt worden.
Vorstandssprecher Ulrich Rau blickte in seinem Bericht auf ein herausforderndes Jahr 2021 zurück: „Seit unserem Treffen in Berlin vor acht Monaten (Anmerkung der Redaktion: Die SABU-Generalversammlung war im vergangenen Jahr von Juni auf den 23. Oktober verschoben worden) hat sich die Weltordnung schlagartig und in dramatischer Weise verändert.“ Hatte man Ende März angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen und zunehmender Lockerungen gehofft, dass es im Modehandel wieder aufwärts gehen würde, traf der Krieg in der Ukraine die Unternehmen heftig – nicht zuletzt durch explosionsartig steigende Preise und eine Inflationsrate über 7%

„Die Inflation und der Krieg in Europa haben sich extrem negativ auf die Stimmung der Verbraucher ausgewirkt“, so Rau. Vor allem der Non-Food-Handel sei davon betroffen. Zudem belasteten Engpässe durch unterbrochene Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie sowie deutliche Preisanstiege in der vorgelagerten Lieferkette den Handel. „Auch im Einkauf müssen wir für die anstehende Ordersaison H/W 2022/23 mit deutlichen Preissteigerungen rechnen. Bei vielen Herstellern erhöhen sich die Preislagen um vermutlich bis zu 10%“, so Rau. Dies bremse zwar die wirtschaftliche Erholung aus und verhindere positive Impulse. „Gleichzeitig ergibt sich daraus aber auch eine Chance für uns, ungeliebte und zementierte Eckpreislagen aufzubrechen“, betonte der Vorstandssprecher.
Zugleich gebe es weitere Herausforderungen zu bewältigen, nicht zuletzt auch die Suche nach geeignetem und motiviertem Personal. Trotzdem gelte es, Chancen zu heben, so Rau. Diese lägen etwa darin, dass stationäre Händler ihre Kunden kennen – als Nachbarn, Vereinsmitglieder oder Sportgefährten. „Deshalb sind Veranstaltungen wie Stadt- und Vereinsfeste und ähnliches so immens wichtig“, betonte Rau. „Nutzen Sie die Chance! Bauen Sie sich in Ihrem Umfeld ein Netzwerk auf! Dabei könne auch das SABU-Angebot im Bereich Customer Relationship Management hilfreich sein.

RSB-Bank ohne Jahresverlust

Der Blick auf die Zahlen der Beteiligungen der SABU Schuh-Verbund eG offenbart, wie herausfordernd sich das Jahr 2021 gestaltet hat. So sank der ZR-Umsatz der RSB-Bank (Anteilsstruktur: 75% SABU Schuh Verbund eG, 25% Intersport) um rund 33 Mio. Euro auf 792 Mio. Euro – das entspricht einem Rückgang um 4%. Hintergrund waren die verhaltenen Wareneinkäufe der Händler. Parallel gingen die Provisionserträge zurück. Durch staatliche Finanzhilfen waren Händler in der Lage, ihre Warenrechnungen unter hoher Skontoausnutzung zu regulieren. Dementsprechend erzielte die RSB-Bank weniger Skontomehrerträge. Das Zinsergebnis reduzierte sich deutlich um 355.000 Euro – zum einen durch den geringeren Kreditbedarf der Händler und zum anderen durch die Negativzinsen von -234.000 Euro infolge der erhöhten Liquidität der Bank.
Die Bank unternahm laut den Ausführungen des Vorstandssprechers große Anstrengungen, um Kosten einzusparen. So seien die Personalkosten um 145.000 und die Verwaltungskosten um 70.000 Euro reduziert worden. Im Gegenzug allerdings hätten sich die Risikokosten erhöht. „In der Gesamtbetrachtung aller Faktoren ist es gelungen, in diesem schwierigen Jahr einen Verlust zu vermeiden, wenngleich auch kein Jahresüberschuss erzielt werden konnte“, so Rau. Dieser hatte im vergangenen Jahr noch 600.000 Euro betragen. Zwei neue Verbundgruppen konnten als Kunden für die Zentralregulierung und Zahlungsabwicklung gewonnen werden.

