Messe für Schuhe und Accessoires

Shoes: Branchentreffen in schwierigen Zeiten

Impression von der Shoes in Düsseldorf (Foto: Redaktion)
Impression von der Shoes in Düsseldorf (Foto: Redaktion)

Seit vergangenen Sonntag hat der Handel auf der Fachmesse Shoes Gelegenheit, Kollektionen zu sichten und Kontakte zu knüpfen. Es gibt viele Themen zu besprechen, von Lieferengpässen über die Produktionsplanung bis hin zum Krieg in Osteuropa.

Sonntag, 6. März, 10 Uhr: Die Messe Shoes läuft; 600 Brands zeigen sich in den Hallen auf dem Areal Böhler und zahlreiche Einkäufer und Händler starten ihre Informations- und Ordertour. Guter Dinge zeigt sich Friedrich Lüning, der in Düsseldorf die Apple of Eden-Kollektion, ergänzt um einige Neuheiten, zeigte. Man habe im Vorfeld der Messe viele Termine vereinbart: „wir kommen nicht unvorbereitet her und freuen uns, dass mehr Händler bereit sind, sich zu committen.“
Auch Pepijn van Bommel, Verkaufsleiter des niederländischen Schuhherstellers Floris van Bommel, sieht die Messe positiv. „Die Shoes wird weiterhin eine wichtige Plattform für den deutschen Schuhmarkt sein.“ Und nicht nur das: „Wir sehen hier viele Einkäufer aus den Niederlanden. Es ist schön, dass wir uns wiedersehen und dass das Business wieder losgeht.“ Ein Kompliment gibt es für Messechefin Ulrike Kähler. Dass sie in den Pandemie-Saisons an ihrem Konzept festhielt und die Messe nicht ausfallen ließ, zahle sich jetzt aus, meint Dr. Gerhard Bachmaier von Högl.

Messechefin Ulrike Kähler zeigte sich während der traditionellen Pressekonferenz des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) optimistisch. Es sei ein positives Grundrauschen spürbar. „Die Hallen, die wir zur Verfügung haben, sind ’fully booked‘.“ Zwar habe man bei den Ausstellerzahlen noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht, „aber das, was wir hier zeigen, ist ein guter Querschnitt.“ Es gebe einige Rückkehrer und etwa 60 Newcomer, die ihre Kollektionen auf der Shoes zeigen. Auch das Thema Accessoires sei wichtig auf der Messe; unter anderem zeigen Schal-Anbieter ihre Kollektion auf der Fashn und ebenso auf der Shoes. „Sensationell“ ist laut Ulrike Kähler der Anteil ausländischer Aussteller, der konstant bei 65% liege. Besonders hervorzuheben seien dabei Unternehmen aus Spanien und Portugal. Italienische Unternehmen seien zudem durch Agenturen auf der Messe präsent. 

Aus Sicht des Schuhherstellers Jomos ist die Shoes zufriedenstellend verlaufen, analog zur Orderrunde, die dem Unternehmen laut Geschäftsführer Werner Mohr ein „schönes Plus“ beschert. Ähnliches berichtet Oliver Keil, Vertriebsmitarbeiter bei Joya, der sehr zufrieden auf eine erfolgreiche Orderrunde zurückblickt und sich auf Extraaufträge freuen kann: „Wir haben seit drei Wochen das Orderziel erreicht.“ Auch Lara Schrage von Scotch & Soda bewertet die Messe positiv. Gefragt waren die farbenfrohen Sneaker der Marke sowie kernige Booties. „Wir stellen fest, dass Kunden, die bislang eher Sneaker geordert haben, jetzt verstärkt zu Stiefeletten und Stiefeln greifen.“ Enttäuscht über die teilweise geringe Frequenz in den Gängen zeigte sich Markus Schmidt von Gant. „Messe und Aussteller haben viel investiert, um hier ein gutes Angebot zu präsentieren. Ich hätte mir mehr interessierte Händler gewünscht.“ Gleichwohl laufe die Orderrunde für Gant sehr erfreulich, so Schmidt.

Lieferketten, Preise – und der Krieg

Herausforderungen gibt es für die Branche derzeit reichlich. Weiterhin gestörte Lieferketten bereiten den Lieferanten Kopfzerbrechen. Viele haben vorgebaut und auf eigenes Risiko Kapazitäten bei Materialien, Komponenten und Produktion gesichert.
Preissteigerungen sind für H/W 22/23 nicht zu vermeiden, werden je nach Anbieter aber unterschiedlich umgesetzt. So wird Lloyd die Preise nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Schaller um durchschnittlich 6% erhöhen. Der Handel zeige dafür Verständnis, so Schaller. Die Situation sei zudem eine Chance für den Handel, nicht weiter in Eckpreislagen zu verharren. Der Selbitzer Schuhhersteller Jomos will seine Schuhe im Schnitt um 5 Euro teurer machen.
Auch der Krieg in der Ukraine beschäftigt die Branche. Viele Hersteller haben Lieferungen nach Russland vorübergehend gestoppt. Für den Schuhhersteller Berkemann hat der Krieg in der Ukraine ernste Konsequenzen. Das Unternehmen hat Ware an mehrere Kunden in Russland geliefert, die teilweise noch nicht bezahlt wurde. Man generiere in Russland einen „signifikanten Umsatzanteil“, so Geschäftsführer Thomas Bauerfeind. Das sei ein erhebliches Problem, während man die Corona-Pandemie vergleichsweise gut überstanden habe. „Wir bieten mit Berkemann und Solidus Produktkategorien, die in der Pandemie gut funktioniert haben. Beschaffung und Produktion in Europa, eine eigene Sohlenfertigung und ein gut bestücktes Lager haben zusätzlich dazu geführt, dass wir uns gut geschlagen haben. Allerdings haben wir jetzt Probleme zu bewältigen.“

Und der Konsum? Der Handel wartet darauf, dass der Frühling die Menschen in die Städte und Geschäfte lockt. „Ich glaube, dass es einen Nachholbedarf gibt und dass trotz aller Unsicherheiten die Konsumlust wieder steigen wird. Während die Menschen in der Pandemie auch große Investitionen getätigt haben – von der neuen Küche über das Auto bis hin zum Wintergarten – werden diese nun zurückgestellt. Dafür werden sich die Menschen eher kleinere Freuden gönnen.“ Lloyd habe im Damenschuhbereich die Paarzahl verdoppelt und bei den Herren ein gutes Plus erreicht. „Aktuell gibt es noch recht wenig Nachsortierungen; ich hoffe, dass das bald anspringt“, so Geschäftsführer Andreas Schaller. 

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Petra Steinke / 08.03.2022 - 09:31 Uhr

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