Schuhanbieter Thies im Portrait

Sechs Generationen – ein Leben für Schuhe

Schuhe aus nachhaltigen Materialien bestimmen die Kollektionen von Thies. (Foto: Thies)
Schuhe aus nachhaltigen Materialien bestimmen die Kollektionen von Thies. (Foto: Thies)

Bereits seit 1856 ist das Familienunternehmen Thies im Schuh-Business zu Hause – mittlerweile sorgt die sechste Generation für innovative und nachhaltige Produkte. Geschäftsführer Sebastian Thies sprach mit schuhkurier über Entwicklungen und Herausforderungen.

Kreativität und Einfallsreichtum haben in der Firmenhistorie von Thies seit jeher eine große Rolle gespielt. Alles beginnt 1856, als Ferdinand Fischer in Pegau bei Leipzig eine Hutmacher-Manufaktur gründet. Einige Jahre später entwickelt er eine patentierte Filzpressmaschine, durch die er auch umliegende Schuhfabriken mit Filz beliefern kann. Mit der Zeit produziert Ferdinand Fischer selbst die ersten Schuhe, seine Söhne sowie später Enkel steigen mit ein und seine kleine Firma wächst rasant. Der Zweite Weltkrieg bereitet ihr jedoch ein jähes Ende. Es sind der unermüdliche Einsatz und Fleiß von Ferdinands erst 19 Jahre alten Ur-Enkelin Ingeborg, die das Unternehmen 1947 neu aufleben lassen: In einem Hühnerstall in der Lüneburger Heide fertigt sie Tag für Tag per Hand Baby- und Krabbelschuhe. Ihre Brüder und ihr Ehemann Walter Thies unterstützen sie beim Knüpfen neuer Geschäftsbeziehungen. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte mit wieder 600 Angestellten und drei Fabriken in Munster, Uelzen und Schneverdingen bei Soltau.

Ausgezeichnet

Mittlerweile hat das Unternehmen acht feste und mehrere freie Mitarbeiter, die drei Standorte sind nach München verlegt worden. Produziert wird extern in Italien und Spanien. Aus der Firma haben sich die voneinander unabhängigen Betriebe Fischer Markenschuh und Thies entwickelt – beide noch immer in Familienhand. Den Erfindergeist und das sichere Gespür für Schuhe haben die heutigen Macher von Thies von ihren Vorfahren in die Wiege gelegt bekommen. Geschäftsführer Sebastian Thies, Enkel von Ingeborg Thies und im Betrieb seit 2002, sowie seine Frau Carmen und sein Vater Matthias haben mit den Eigenmarken Thies 1856 und Nat-2 sowie mit Kollektionen für andere Brands das Thema Nachhaltigkeit auf besondere Weise interpretiert und neue Schuhtypen entwickelt. 2 in 1-Schuhe, die sich mit einem speziellen Reißverschlusssystem zum Stiefel oder zur Sandale transformieren lassen, individualisierbare Sneaker, die mithilfe eines Baukastensystems immer wieder verändert werden können, dazu ökologische und vegane Materialien wie den Pilz Zunderschwamm, Holz oder recyceltes PET-Filz – die kreativen Schöpfungen haben dem Unternehmen schon so manchen Award eingebracht. Jüngst wurde die Marke Nat-2 mit dem Förderpreis Design der Stadt München ausgezeichnet.

Meilenstein

„Nat-2 war ein wichtiger Meilenstein für uns. Durch unseren Werkstoff der ersten Stunde, Filz, sind wir die natürliche Schiene zwar schon immer gefahren, aber das Thema Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen“, sagt Sebastian Thies über die 2007 gegründete Eigenmarke. Während Thies 1856 für hochwertige Haus- und Straßenschuhe steht, präsentiert das Label Nat-2 Sneaker aus Recyclingrohstoffen. Zeitlos-modern und unisex vom Look, dazu funktional und langlebig – das zeichnet Optik und Tragekomfort aus. „Abgefahrene Materialien, aber eine cleane Ästhetik ohne Öko-Muff“, bringt es Sebastian Thies auf den Punkt. Kunden, die Thies-Schuhe tragen, seien designorientiert und an nachhaltigen Produkten interessiert, würden aber dennoch Wert auf ein gewisses Understatement legen. „Gerade im Hausschuh-Segment wollen die Käuferinnen und Käufer gerne klassische statt neuer Modelle – da wissen sie, was sie haben.“ Ca. 300 Händler in Europa und den USA sowie der eigene Online-Shop coilex.com vertreiben die Schuhe, darunter internationale Kaufhäuser wie das renommierte Pariser Lafayette, ausgesuchte Manufakturen, Boutiquen oder Modehändler. „Der stationäre und der Online-Verkauf halten sich in etwa die Waage“, so Sebastian Thies. Vor allem in der Corona-Zeit sei der Online-Umsatz gestiegen. „Der Bedarf nach Hausschuhen war in den vergangenen zwei Jahren hoch, das hat uns stabil durch die Krise kommen lassen“, resümiert der Geschäftsführer.

Herausforderungen

Doch der Ukraine-Krieg, der Inflation und verzögerte Warenlieferung mit sich bringt, lässt wenig Zeit zum Aufatmen. „Auch wir müssen langfristiger planen, was die Laufzeiten und Lieferungen betrifft. Und die Katze beißt sich da in den Schwanz: Wenn wir später mit Materialien beliefert werden, können wir unsere Händler ebenfalls erst später beliefern. Das macht die Planbarkeit nicht einfach. Um leichte Preiserhöhungen kommt man nicht herum.“ Die seien bei Sneakern einfacher umzusetzen als bei Hausschuhen. „Ob ein Hausschuh 49 oder 59 Euro kostet, kann erfolgsentscheidend sein. Bei modischen Schuhen wie Sneakern werden Preisschwankungen eher in Kauf genommen.“ Mit Blick in die Unternehmenszukunft zeigt sich Sebastian Thies aber optimistischen Blick: „Ständige Innovationen in Sachen Nachhaltigkeit sind eine wichtige Strategie, um eine Daseinsberechtigung zu haben und um sich stetig zu verbessern. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.“

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Nina Ungerechts / 19.05.2022 - 11:15 Uhr

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