SABU GmbH: Umsatz sinkt

Der Gesamtumsatz der SABU Schuh & Marketing GmbH (Anteiligkeiten: 50% SABU Schuh-Verbund eG, 50% Intersport) hat sich um 32,5 Mio. Euro auf 236 Mio. Euro reduziert. Dies entspricht einem Rückgang um 12,1%. Gründe sind laut Rau der Lieferstopp vieler Lieferanten für Ware zur F/S 21-Saison in den Monaten November/Dezember 2020 bis März 2021. Auch eine deutliche Orderzurückhaltung habe sich hier bemerkbar gemacht. Allerdings rechnet man so Rau für das Jahr 2022 „mit einer Trendwende und damit mit einer deutlichen Erholung des Umsatzes in der Zentralregulierung.“
Die Gewinn- und Verlustrechnung der SABU GmbH ist geprägt durch rückläufige Erträge aus dem Warengeschäft aufgrund der signifikanten Umsatzausfälle. Allerdings ist es, so der Vorstandssprecher, gelungen, die Kosten der SABU GmbH erneut deutlich um 295.000 Euro zu senken, unter anderem durch Einsparungen bei Messen, Ordertagen, Katalogen und Reisekosten. Dass die SABU GmbH trotz Umsatz- und Ertragsrückgang ein positives Ergebnis ausweisen kann, geht auf die gewährte Überbrückungshilfe 3 zurück: Trotz schwieriger Marktbedingungen konnte ein „respektables Ergebnis“ der normalen Geschäftstätigkeit, nach Steuern 121.000 Euro, erwirtschaftet werden.

Unitex: Zuwachs in allen Bereichen

Die Textilverbundgruppe Unitex (Anteiligkeiten 50% SABU Schuh-Verbund eG, 50% Unitex Vermögensverwaltung GmbH) verzeichnet laut dem Bericht des Vorstandssprechers in allen Bereichen Zuwächse. So stieg der ZR-Umsatz um 2,7% auf 320,9 Mio. Euro. „In Anbetracht dessen, dass auch der Modehandel von den behördlich angeordneten Geschäftsschließungen betroffen war, ist die Umsatzentwicklung der angeschlossenen Modehändler mit rund -11% gegenüber 2020 nochmals deutlich gefallen. Die Beziehungsqualität zwischen Handel und Kunden ist dagegen messbar gestiegen“, erläuterte Ulrich Rau. Zudem konnte die Unitex im vergangenen Jahr mehr als 60 neue Mitglieder gewinnen und zählt nun mehr als 800 Handelsunternehmen mit mehr als 1.800 Standorten zu ihrem Kreis. Mehr als 500 Lieferanten (+ rund 45) haben eine Zusammenarbeit mit der Unitex begonnen. Für das Geschäftsjahr 2022 sei, so Ulrich Rau, der ZR-Umsatz aufgrund von Corona, dem Krieg in der Ukraine und gestörter Lieferketten schwer zu prognostizieren.

Mitgliederzahl rückläufig

Per 31. Dezember 2021 lag die Zahl der Mitglieder bei 760 (Vorjahr: 791). Dabei standen 23 Zugängen 54 Abgänge gegenüber.

Wie ein Hund einen Schuhhändler „rettete“

Als Gast war der niederländische Händler Richard Brekelmans bei der SABU-Generalversammlung dabei, dessen Großvater seinerzeit ein Schuhhaus in der Kleine Staat in Maastricht gegründet hatte. Später kam ein weiteres Geschäft in Heerlen dazu. Richard Brekelmans als dritte Generation der Familie übernahm gemeinsam mit seiner Frau im Jahr 2020 ein Schuhgeschäft in Venlo und musste kurz darauf Lockdown-bedingt wieder schließen. „Was uns gerettet hat, ist unser Hund“, schilderte der Händler rückblickend. Nach dem zweiten Lockdown lag der Hund schlafend im Laden. Brekelmans stellte ein Schild neben ihm auf: „Streicheln 1 Euro, Küsschen geben 2 Euro“. Seine Frau postete ein Foto des Motivs in sozialen Netzwerken. „Was danach passierte, hat alles übertroffen“, so der Händler. Der Post wurde 1,6 Mio. mal angesehen, mehrere Medien wurden auf das Unternehmen aufmerksam. Es folgte eine Spendenaktion, an der mehr als 600 Menschen teilnahmen – inklusive Leckerlis für den Vierbeiner. Als das Schuhhaus nach dem Lockdown wieder öffnen konnte, standen die Kunden Schlange für ein Foto mit Hund. Noch heute kommen laut Brekelmans Menschen ins Geschäft, die den Post in den sozialen Netzwerken gesehen haben.  

Die nächste Ordentliche Generalversammlung der SABU eG findet vom 16. bis 18. Juni 2023 in Frankfurt statt.

Mehr zur SABU Generalversammlung lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 26.

 
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Petra Steinke / 18.06.2022 - 19:23 Uhr

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